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Terroristen schlagen zurück : Mysteriöse Attacken in Syrien

Zu früh gefreut?: Nach Moskaus Siegesverkündung über den IS nahmen die Angriffe auf russische Basen in Syrien wieder zu. Bild: SPUTNIK/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Vor Kurzem rief Moskau den Sieg in Syrien über die Terrormiliz „Islamischer Staat“ aus. Nun stellt sich die Frage, ob der Jubel etwas verfrüht war. Die Angriffe und Attacken auf Russlands Basen häufen sich.

          Vor einem Monat besuchte Russlands Präsident seine Luftwaffenbasis in der nordwestsyrischen Provinz Latakia. Von dort sendete Wladimir Putin eine frohe Botschaft nach Hause: Ein „bedeutender Teil“ der Truppen in Syrien werde abgezogen, da die Ziele „insgesamt erreicht“ seien. Ähnliches hatte Putin mehrfach verkündet, jetzt aber rief Moskau den Sieg in Syrien aus, über die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) und überhaupt.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Der Jubel mag verfrüht gewesen sein. Jedenfalls häufen sich dieser Tage aus russischer Sicht schlechte Nachrichten. Am 31. Dezember verunglückte ein Kampfhubschrauber bei der Landung in der Provinz Hama. Die beiden Piloten kamen ums Leben, ein Techniker wurde verletzt. Diese offizielle Version bestritt keine der Gruppen, die gegen Russlands Verbündeten, Gewaltherrscher Baschar al Assad, kämpfen. Unklarheit herrscht aber mit Blick auf einen Vorfall in Russlands Luftwaffenbasis Hmeimim am selben Abend. Die Zeitung „Kommersant“ berichtete, sieben Flugzeuge sowie ein Munitionslager seien bei Granatenbeschuss zerstört, mehr als zehn Soldaten verwundet worden. Ein Journalist veröffentlichte Bilder beschädigter Flugzeuge. Das Verteidigungsministerium bestätigte den Beschuss „bei Einbruch der Dunkelheit durch eine mobile Diversionsgruppe“. Es wies die Beschädigung von Flugzeugen zurück, berichtete aber von zwei getöteten Soldaten.

          Der Journalist Irek Murtasin von der „Nowaja Gaseta“ schrieb am Mittwoch, es wäre höchst schwierig, Granatwerfer in die Nähe der Basis zu schaffen: Sie wird gut bewacht und liegt in einem Gebiet, dessen Bevölkerung zu Assad hält. Einige Soldaten, die in Hmeimim gedient haben, meinten, am 31. Dezember habe es dort keinen Angriff mit Granaten gegeben, sondern, so Murtasin, eine Attacke mit Drohnen, die „verschlafen“ worden sei. Das würde erklären, warum das für seine Desinformationen berüchtigte russische Verteidigungsministerium nun großen Wert auf einen angeblichen anderen Angriff legt. In der Nacht zum 6. Januar, teilte das Ministerium mit, seien Hmeimim mit zehn unbemannten, mit Sprengstoff bestückten Fluggeräten und Russlands Marinestützpunkt im nahen Tartus mit drei solchen Objekten angegriffen worden. Sechs der Fluggeräte seien unter Kontrolle gebracht, die übrigen sieben von Luftabwehrsystemen abgeschossen worden.

          Der Verdacht fällt indirekt auf Amerika

          Dazu veröffentlichte das Ministerium das Foto eines an ein Modellflugzeug erinnernden Apparats mit Holzunterbau. Er mutet primitiv an, was Aussagen der Militärs über die Ausstattung der „Terroristen“ zuwiderlief, die erstmals in großem Umfang unbemannte Fluggeräte mit einer Reichweite von mehr als 50 Kilometern und GPS-Lenkung eingesetzt hätten. Das Verteidigungsministerium wies indirekt auf die Vereinigten Staaten: Das Gerät könne nur „von einem Land kommen, das über Hochtechnologiemöglichkeiten verfügt“. Ein Sprecher des Pentagons wies die Unterstellung zurück und hob hervor, der IS habe im Irak und in Ostsyrien oft Drohnen eingesetzt, und kleine Drohnen seien im Handel erhältlich. Daraufhin fügte das Moskauer Ministerium hinzu, ein amerikanisches Aufklärungsflugzeug sei während des Angriffs über der Gegend geflogen. Parlamentarier äußerten sich so empört über Washington, als ob die Verantwortung für den Angriff von der Nacht zum 6. Januar geklärt wäre.

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          Doch das ist ebenso unklar wie im Fall des Angriffs an Silvester. Der Attacken hat sich, anders als in solchen Fällen üblich, bisher keine Gruppe bezichtigt. Die nächsten IS-Stellungen liegen weit weg. Journalist Murtasin hob hervor, auch die Verbände der Turkmenen im Norden von Latakia, 50 bis 60 Kilometer von Hmeimim entfernt, benutzten unbemannte Fluggeräte. Die Bombardierung dieser Volksgruppe durch Russland hatte im November 2015 Proteste der Türkei zur Folge. Damals schoss die türkische Luftwaffe eines der Kampfflugzeuge ab. Mancher vermutet nun einen türkischen Versuch, Druck auf Russland auszuüben, damit Moskau wiederum Druck auf Assad ausübt, um die von russischer Luftwaffe flankierten Angriffe in der von Aufständischen gehaltenen Provinz Idlib zu beenden. Am Dienstag warf die Türkei, die vom Gegner zu Moskaus schwierigem Partner avanciert ist, dem Assad-Regime vor, die von Russland mitausgehandelte Deeskalationszone in der Provinz zu missachten. Dazu passt, dass das russische Verteidigungsministerium zur Wochenmitte den Ort ausgemacht haben wollte, von dem die „Drohnen“ gestartet seien: Der liege in Idlib und werde von der „sogenannten gemäßigten Opposition“ gehalten.

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