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Bei Besuch in Weißrussland : Steinmeier warnt vor Verdrängung der Nazi-Verbrechen

  • Aktualisiert am

Elke Büdenbender, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der weißrussische Staatspräsident Alexandr Lukaschenko und Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen (von links nach rechts) auf dem Weg zur Einweihung der Gedenkstätte Malyi Trostinez Bild: dpa

In dem weißrussischen NS-Lager Malyi Trostinez wurden mehrere zehntausend Menschen ermordet. Er sei „voll Scham und Trauer“, sagte Bundespräsident Steinmeier bei der Einweihung der nun fertiggestellten Gedenkstätte.

          Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat bei der Einweihung einer Gedenkstätte für Zehntausende ermordete Juden und Widerstandskämpfer in Weißrussland vor einer Verdrängung der Nazi-Verbrechen gewarnt. Deutschland habe viel zu lange gebraucht, sich an diese Verbrechen zu erinnern und sich zu seiner Verantwortung zu bekennen, sagte er in Malyi Trostinez, dem größten Lager in der zwischen 1941 und 1944 von Nazi-Deutschland besetzten Sowjetunion.

          „Heute besteht die Verantwortung darin, das Wissen um das, was hier geschah, lebendig zu halten. Ich versichere Ihnen, wir werden diese Verantwortung auch gegen jene verteidigen, die sagen, sie werde abgegolten durch verstrichene Zeit“, sagte Steinmeier.

          Zeichen gegen das Vergessen und Verdrängen

          Noch deutlicher wurde er in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, in dem er Äußerungen von AfD-Politikern wie Björn Höcke und Alexander Gauland scharf kritisierte. Der Thüringer Landesvorsitzende Björn Höcke hatte im Januar für bundesweite Empörung gesorgt. In einer Rede in Dresden hatte er unter anderem das Holocaust-Mahnmal in Berlin als „Denkmal der Schande“ bezeichnet.

          Gauland, AfD-Fraktionsvorsitzender im Bundestag, hatte Anfang Juni gesagt: „Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte.“ Später bezeichnete Gauland diese Äußerung als „missdeutbar und damit politisch unklug“.

          Vor dem Hintergrund dieser Äußerungen wollte Steinmeier die Teilnahme an der Gedenkveranstaltung in Weißrussland als Zeichen gegen das Vergessen und Verdrängen verstanden wissen. „Wir dürfen niemals vergessen: Der deutsche Vernichtungskrieg hatte zum Ziel, dieses Land und die Menschen, die in ihm lebten, auszulöschen“, sagte er. „Ich stehe heute vor Ihnen - als Bundespräsident, als Deutscher und als Mensch - dankbar für die Zeichen der Versöhnung, und voll Scham und Trauer über das Leid, das Deutsche über Ihr Land gebracht haben.“

          Erster Weißrussland-Besuch eines Bundespräsidenten

          Malyi Trostinez liegt nur wenige Kilometer außerhalb der weißrussischen Hauptstadt Minsk. Nach jüngsten Forschungen wurden dort zwischen 1942 und 1944 etwa 40.000 bis 60.000 Menschen erschossen oder vergast, darunter Juden aus dem Minsker Ghetto, aber auch aus Deutschland und Österreich. Die Erschießungen und Vergasungen fanden in den Wäldern in der Nähe eines Zwangsarbeiterlagers statt.

          Neben Steinmeier, der von seiner Frau Elke Büdenbender begleitet wurde, nahmen auch der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko und der österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen an der Gedenkfeier teil. Die Grundsteinlegung für die Gedenkstätte erfolgte 2014, der erste Bauabschnitt wurde 2015 fertiggestellt. Für den zweiten, jetzt eingeweihten Teil stellte das Auswärtige Amt 500.000 Euro zur Verfügung, weitere 500.000 Euro kamen von der Deutschen Kriegsgräberfürsorge und von Spendern aus Deutschland.

          Steinmeier ist der erste Bundespräsident, der das autoritär regierte Weißrussland besucht. Es sei Zeit, „dass das Land in unserem Bewusstsein und Verständnis aus dem Schatten der Sowjetunion tritt“, sagte er. Es gehe ihm darum, „dass Belarus wahrgenommen wird als ein Staat mit einer eignen Geschichte, Gegenwart und Zukunft“.

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