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Krieg in Syrien : Rebellen schießen russisches Kampfflugzeug ab und töten Piloten

  • Aktualisiert am

Das russische Kampfflugzeug stürzte in dem syrischen Dorf Ma'saran zu Boden. Bild: EPA

Im Krieg in Syrien hatten tragbare Flugabwehrwaffen bislang kaum eine Rolle gespielt. Doch nun haben Rebellen ein russisches Kampfflugzeug abgeschossen. Nicht weit entfernt eskalieren Kämpfe zwischen der Türkei und Kurden.

          Erstmals haben islamistische Rebellen im Syrien-Krieg ein russisches Kampfflugzeug abgeschossen. Die Maschine vom Typ Suchoi Su-25 wurde in der Nähe der Stadt Maarat al-Numan in der Provinz Idlib abgeschossen. Das Verteidigungsministerium in Moskau bestätigte den Verlust des Flugzeugs.

          Der Pilot habe sich mit dem Schleudersitz zu retten versucht und sei im Gebiet eines Dschihadistenbündnisses gelandet. „Im Kampf gegen Terroristen ist der Pilot getötet worden“, hieß es in der Mitteilung des Ministeriums. Russland bezeichnet ebenso wie die syrische Führung alle Gegner als Terroristen. Im Internet kursierten Videos des Abschusses und ein angebliches Foto des Toten. Von den Rebellen hatte es zunächst geheißen, der Pilot sei gefangen genommen worden.

          Geschossen wurde nach Militärangaben mit einer tragbaren Flugabwehrrakete. Solche Waffen sind bislang nur selten in dem seit sieben Jahren andauernden Krieg aufgetaucht. Deshalb konnten die syrische und die russische Luftwaffe, aber auch die internationale Koalition unter Führung der Vereinigten Staaten am Himmel über Syrien weitgehend risikofrei agieren. Der Sicherheitspolitiker Franz Klinzewitsch vom russischen Föderationsrat unterstellte Amerika, sie hätten Rebellen über Drittländer mit den Flugabwehrraketen beliefert.

          Als Vergeltung beschoss das russische Militär nach eigenen Angaben das Absturzgebiet mit Raketen und tötete 30 Rebellen.

          Islamistische Milizen, dominiert von der früheren Nusra-Front, kontrollieren noch die nordwestsyrische Provinz Idlib, stehen aber unter Druck einer syrisch-russischen Offensive. Als Schutzmacht der Rebellen gilt die Türkei. Russland und die Türkei wollten gemeinsam versuchen, den Leichnam zu bergen, teilte das russische Militär mit.

          Russland kämpft seit Herbst 2015 an der Seite der Führung von Präsident Baschar al Assad und hat ihn an der Macht gehalten. Vor dem Abschuss hatte das russische Militär in Syrien zwar mehrere Helikopter, aber nur drei Flugzeuge verloren. Zweimal war es ein Unfall, einen Jet vom Typ Suchoi-24 schoss die türkische Luftwaffe 2015 bei einer angeblichen Grenzverletzung ab.

          Gefechte zwischen Türkei und syrischen Kurden

          In der nördlich an Idlib angrenzenden syrischen Grenzregion Afrin wurden unterdessen sieben türkische Soldaten bei Kämpfen gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) getötet, darunter allein fünf Insassen eines Panzers.

          Türkische Truppen gehen gemeinsam mit syrischen Rebellen seit dem 21. Januar in Afrin gegen die Kurdenmiliz YPG vor. Ankara wirft der YPG vor, eng mit der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) verbunden zu sein. Seit Beginn der Offensive wurden 14 türkische Soldaten getötet, Ankara gibt seinerseits die Zahl der getöteten YPG-Kämpfer mit 900 an; doch lassen sich diese Angaben nicht überprüfen.

          In Afrin nahmen am Samstag tausende Kurden an der Bestattung von 17 bei der türkischen Offensive getöteten Kämpfern und Zivilisten teil. Unter den Trauernden war auch die Mutter von Barin Kobani, einer getöteten Kämpferin in einer rein weiblichen Kurdeneinheit. Kurdenvertreter werfen gegnerischen Rebellen und deren türkischen Verbündeten vor, die Leiche der getöteten Kämpferin verstümmelt und in entwürdigender Weise gefilmt zu haben. Ihre Leiche befindet sich noch in der Hand der Rebellen.

          Auch in Paris und Straßburg gingen tausende Kurden gegen die türkische Offensive in Afrin auf die Straße. In Straßburg zogen mindestens 1200 Demonstranten vor den Sitz des Europaparlaments, skandierten „Erdogan, Diktator“ und „Schweigen tötet“, einige schwenkten Porträts des inhaftierten PKK-Führers Abdullah Öcalan.

          Bericht über türkische Schüsse auf syrische Flüchtlinge

          Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) wirft türkischen Grenzsoldaten vor, auf Flüchtlinge aus Syrien zu schießen. Zahlreiche Zivilisten hätten versucht, vor den Kämpfen in Syrien zu fliehen, seien von den Grenzsoldaten aber mit Schüssen zurückgetrieben oder misshandelt worden, sagte die HRW-Vizedirektorin für den Mittleren Osten, Lama Fakih, am Samstag.

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