Die südafrikanische Polizei ist am Wochenende massiv gegen die streikenden Bergarbeiter in der Platinmine von Marikana in der Provinz North West vorgegangen. Die Beamten durchsuchten in der Nacht von Freitag auf Samstag mehr als 600 Häuser von Streikenden auf Waffen und beschlagnahmten dabei mehrere hundert Macheten und schwere Knüppel. Rund ein Dutzend Personen wurden wegen Störung der öffentlichen Ordnung oder Rauschgifthandels festgenommen. Bei dieser Razzia kam es abermals zu Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Bergarbeitern, bei denen mehrere Menschen durch Gummigeschosse und Tränengas verletzt wurden. An den Durchsuchungen waren 500 Polizisten beteiligt. Zudem waren am vergangenen Freitag 200 Soldaten der südafrikanischen Armee als „taktische Reserve“ in die Gegend um die Regionalstadt Rustenburg verlegt worden. Die Kumpel reagierten am Sonntag mit einem „Protestmarsch“ in Rustenburg, der aber umgehend von der Polizei aufgelöst wurde.
Der südafrikanische Justizminister Jeff Radebe hatte am vergangenen Freitag angekündigt, die seit einem Monat anhaltende „Anarchie“ in den Bergwerken rund um Rustenburg zu beenden und dafür die „volle Härte des Gesetzes“ anzuwenden. Seit dem blutigen Ende eines wilden Streiks in der zum britischen Lonmin-Konzern gehörenden Platinmine in Marikana, bei dem zehn Menschen von streikenden Kumpeln getötet wurden und 34 weitere ums Leben kamen, als die Polizei das Feuer eröffnete, ist nahezu die gesamte Platinförderung Südafrikas zum Erliegen gekommen.
Neben dem Bergwerk von Marikana haben die Konzerne Amplats und Aquarius ihre Platinförderung nach wilden Streiks und damit einhergehenden Morddrohungen gegen arbeitswillige Kumpel einstellen müssen. Zudem musste ein Goldbergwerk nahe Johannesburg seinen Betrieb einstellen. Die Kumpel von Marikana fordern einen Nettolohn von umgerechnet 1250 Euro. Derzeit beträgt der Nettolohn 450 Euro. Mit Prämien, Rentenbeiträgen, Mietzuschüssen und Krankenkassenbeiträgen aber kommen die Kumpel auf einen Bruttoverdienst von rund 1100 Euro. Ein Angebot von Lonmin, das Gehalt um 90 Euro anzuheben, war in der vorigen Woche von den Streikenden abgelehnt worden.
