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Südsudan Die anderen Opfer des Darfur-Konflikts

 ·  Nach dem Ende des Bürgerkriegs vor zwei Jahren hatte sich der Süden Sudans einen gerechten Anteil der Öleinnahmen erhofft. Statt dessen droht der Landesteil in Vergessenheit zu geraten - auch wegen des Darfur-Konflikts. Aus Juba berichtet Hans-Christian Rößler.

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Der Gärtner lässt sich nicht entmutigen. Verbissen harkt er die Blumenbeete, deren Erde die sengende Sonne gerade steinhart zusammengebacken hat. Bis der nächste Wolkenbruch die Mühen seiner schweißtreibenden Arbeit fortschwemmt. Wenigstens ein erfreulicher Anblick soll sich den Ministern der südsudanesischen Regierung auf dem Weg zu ihren Büros bieten. Sie sind in frisch geweißelten Containern untergebracht, denn die meisten Ministerien haben die Bauarbeiter übernommen. Das Regierungsviertel von Juba ist eine Großbaustelle - eine der wenigen in der Hauptstadt Südsudans.

Hinter dem Zaun um Container und Regierungsgebäude endet der „Neue Sudan“, den Politiker dem Süden nach dem Friedensschluss vor zweieinhalb Jahren versprochen haben: In Hütten aus Stroh und Lehm suchen Menschen und Tiere Unterschlupf, während neue Gewitter die ungeteerten Straßen in Seenlandschaften verwandeln. Weder Strom noch fließendes Wasser gibt es dort, dafür in der Regenzeit umso mehr Stechmücken, die Malaria verbreiten.

„Bisher sind nicht einmal 500 Millionen da“

„Die Leute werden ungeduldig und machen die SPLM dafür verantwortlich“, klagt Barnaba Marial Benjamin in seinem klimatisierten Containerbüro. Er gehört der früheren Rebellenbewegung „Sudan People's Liberation Movement“ (SPLM) an und ist Minister für regionale Kooperation. Im Januar 2005 hat die SPLM in einem Friedensabkommen mit dem Norden den 21 Jahre dauernden Bürgerkrieg beendet. Seitdem kämpfen die Rebellen nicht mehr gegen das muslimisch dominierte Regime im Norden, sondern gegen Löcher in den Straßen, fehlende Latrinen und wachsende Aktenberge.

Schuld daran, dass sie dabei keine Siege mehr wie früher erringen, sind nach Ansicht des Ministers aber nicht er und seine Kabinettskollegen: „4,5 Milliarden Dollar haben die ausländischen Geber für Sudan versprochen, aber bisher sind hier nicht einmal 500 Millionen angekommen. Darfur hat aber schon zwei Milliarden erhalten“, sagt Barnaba Marial Benjamin, der auch für die internationalen Beziehungen Südsudans zuständig ist.

Angst vor dem Vergessenwerden

Nachrichten aus der westsudanesischen Krisenprovinz lassen auch die Menschen im Süden nicht kalt. Ein Blick auf die Schlagzeilen der Zeitungen in Juba zeigt, was sie dabei besonders beschäftigt: „Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz verlässt den Süden und geht nach Darfur“, schreibt etwa die Zeitung „The Citizen“. Auch wenn ein vollständiger Abzug nicht bevorsteht, ist das ein weiteres Beispiel für die Angst im Süden, dass die Welt sie angesichts der Gewalt in Darfur vergessen könnte. Viele Hilfsorganisationen haben schon einen Großteil ihrer Aktivitäten in den Westen Sudans verlagert.

Hilfe aus dem Ausland schien für die Menschen im Süden bisher so sicher zu sein wie die Regenzeit. Fast 20 Jahre lang fütterten die UN sie während des Bürgerkriegs mit der Hilfsaktion „Lifeline Sudan“ buchstäblich durch. Noch heute wirft das Welternährungsprogramm einen großen Teil der Lebensmittel aus der Luft ab, zum Teil über Gegenden, die zu den fruchtbarsten Afrikas zählen: Als 2005 Frieden geschlossen wurde, gab es im Süden, der zweimal so groß wie Deutschland ist, keinen Kilometer geteerter Straße. Nach Khartum braucht man mit dem Geländewagen etwa eine Woche. Wer sich das Flugzeug nicht leisten kann, dem bleiben nur die Passagierschiffe auf dem Nil. Sie sind zwei bis drei Wochen unterwegs.

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