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Streit mit Australien : Indonesien fühlt sich mit seinen Asylsuchenden alleingelassen

Zwischenstation Indonesien: Afghanische Flüchtlinge in Cisarua Bild: Getty Images

Indonesien verübelt Australien seinen Lauschangriff. Außerdem gibt es Krach über die Flüchtlingspolitik: Viele Asylsuchende besteigen in Indonesien Boote nach Down Under. Das Verhältnis der beiden Länder leidet.

          Der Ort Cisarua im Westen der Insel Java ist ein beliebtes Ausflugsziel für Hauptstädter, die dem Schmutz und der Hitze Jakartas entfliehen wollen. Unter einer Bergspitze liegen sanfte Hügel mit Teeplantagen, geräumige Villen und halboffene Restaurants, durch die der frische Wind weht, der das Klima erträglich macht.

          Till  Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Neben Ausflüglern aus Jakarta kommen Touristen aus Saudi-Arabien und anderen muslimischen Ländern im Nahen Osten. Ihnen gefällt es hier, die Preise sind niedrig, es gibt Moscheen, Restaurants mit arabischer Küche, und sie müssen sich in Indonesien wegen der überwiegend muslimischen Bevölkerung auch keine Gedanken darüber machen, ob das sonstige Essen ihren religiösen Vorschriften genügt.

          Jakarta fühlt sich mit den Asylsuchenden alleingelassen

          Neben diesen beiden gibt es allerdings noch eine dritte Sorte von Besuchern, die nach Cisarua kommt. Sie hat dafür gesorgt, dass der Ort eine gewisse Berühmtheit erlangt hat. Es sind Flüchtlinge aus Afghanistan, Pakistan, Sri Lanka, aus Iran und dem Irak, die auf dem Weg nach Australien hier Station machen, sich in großen Gruppen in den Villen einmieten und warten, bis endlich ihre Überfahrt mit einem der Flüchtlingsboote beginnt.

          Viele von ihnen geraten später in Seenot. Dem Nachbarn Australien sind diese „Boatpeople“ nicht nur deshalb ein Dorn im Auge. Der australische Premierminister Tony Abbott hatte mit seinem Slogan „Stoppt die Boote“ die Wahl gewonnen. Er kündigte an, die Flüchtlingsboote zurück nach Indonesien schicken zu wollen. Nun fühlt sich Jakarta mit den Asylsuchenden alleingelassen.

          „Dies ist nicht die Ära des Kalten Krieges“

          Das ohnehin gespannte Verhältnis kühlt sich nun durch Berichte, wonach Australien die indonesische Regierung ausgespäht haben soll, weiter rapide ab. So soll der australische Geheimdienst im Jahr 2009 zwei Wochen lang versucht haben, das Mobiltelefon des indonesischen Präsidenten abzuhören sowie die Apparate seiner Ehefrau und einiger Minister. Diese Informationen stammen aus den Dokumenten des Amerikaners Edward Snowden. Die Empörung der Indonesier ist groß, auch weil Canberra sich bisher nicht entschuldigt hat.

          Am Mittwoch kündigte der indonesische Präsident nun an, die militärische und geheimdienstliche Zusammenarbeit mit Australien auszusetzen. „Es ist schwierig für mich zu verstehen, warum das passiert ist“, sagte Yudhoyono in Jakarta. „Dies ist nicht die Ära des Kalten Krieges.“ Dass der Präsident auch die Kooperation bei der Bekämpfung der Bootsmigration aussetzte, trifft Premierminister Abbott besonders hart. Der konservative Regierungschef hat seine politische Zukunft mit der Beendigung des Flüchtlingsstroms verbunden.

          Wie viele andere hier, wollen sie es nochmal versuchen

          Viele der Bootsflüchtlinge lassen sich von dem Verhältnis zwischen den Ländern, das seit Abbotts Amtsübernahme getrübt ist, allerdings nicht abschrecken. In Cisarua sitzt Yassir Hossain mit zwei Freunden am Straßenrand. „Wir zählen die vorbeifahrenden Autos“, sagt der Pakistaner. Für den 29 Jahre alten Mann und seine Freunde gibt es nichts anderes zu tun. Hier haben sie keine Arbeit und deshalb auch kein Geld, um in die Lokale und Nachtclubs zu gehen. In der kargen „Villa“, die Yassir Hossain sich mit zehn seiner Landsleute teilt, gibt es Fernsehen nur mit schlechtem Empfang und in indonesischer Sprache. Die Männer rauchen viel, spielen Karten und langweilen sich.

          Die Pakistaner sind vor drei Monaten über Thailand und Malaysia nach Indonesien gekommen. Schon dreimal haben sie versucht, auf dem Seeweg „Down Under“ zu gelangen. Zweimal erlitten sie Schiffbruch. Das dritte Mal haben die indonesischen Behörden sie geschnappt. Doch wie viele andere hier, wollen die Pakistaner es noch einmal versuchen. Dabei hat die australische Regierung längst Maßnahmen ergriffen, die ein Asyl für Flüchtlinge, die auf dem Seeweg in Australien eintreffen, kategorisch ausschließen.

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