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Südkorea Frau Parks Kampf um ihre Würde

Der japanische Regierungschef Abe will die Geschichte umschreiben. Zehntausende junge Koreanerinnen wurden in Bordelle verschleppt, aber er leugnet japanische Kriegsverbrechen. Viele fürchten, dass die Frauen zum zweiten Mal gedemütigt werden könnten.

© picture alliance / dpa Vergrößern Wöchentliche Demonstrationen zur Rehabilitierung der Zwangsprostituierten vor der japanischen Botschaft in Seoul

Zuerst mag sich Park Ok-sun nicht erinnern. Welchen japanischen Vornamen haben ihr die Soldaten der Kaiserlichen Armee Japans gegeben, nachdem sie 1940 in ein Frontbordell in die Mandschurei verschleppt worden war? 17 Jahre alt war sie damals. „Ich weiß nicht“, sagt sie, zögert einen Moment und flüstert: „Ich mag mich nicht erinnern.“ Später, nach einigem Zögern, rückt sie den Namen dann plötzlich heraus, als sie etwas ganz anderes erzählt. „Akiko“, sagt sie, „sie haben mich Akiko gerufen.“ Fünf Jahre lang hat sie japanischen Soldaten zu Diensten sein müssen, wurde sie als Sexsklavin in engen, oft fensterlosen Zimmern festgehalten und immer wieder vergewaltigt. 90 Jahre alt ist Park Ok-sun heute. Sie ist eine von acht früheren koreanischen „Trostfrauen“, die im „House of Sharing“ leben. Viele der Bewohnerinnen sind bettlägrig. Park Ok-sun ist wohl die munterste der alten Damen, die hier, gut eine Stunde vom Stadtzentrum Seouls entfernt, in hügeliger Landschaft wohnen.

Carsten Germis Folgen:  

Wenn sie erzählt, dann bringt Park zwar immer mal wieder die Zeiten durcheinander. Und immer wieder treten ihr die Tränen in die Augen, vor allem, wenn sie von ihrem Vater erzählt. Aber sie erinnert sich noch an jedes Detail aus ihrer fünf Jahre währenden Leidenszeit als „Trostmädchen“ für die Krieger des japanischen Kaisers. „Ich war gerade beim Wasserholen“, erzählt sie. Dann kamen plötzlich Soldaten vorbei. Einer habe sie gesehen und aufgefordert mitzukommen. Als sie nicht folgte, sei sie mit Tritten und Schlägen gezwungen worden. „Auf dem Militärlastwagen saßen 20 Mädchen“, sagt Park, „fast alle haben geweint.“ Da habe sie geahnt, dass gerade etwas ganz Schreckliches mit ihr geschieht. Je länger sie erzählt, desto lebhafter wird die alte Frau. Mal deutet sie mit den Händen an, wie die japanischen Soldaten sie geschlagen haben. Dann, als sie sich an ihre Eltern, an ihre Geschwister erinnert, fließen wieder Tränen.

Japanische Namen für verschleppte Koreanerinnen

Mit Lastwagen wurde sie in eine der „Troststationen“, wie die Frontbordelle euphemistisch in Japan genannt werden, in die Mandschurei gebracht. „Ich wusste doch nicht, wo ich war“, sagt Park. Man muss kein Koreanisch verstehen, um ihre wachsende Empörung zu spüren, je länger sie erzählt. Von den engen dunklen Kammern, in denen sie vergewaltigt wurde. Von der Angst, wenn auf den Holzbohlen vor dem Haus die Stiefel der Soldaten zu hören waren, die sich später über die Mädchen hermachen sollten.

Weglaufen? Park schüttelt bei dieser Frage ungläubig den Kopf. „Das war nicht möglich“, sagt sie. Flucht aus den Bordellen, in denen die japanische Armee nach Schätzungen von Wissenschaftlern bis zu 200.000 Frauen unter staatlicher Aufsicht zwang, den Soldaten „Trost“ zu spenden, war nicht möglich. Im „House of Sharing“ erinnert ein Museum an diese Sexsklavinnen der japanischen Armee, die seit dem Einmarsch in die Mandschurei 1931 systematisch verschleppt wurden. Mancher japanischer Besucher fängt an zu weinen, wenn er vor dem nachgebauten Holzbau steht, an dessen Wand die Holzplaketten mit den japanischen Namen, die den Mädchen verpasst wurden, hängen. War ein Mädchen „besetzt“, wurde das Namensschild schlicht umgedreht. In japanischen Etablissements wird das heute noch so praktiziert.

Abe: „Freiwillige Prostituierte“

Japans neuer Ministerpräsident Shinzo Abe, ein überzeugter Nationalist, dessen Großvater mütterlicherseits nach der Niederlage als mutmaßlicher Kriegsverbrecher von den Amerikaner inhaftiert war, hält alles das, was Park und ihre Leidensgenossinnen erzählen, für eine Lüge. Sicher, gibt er zu, es habe die Bordelle gegeben. Aber dort hätten Prostituierte freiwillig und gegen Bezahlung gearbeitet. „Sie sind den Soldaten gefolgt“, behaupten Japans Rechte. 13 und 14 Jahre alte Mädchen, die dort freiwillig „angeschafft“ haben? Japans Nationalisten beharren auf dieser Darstellung. Schon in seiner ersten Amtszeit 2007 hatte Abe gesagt, die „Trostfrauen“ seien freiwillige Prostituierte gewesen. „Zwang“ habe es nicht gegeben. Jetzt, zum zweiten Mal zum Ministerpräsident gewählt, unternimmt Abe einen zweiten Anlauf, die Geschichte umzuschreiben. Sein Kabinettschef, Staatssekretär Yoshihide Suga, kündigte schon am Tag der Regierungsbildung an, dass Japan die sogenannte „Kono-Erklärung“ rückgängig machen wolle.

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