02.06.2008 · Assad lenkt ein: Noch im Juni werden Experten der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) Syrien besuchen, um Hinweise auf ein geheimes Atomprogramm zu finden. Zugang zu allen suspekten Anlagen freilich gewährt Damaskus den Insepktoren nicht.
Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) will in drei Wochen in Syrien das Gelände untersuchen, auf dem offenbar heimlich ein Atomreaktor gebaut wurde. Israelische Kampfflugzeuge hatten die Anlage im September 2007 zerstört.
Zur Eröffnung des IAEA-Gouverneursrats in Wien sagte Generaldirektor El Baradei, es sei nun vereinbart worden, dass ein IAEA-Team die Überreste der Anlage vom 22. bis 24 Juni besuchen dürften. Dem Vernehmen nach will El Baradei die Delegation selbst anführen.
Zugang nicht zu allen Anlagen
Wie Diplomaten der F.A.Z. bestätigten, hatte der zuständige IAEA-Abteilungleiter Heinonen in einem Brief an die syrische Führung jedoch die Untersuchung zweier weiterer, nicht bombardierter Anlagen verlangt. Amerikanische Geheimdienste hegen den Verdacht, dass die beiden weiteren Einrichtungen als Zulieferer für den zerstörten Reaktor in al Kibar dienen sollten. Syrien lehnte die Forderung dem Vernehmen nach mit der Begründung ab, bei beiden Anlagen handle es sich um konventionelle Militäreinrichtungen, die in keinem Zusammenhang mit Nukleartechnik stünden.
Syrien bestreitet, ein Atomprogramm zu haben. Die Vereinigten Staaten haben Informationen öffentlich gemacht, die eine enge Kooperation mit Nordkorea beim Bau des Reaktors belegen sollen. Fotos, die aus der angeblich kurz vor der Fertigstellung befindlichen Reaktor-Baustelle stammen sollen, zeigen Bauteile, die dem Design des nordkoreanischen Reaktors Yongbyon stark ähneln. Die Anlage in al Kibar sollte demnach der Produktion von Plutonium dienen, das als Sprengstoff in Atombomben verwendet wird.
Etwaige Nuklearspuren an der Ruine dürften inzwischen beseitigt worden sein. Schon weil in der Anlage offenbar keine Brennelemente-Produktion vorgesehen war, aber selbst Iran keine Brennelemente herzustellen vermag, vermuten westliche Regierungen, dass zu einem syrischen Atomwaffenprogramm weitere Anlagen gehören.
Baradai kritisiert Bombardierung
Der Direktor des amerikanischen Auslandsgeheimdienstes CIA, Hayden, hatte vergangene Woche hervorgehoben, dass Amerika über weitreichende, belastbare Hinweise über das syrische Atomprogramm verfüge. El Baradei nannte es am Montag „sehr bedauerlich“, dass Israel „unilateral“ im September die Anlage zerstört habe, die IAEA aber erst im April über die der Aktion zugrundeliegenden Geheimdiensterkenntnisse informiert worden sei. Dennoch werde seine Behörde die Sache ernstnehmen.
El Baradei bekräftigte derweil seine jüngste Kritik an der mangelhaften Kooperation Irans. Er nannte den – ebenfalls aufgrund westlicher Geheimdienstinformationen in diesem Jahr konkretisierten – Fragenkomplex zu den mutmaßlichen „militärischen Dimensionen von Irans Atomprogramm“ das letzte wichtige Thema, das Teheran klären müsse.
Diplomaten in Wien berichten, dass sich der Ton der UN-Behörde gegenüber Iran deutlich verschärft habe, weil sich die IAEA von Teheran hingehalten und hintergangen fühle. Westliche Bemühungen um eine Iran-Resolution des Gouverneursrats, welche El Baradeis Forderungen an Iran bekräftigt hätte, scheiterten an Russlands Widerstand. Am Montag rangen Diplomaten mit Russland darum, ob es wenigstens zu einer Erklärung des Vorsitzenden des Gouverneursrats kommen könne.
Ungeklärte Fragen
Timo Jakel (kleinempfaenger)
- 04.06.2008, 09:14 Uhr