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Operation Olivenzweig : In Manbidsch droht ein Nato-GAU

Amerikanische Truppen mit gepanzerten Fahrzeugen nehmen am 07.03.2017 Stellung in den Außenbezirken der Stadt Manbidsch. Nun wollen die Türken dorthin. Bild: dpa

Ankaras Offensive gegen die Kurdenmiliz YPG hat Amerika in eine schwierige Lage gebracht. Nun droht auch noch, dass Türken und Amerikaner aufeinander schießen.

          Die türkischen Offensive gegen die Kurdenmiliz YPG im Norden Syriens hat die amerikanische Regierung in eine schwierige Lage gebracht. Das zeigen die widersprüchlichen Äußerungen dieser Woche aus Washington. Den Anfang hatte Präsidentensprecherin Sarah Sanders gemacht. Sie sagte am Montag vor Journalisten, das Weiße Haus nehme die Sicherheitsbedenken der Türken ernst. Man sei entschlossen, mit dem Nato-Verbündeten zusammenzuarbeiten. Das Pentagon widersprach dem indirekt. Die Vereinigten Staaten würden den Kurden weiterhin beistehen, hieß es laut Angaben der „New York Times“, auch wenn die Türkei in deren Hochburg im Nordwesten Syriens einmarschiere. Die Verwirrung komplett machte dann noch Außenminister Rex Tillerson. Der rief laut Angaben von Journalisten auf seiner laufenden Europareise die Kurden zur Zurückhaltung auf. Zugleich streckte er die Hand Richtung Ankara aus und schlug vor, gemeinsam eine Sicherheitszone im Nordwesten Syriens zu errichten. Ein Angebot, das der stellvertretende türkische Ministerpräsident Bekir Bozdag prompt ausschlug.

          Die vielstimmigen Aussagen zeugen von der Zwickmühle, in die die Vereinigten Staaten in der nordsyrischen Region Afrin geraten sind: Zwischen Nato-Partner Türkei und die Kurdenmiliz YPG, einem wichtigen Partner Amerikas im Kampf gegen die Terrormiliz „IS“. Die Kämpfe zwischen beiden Seiten toben seit vergangenem Samstag. Da hatte die türkische Armee ihre „Operation Olivenzweig“ begonnen. Mit Artillerie griff sie Stellungen der YPG in Afrin an. Am Sonntag dann begann sie mit einer Bodenoffensive gegen den syrischen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, die in der Türkei, der EU und den Vereinigten Staaten als Terrororganisation eingestuft wird. Im Gegensatz zur PKK aber hat die YPG in den vergangenen Jahren im Norden Syriens vergleichsweise stabile, demokratische Strukturen regionaler Selbstverwaltung geschaffen. Für Amerika und die EU gilt sie nicht als Terrororganisation.

          Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bekräftigte am Mittwoch noch einmal in martialischen Worten seine Absicht, die Region Afrin unter türkische Kontrolle zu bringen. „Zuerst werden wir die Terroristen ausrotten, dann werden wir es dort lebenswert machen“, sagte er laut Angaben der Nachrichtenagentur dpa in seinem Präsidentenpalast in Ankara vor Ortsvorstehern. Das bringt die Amerikaner in eine schwierige Situation. Schließlich trug die YPG die Hauptlast bei den Kämpfen um die vom „Islamischen Staat“ besetzten syrischen Gebiete, die bis heute andauern. Bei der Befreiung Raqqas, der ehemaligen Hauptstadt des IS, waren sie die effektivsten und wichtigsten Akteure am Boden.

          Abgesehen von einzelnen Scharmützeln zwischen YPG und Grenzern blieb der Interessenskonflikt zwischen Ankara und Washington aber zunächst noch eingefroren. Dazu trug zuletzt auch eine unbekannte Zahl russischer Militärbeobachter in der Region bei. Die aber sind inzwischen im gegenseitigen Einvernehmen zwischen der Türkei und Russland abgezogen worden.

          Im amerikanischen Militär regt sich nun offenkundig Widerstand dagegen, die kurdischen Waffenbrüder den übermächtigen Türken einfach auszuliefern. Während das Weiße Haus und das State Department sich in Appeasement übten, betonte das Pentagon am Dienstag seinen Willen, die YPG weiter zu unterstützen, offiziell, um den Kampf gegen fliehende IS-Kämpfer fortzusetzen. Washington hat die Miliz in den vergangenen Jahren mit Waffen, Munition und spezieller Ausrüstung wie zum Beispiel Nachtsichtgeräten ausgerüstet. Noch im Mai 2017 hatte das Pentagon bekanntgegeben, dass Präsident Donald Trump einen Plan genehmigt habe, die YPG mit schweren Waffen auszustatten, um Raqqa einzunehmen. Dazu zählten auch gepanzerte Fahrzeuge und Panzerabwehrwaffen. In ihrem Kampf am Boden waren sie von Kampfflugzeugen und Spezialkräften der Amerikaner unterstützt worden.

          Die Ambivalenz, mit der sich Washington lange gegenüber der Türkei und der YPG verhalten hatte, könnte nun schnell der Vergangenheit angehören. Angesichts der jüngsten Ankündigung Präsident Erdogans, die Militäraktionen seiner Streitkräfte auch in das östlich von Afrin gelegene Manbidsch zu tragen, drohen sich die Spannungen dramatisch zuzuspitzen. In der strategisch wichtigen Stadt, die zu großen Teilen von den Syrischen Demokratischen Streitkräften (SDF) kontrolliert werden, unterhalten amerikanische Spezialkräfte einen Stützpunkt. Dort werden kurdische Milizen ausgerüstet und trainiert. Sollte Präsident Erdogan den Befehl geben, Manbidsch anzugreifen, könnten die Nato-Verbündeten Türkei und Amerika in Gefechte gegeneinander verwickelt werden. Das wäre ein GAU, nicht nur für die türkisch-amerikanischen Beziehungen, die derzeit sowieso angespannt sind, sondern für die gesamte Nato. Sollten amerikanische Soldaten in Manbidsch ums Leben kommen, wären die Folgen unübersehbar.

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