30.12.2003 · Die Bilder von den ersten freien Wahlen in Südafrika am 27. April 1994 haben sich ins historische Gedächtnis eingeprägt. Inzwischen ist Ernüchterung eingekehrt. Sorge bereitet die Dominanz der Regierungspartei ANC.
Die Bilder von den ersten freien Wahlen in Südafrika am 27. April 1994 haben sich ins historische Gedächtnis eingeprägt. Die langen Schlangen, in denen weiße und schwarze Südafrikaner friedlich und geduldig auf ihre Stimmabgabe warteten, riefen Erstaunen und Bewunderung hervor - nach Jahrzehnten der blutigen Unterdrückung der schwarzen Bevölkerungsmehrheit hatten viele erwartet, daß sich der Rassenkonflikt in einem blutigen Bürgerkrieg entladen würde. Vom "südafrikanischen Wunder" war die Rede.
Doch inzwischen ist Ernüchterung eingekehrt. Sorge bereitet die Dominanz der ehemaligen Befreiungsbewegung und jetzigen Regierungspartei ANC. Durch eine Änderung des Parteiengesetzes und Anwerben von Überläufern hat die Partei ihren ohnehin schon großen Vorsprung aus den letzten Wahlen zu einer Zweidrittelmehrheit ausgebaut, mit der die Verfassung im Sinne der Regierung geändert werden kann. Der Versuch, ein Oppositionsbündnis zu schmieden, ist gescheitert. In anderen Teilen des Kontinents hat eine solche politische Struktur den demokratischen Prozeß ausgehöhlt.
Vieles wird von der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung abhängen. Die Wirtschaft wächst angesichts der momentanen Weltkonjunktur sogar erstaunlich gut, die Masse der Bevölkerung hat davon jedoch noch nicht profitiert, vielen geht es sogar schlechter als vor 1994. Die Regierung verfolgt eine liberale Wirtschaftspolitik im Sinne der ausländischen Investoren und der noch immer weitgehend von Weißen dominierten einheimischen Wirtschaft. Vom sogenannten "black empowerment", das Schwarzen - die während der Apartheid nur als Reservoir billiger Arbeitskräfte gesehen wurden - zu Wohlstand verhelfen soll, profitierte jedoch nur eine kleine Schicht. Der Unmut in den Armenvierteln wächst. Dennoch ist Mbekis Wiederwahl ungefährdet. Die Unzufriedenheit wird sich voraussichtlich nur in einer niedrigeren Wahlbeteiligung niederschlagen. Denn wie eine Studie gezeigt hat, gehen viele Schwarze lieber gar nicht zur Wahl, als einer anderen Partei als dem ANC ihre Stimme zu geben.