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Syrische Flüchtlinge in Jordanien An den Grenzen der Belastbarkeit

Im Flüchtlingscamp Zaatari im Norden Jordaniens suchen rund 84.000 Syrer Schutz vor dem Bürgerkrieg im eigenen Land - und es werden jeden Tag mehr. Die Regierung ist überfordert, es fehlt am Nötigsten.

© REUTERS Vergrößern Leben im Elend: Die meisten der 84.000 Flüchtlinge im Camp Zaatari sind Frauen und Kinder

Ein weißer Bus folgt auf den nächsten. Das geht den ganzen Tag über so. Die Gesichter der Fahrgäste sind blass vor Müdigkeit. Nur die Kinder, die die Frauen auf ihrem Schoß festhalten, blicken neugierig und ängstlich zugleich auf die Welt, die sich hinter dem hohen Zaun auftut: So weit man blicken kann, reichen in Zaatari die Zelte und Wohncontainer. Am Donnerstag kamen in dem Lager mehr als 6000 Flüchtlinge aus Syrien an. So viele waren es noch nie an einem einzigen Tag.

„Wir tun, was wir können, aber wir können kaum noch Schritt halten. Jetzt werden sogar die Toiletten knapp“, sagt Stefan Tahn. Er ist Einsatzleiter des Technischen Hilfswerks (THW) und sollte für die Flüchtlinge eigentlich Toiletten, Duschen und Gemeinschaftsküchen aus Stein bauen. Stattdessen sucht er in ganz Jordanien verzweifelt nach den letzten verfügbaren mobilen Chemietoiletten. Im größten jordanischen Lager können die Helfer seit dem Jahresanfang die Neuankömmlinge aus dem Nachbarstaat oft nur noch mit dem Nötigsten versorgen: Im Januar sind es schon mehr als 30.000, im Monat Dezember  des vergangenen Jahres hat sich im Januar waren es halb so viele. Gut 300.000 Syrer haben seit Beginn des Bürgerkriegs im März 2011 schon in dem kleinen Königreich Zuflucht gefunden; kein anderes Land hat mehr Syrer aufgenommen.

„Wir brauchen Heizungen, sonst sterben wir vor Kälte“

Rund 30 Kilometer von der syrischen Grenze entfernt wächst mitten in der trostlosen Geröllwüste seit vergangenem Sommer die größte jordanische Flüchtlingsstadt heran. Die Vereinten Nationen haben in dem Lager mittlerweile mehr als 84.000 Syrer registriert. Die meisten von ihnen sind Frauen und Kinder. „Wir bereiten uns auf noch mehr Menschen vor“, sagt Stefan Tahn vom THW. In Jordanien ist die Rede von weiteren 20.000 bis 60.000 Syrern, die auf der anderen Seite der Grenze darauf warten, dass auch sie fliehen können.

„Syrische Soldaten haben auf uns geschossen, als wir uns nachts auf den Weg machten“, berichtet eine Mutter aus der syrischen Stadt Daraa. Sie wartet in einer langen Schlange auf gebrauchte Winterkleidung. „Zwei meiner Kinder sind krank. Wir brauchen Heizungen, sonst sterben wir vor Kälte“, klagt die Frau. Im Winter wird es in der Wüste in den Zelten bitterkalt. Manche helfen sich mit kleinen Kerosinöfen. Aber sie sind gefährlich: In der vergangenen Woche verbrannten in einer Notunterkunft an der Grenze sieben Mitglieder einer syrischen Familie.

Für die nächsten Tage sind wieder Niederschläge gemeldet. Vor gut zwei Wochen regnete es sintflutartig in Zaatari, dazu schneite es. Viele Zelte wurden überschwemmt. Selbst die Dächer mancher Wohncontainer hielten den heftigen Niederschlägen nicht mehr stand. Seitdem fällt im Lager der Unterricht aus. In den Klassenzimmern der Schule sind die Tische vor der Tafel beiseite geschoben. Auf dem Boden liegen Matratzen. Mehrere Familien teilen sich einen Raum mit Syrern, die gerade angekommen sind.  Die mehr als 4000 Zelte und 4000 Wohncontainer reichen einfach nicht mehr aus. In wenigen Tagen soll deshalb in der Nähe der Stadt Zarqa ein weiteres Lager öffnen.

Folter in syrischen Gefängnissen

Einige überlebenstüchtige Einwohner aus der Not eine Tugend gemacht. Die lange Hauptstraße des Lagers hat sich in einen riesigen Markt verwandelt. Die Flüchtlinge aus Damaskus nennen sie gerne Hamra-Straße: So heißt eine beliebte Einkaufsstraße in der syrischen Hauptstadt. In den kleinen Wellblechläden gibt es fast alles zu kaufen: Obst, Gemüse, kleine Öfen und Zigaretten. Wer will, kann in einem Zelt auf kleinen Polstern eine Wasserpfeife rauchen. Auf der anderen Straßenseite bietet das „Freiheitscafé“ die Tasse Cappuccino für 35 syrische Lira an - in Gedanken leben die meisten im Lager immer noch in ihrer alten Heimat. „Ich bin vor fünf Monaten nach Jordanien geflohen. Zuvor haben sie mir im Gefängnis die Fußnägel mit einer Zange einzeln herausgezogen“, sagt der Inhaber des Cafés. Ohne die kleinen Nebeneinkünfte kämen er und seine Familie nicht über die Runden, sagt er.

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