Mit dem Ziel, gemeinsam die wirtschaftlichen Turbulenzen zu meistern, haben sich die Regierungen Spaniens und Marokkos zu „strategischen Partnern“ erklärt. Ministerpräsident Mariano Rajoy, der mit sieben Ministern, dem Präsidenten des spanischen Arbeitgeberverbandes und einer großen Unternehmerdelegation das Nachbarland besuchte, wurde von König Mohammed VI. und dem gemäßigt islamistischen Ministerpräsidenten Abdelilah Benkirane mit freundlicher Aufmerksamkeit empfangen. Die marokkanische Polizei unterband sogar eine für den Besuchstag geplante Demonstration für die „Befreiung“ der spanischen Exklaven Ceuta und Melilla. Die beiden Städte, einst auf marokkanischem Gebiet erbaut, sind Überbleibsel der Kolonialzeit, auf die Marokko seit seiner Unabhängigkeit Anspruch erhebt.
Delikate Themen wie die spanischen Besitztümer und der Westsahara-Konflikt wurden bei dem Treffen demonstrativ ausgespart. Stattdessen stehen die spanisch-marokkanischen Beziehungen im Zeichen des wirtschaftlichen Austausches. Ein spanisch-saudisches Konsortium hat kürzlich einen Großauftrag zum Bau einer Solaranlage im Wert von einer halben Milliarde Euro erhalten. Eine weitere Firma rechnet nach Angaben des Botschafters in Rabat, Alberto Navarro, auch mit dem Zuschlag für den Bau einer Meerwasser-Entsalzungsanlage im Wert von 100 Millionen Euro.
Die spanischen Exporte nach Marokko, die einen der wenigen Lichtblicke in der iberischen Wirtschaftskrise darstellen, stiegen im ersten Halbjahr um nahezu fünfundzwanzig Prozent. Außerhalb der Europäischen Union ist Marokko für Spanien damit der zweitwichtigste Markt nach den Vereinigten Staaten geworden. Auch kein lateinamerikanisches Land übertrifft gegenwärtig Marokko als Abnehmer spanischer Waren. Regierungschef Benkirane sagte dazu: „Wir freuen uns, zu sehen, dass unsere spanischen Brüder diesen Erfolg haben.“ Rajoy nutzte seine dritte Begegnung mit Benkirane, um in Rabat seinen Sparkurs zu rechtfertigen, und sagte: „Zwei Dinge sind zur Krisenbewältigung nötig: die Verringerung des Haushaltsdefizits und Strukturreformen.“ Der Spanier, der an diesem Freitag auf Malta mit dem französischen Staatspräsidenten François Hollande und dem italienischen Ministerpräsidenten Mario Monti mutmaßlich auch über eine zweite „Rettungsaktion“ für sein Land sprechen wird, rief die EU-Partner auf, „ihren klaren Willen zur Irreversibilität des Euro“ zu demonstrieren. Europa müsse „deutliche Fortschritte“ bei der Fiskal- und Bankenunion erreichen.
Ceuta und Melilla - man lernt nicht aus. Da ist doch tatsächlich
ein Kolonialist in der EU.
Horst Müller (KonzeptionistzuVerlassen)
- 06.10.2012, 08:14 Uhr
Ceuta und Melilla
Carolina Bauer (Marieluise)
- 05.10.2012, 17:42 Uhr
