11.01.2007 · Amerika hat nach eigenen Informationen nur einen Luftangriff in Somalia geflogen und dabei keine Zivilisten getötet. Auch der Al-Qaida-Terrorist Mohammed sei nicht getroffen worden. Nach ungeprüften Angaben starben mehr Menschen als bislang angenommen.
Der amerikanische Botschafter in Kenia hat Berichte über den Tod des gesuchten führenden Al-Qaida-Terroristen Fazul Abdullah Mohammed in Somalia dementiert. Der Mann sei „weder getötet noch gefangengenommen“ worden, sagte Botschafter Michael Ranneberger, der auch für Somalia zuständig ist, am Donnerstag in Nairobi.
Mohammed gilt als Verantwortlicher für die Anschläge auf die amerikanischen Botschaften in Kenia und Tansania 1998 mit mehr als 200 Toten. Zuvor hatte es geheißen, Mohammed sei bei dem Luftangriff getötet worden. (Siehe auch: Amerika fliegt angeblich weitere Luftangriffe in Somalia)
„Keine zivilen Opfer“
Bei den äthiopischen und amerikanischen Luftangriffen auf mutmaßliche Verstecke von Al-Qaida-Kämpfern in Somalia sind nach bislang nicht zu überprüfenden Angaben aus der Region weit mehr Menschen umgekommen als bisher angenommen. Bislang war von 19 bis 30 Toten die Rede gewesen. Lokale Würdenträger berichteten verschiedenen Nachrichtenagenturen hingegen von mehr als 100 Toten.
Botschafter Ranneberger bestritt die Zahlen vehement. „Ich kann kategorisch sagen, dass bei der amerikanischen Militäraktion keine zivilen Opfer zu beklagen waren“, sagte er am Donnerstag in Nairobi. Zudem habe es nur einen Angriff der amerikanischen Luftwaffe gegeben.
Das äthiopische Informationsministerium bestätigte am Donnerstag, dass die äthiopische Luftwaffe seit sechs Tagen Angriffe gegen Ortschaften im Süden Somalias fliege. Der äthiopische Ministerpräsident Meles Zenawi hatte gesagt, acht Menschen seien umgekommen und weitere fünf gefangengenommen worden. Unklar ist, ob dabei äthiopische Soldaten oder doch amerikanische Sonderkommandos im Einsatz waren.
Drei Personen im Visier der Amerikaner
Der Luftangriff vom Sonntag war die erste amerikanische Militäraktion in Somalia nach dem Fiasko im Rahmen der UN-Mission „Restore Hope“ von 1991, als bei dem fehlgeschlagenen Versuch, einen lokalen Kriegsfürsten festzunehmen, 18 amerikanische Soldaten getötet wurden. Die amerikanische Luftwaffe hatte Ziele im Süden Somalias angegriffen, in denen sie ranghohe Mitglieder der Al Qaida vermutete, nachdem die islamistischen Scharia-Richter von der äthiopischen Armee aus allen größeren Städten einschließlich Mogadischu vertrieben worden waren.
Den Amerikanern geht es dabei in erster Linie um drei Personen, von denen der Komorer Fazul Abdullah Mohammed und der Kenianer Saleh Ali Saleh Nabhan verdächtigt werden, die Bombenanschläge auf die amerikanischen Botschaften in Nairobi und Daressalam 1998 organisiert zu haben, bei denen 224 Menschen umgekommen waren. Der Geheimdienst FBI hatte eine Belohnung von fünf Millionen Dollar für die Ergreifung Mohammeds ausgesetzt.
Zudem vermuten amerikanische und äthiopische Sicherheitskräfte den Sudanesen Abu Talha al Sudani in Somalia, der als Statthalter Usama Bin Ladins in Ostafrika bezeichnet wird. Nach Angaben aus Washington aber sei keiner der drei Gesuchten unter den Getöteten.
Briten unter den getöteten Islamisten?
Das britische Außenministerium überprüft derweil Informationen, wonach unter den getöteten Islamisten britische Staatsbürger sein sollen. Angeblich wurden bei den Leichen zahlreiche ausländische Pässe gefunden. Kenianische Behörden bestätigten am Donnerstag die Festnahmen der Ehefrauen von Fazul Abdullah Mohammed als auch von Saleh Ali Saleh Nabhan, die versucht hatten, vor den Angriffen aus Ras Kamboni nach Kenia zu fliehen.
Der UN-Sicherheitsrat bekräftigte am Mittwoch ein weiteres Mal die Notwendigkeit, eine internationale Friedenstruppe nach Somalia zu entsenden. Diese Truppe soll unter der Obhut der Afrikanischen Union stehen. Bislang aber ist nicht klar, welches afrikanische Land - abgesehen von Uganda - bereit ist, Soldaten für eine solche Truppe zu stellen.
Entwaffnung stößt auf Widerstand
Die somalische Übergangsregierung unter Präsident Abdullahi Yussuf Ahmed, der angesichts der Übermacht der Scharia-Milizen noch vor wenigen Wochen kaum noch eine Chance gegeben worden war, richtete sich derweil in der Hauptstadt Mogadischu ein, stößt aber bei dem Versuch, die verbliebenen Islamisten zu entwaffnen, auf immer mehr Widerstand. Zudem kehren mit der Übergangsregierung jene Kriegsfürsten nach Mogadischu zurück, die zu Beginn des vergangenen Jahres unter dem Beifall der Bevölkerung von den Scharia-Milizen aus der Stadt vertrieben worden waren.
Die international anerkannte Übergangsregierung war 2004 nach langwierigen Verhandlungen in Kenia gebildet worden. Äthiopien hatte damals eine entscheidende Rolle gespielt und viele der somalischen Kriegsfürsten mit hohen Summen „überredet“, ihr beizutreten. So kam es, dass der Innenminister dieser Regierung sich weigerte, die Macht der Übergangsregierung in Mogadischu, wo er als Kriegsfürst residierte, anzuerkennen. Gleichwohl hatte Amerika im vergangenen Jahr eine Koalition von Kriegsfürsten finanziert, um die Scharia-Richter aus Mogadischu zu vertreiben, was misslang.
Ohnehin war es innerhalb der meist uneinigen Übergangsregierung zu einem offenen Streit über den Umgang mit den Islamisten gekommen, nachdem die Einmischung Äthiopiens und damit die Abhängigkeit des Präsidenten vom Nachbarland immer offensichtlicher geworden waren. Im Juli vergangenen Jahres war der Minister für Konstitutionelle Fragen der Übergangsregierung, Abdalla Derrow Issak, ermordet worden, weil er dem sogenannten Äthiopien-Flügel innerhalb der Regierung angehörte. Weitere 19 Minister hatten aus Protest gegen die äthiopische Unterstützung für Präsident Abdullahi Yussuf Ahmed ihren Rücktritt erklärt, woraufhin die Regierung aufgelöst worden war. Deshalb ist es fraglich, ob Yussuf Ahmed seiner neuen Übergangsregierung auf Dauer Respekt in Mogadischu sichern kann, zumal die äthiopische Regierung ständig ankündigt, ihre Armee so schnell wie möglich wieder abzuziehen.