http://www.faz.net/-gpf-9ejrp

Stützpunkt in Polen : Trump will mögliche ständige Militärbasis prüfen

  • Aktualisiert am

Ein dauerhafter amerikanischer Stützpunkt in Polen wäre für beide Staate von Vorteil: Polens Staatschef Andrzej Duda (l) und der amerikanische Präsident Donald Trump. Bild: AP

Um dem „aggressiven russischen Verhalten“ entgegenzuwirken, besteht in Polen bereits seit einiger Zeit der Wunsch nach einer ständigen amerikanischen Militärbasis. Dies stößt bei Amerikas Präsident Donald Trump auf Interesse.

          Der polnische Wunsch nach einer ständigen amerikanischen Militärbasis im Land stößt bei Donald Trump, dem Präsidenten der Vereinigen Staaten, auf offene Ohren. Diese Bitte werde von seiner Regierung „sehr ernsthaft“ geprüft, sagte Trump am Dienstag bei einem Treffen mit dem polnischen Staatschef Andrzej Duda im Weißen Haus. Der amerikanische Verteidigungsminister James Mattis betonte, es blieben noch viele Fragen, es sei noch keine Entscheidung zu einer dauerhaften Truppenpräsenz von Amerika in Polen getroffen.

          Duda bezeichnete einen solchen Stützpunkt als Abschreckungsmaßnahme gegen „aggressives russisches Verhalten“. Eine permanente amerikanische Basis in diesem Teil Europas liege sowohl im polnischen als auch im Interesse Amerikas, betonte er. Duda schlug vor, dass der Stützpunkt „Fort Trump“ getauft werden könnte. Auch Trump sprach von einem aggressiven Verhalten Russlands: „Ich denke, es ist eine sehr aggressive Situation. Ich denke, Russland hat sich sehr aggressiv verhalten“, sagte er.

          Das Weiße Haus erklärte später, eine Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und Polen sei angesichts der zunehmenden Herausforderungen „durch aggressives russisches Verhalten“ von großer Bedeutung. Amerika sei entschlossen, Optionen für eine größere Rolle der amerikanischen Armee in Polen zu prüfen, die Beratungen diesbezüglich würden intensiviert. „Die Ergebnisse dieser Bemühungen“ kämen nicht nur der Verteidigung Mittel- und Osteuropas, „sondern der ganzen Allianz“ zugute.

          Eine ständige Militärpräsenz Amerikas in Polen könnte allerdings die Spannungen zwischen der Nato und Russland weiter erhöhen. Die Allianz hatte auf den Ukraine-Konflikt und die Annexion der Krim-Halbinsel durch Russland bereits im vergangenen Jahr mit der Stationierung von insgesamt rund 4000 Soldaten in den drei baltischen Staaten sowie Polen reagiert. Das Nato-Bataillon in Polen wird von den Vereinigten Staaten geführt. Allerdings sind die amerikanischen Soldaten in Polen dort nicht fest stationiert, sondern werden regelmäßig ausgetauscht.

          Milliarden und Milliarden von Dollar

          Trump hob nun hervor, dass Polen bereit sei, die Installation einer amerikanischen Militärbasis mit „viel mehr als zwei Milliarden Dollar“ (1,7 Milliarden Euro) zu unterstützen. Insofern seien die Vereinigten Staaten „sicherlich“ bereit, über einen permanenten Stützpunkt zu reden. Die Einrichtung der Basis werde zunächst von dem Standpunkt des militärischen Schutzes aus geprüft, aber auch bezüglich der Kosten. Mattis sagte später vor Journalisten, es gebe noch viele Fragen und viele Details, die beide Seiten prüfen müssten. „Es sind noch keine Entscheidungen getroffen worden“, sagte der Verteidigungsminister.

          Einvernehmlich machten Trump und Duda zudem Front gegen die Pipeline Nord Stream 2 sein, die ab Ende 2019 russisches Gas durch die Ostsee nach Deutschland transportieren soll. Dass Deutschland „Milliarden und Milliarden von Dollar“ an Russland für seine Energieversorgung zahle“, sei „unangemessen“ und „eine sehr schlechte Sache für die Menschen in Deutschland“, kritisierte der amerikanische Präsident.

          Amerika und Polen seien einer diversifizierten Energieversorgung für Europa „tief verpflichtet“, sagte Trump. Kein Land dürfe von einem einzigen ausländischen Staat für seine Energieversorgung abhängig sein. Duda geißelte Nord Stream 2 als „riesige Bedrohung“ für die Zuverlässigkeit der polnischen Energieversorgung. Deswegen habe sich Polen für den Import von Flüssiggas aus den Vereinigten Staaten entschieden.

          Polen und andere osteuropäische Länder fühlen sich durch die direkte Gasverbindung nach Deutschland übergangen und sehen in der Pipeline ein russisches Instrument zur Ausweitung seines Einflusses in Europa. Trump wiederum hatte Nord Stream 2 bereits während seines Europabesuchs im Juli vehement kritisiert. Deutschland sei wegen seiner Abhängigkeit bei Gaslieferungen ein „Gefangener Russlands“, sagte er damals.

          Die digitale F.A.Z. PLUS
          F.A.Z. Edition

          Die digitale Ausgabe der F.A.Z., für alle Endgeräte optimiert und um multimediale Inhalte angereichert

          Mehr erfahren

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Grüne Koalitionsgedanken : Gute Zahlen und dennoch enttäuscht

          Die Grünen sahen sich schon in einer Koalition mit der CSU, im Wahlergebnis erkennen sie einen „Gestaltungsauftrag“ in Bayern – umso enttäuschter sind sie, dass die CSU lieber mit anderen koalieren will.

          Absturz der SPD : Auf den eigenen Bauch

          Die Sozialdemokratie führt Selbstgespräche. Darum ist sie für die meisten Wählerinnen und Wähler uninteressant. Ein Kommentar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.