27.08.2010 · Will Nordkoreas Machthaber seinen Sohn und Nachfolger Kim Jong-un den Chinesen vorstellen? Kim Jong-il war erst im Mai zu einem inoffiziellen Besuch in China gewesen. Dass er jetzt so bald wiederkommt, ist ungewöhnlich.
Von Petra Kolonko, TokioDer Sonderzug des nordkoreanischen Führers lässt sich gut ausmachen. Deswegen war das einzige, was die südkoreanische Regierung am Donnerstag mit Sicherheit sagen konnte, dass der Zug hat in der Nacht zum Donnerstag die Grenze nach China überquert hat. Ist also Kim Jong-il in China? Selbst die gewöhnlich gut unterrichteten Kreise in Südkorea erschienen überrascht von dieser Möglichkeit.
Kim Jong-il war schließlich erst im Mai zu einem inoffiziellen Besuch in China gewesen. Zudem steht in Nordkorea Anfang September ein wichtiger Parteikongress bevor, der die Anwesenheit des Führers nötig macht. Und sollte Kim Jong-il sich wirklich die Möglichkeit entgehen lassen, mit dem früheren amerikanischen Präsident Carter zusammenzutreffen, der gerade in Pjöngjang ist, um die Freilassung eines amerikanischen Staatsbürgers zu erwirken? Anscheinend aber reist der nordkoreanische Führer im Sonderzug und besichtigt in der Provinz Jilin eine Schule, die sein Vater Kim Il-sung in seiner Jugend besucht hat.
Auch bei seinem letzten Besuch hat sich Kim Jong-il in der chinesischen Provinz umgeschaut, bevor er nach Peking zu Treffen mit der chinesischen Führung reiste. Allerdings hat Kim Jong-il diesmal eine andere Route genommen, was darauf hindeuten könnte, dass sein Ziel nicht die chinesische Hauptstadt ist. In Peking wurde seine Reise bislang nicht bestätigt. Das hat nichts zu sagen, auch die bisherigen Besuche der Führer aus Pjöngjang wurden erst nach dessen Abreise bekannt gegeben.
Ein ungewöhnlicher Besuch
Es ist mehr als ungewöhnlich, dass Kim Jong-il gerade jetzt und so bald nach einem vorigen Besuch wieder nach China reist. Gelegentlich vergehen Jahre zwischen den immer als „inoffiziell“ titulierten Reisen des nordkoreanischen Führers nach Peking. Und die chinesische und die nordkoreanische Führung sind sich keineswegs so gewogen, dass dies enge Kontakte und häufige Besuche der Führer erklären würde.
Gesprächsstoff gäbe es reichlich. Chinas Sondergesandter Wu Dawei war gerade in Pjöngjang und hatte versucht, die nordkoreanische Führung zu einer Rückkehr zu den Sechser-Verhandlungen über das nordkoreanische Atomprogramm zu bewegen. Allzu positive Darstellungen aus Pjöngjang, wonach man sich in allen Punkten einig sei, dämpfte China danach. Die Einladung in die Volksrepublik könnte ein Versuch der chinesischen Regierung sein, den Machthaber Nordkoreas durch beständiges Hofieren zu Zugeständnissen am Verhandlungstisch zu bewegen.
Kim Jong-un wird wahrscheinlich im September offiziell vorgestellt
In Südkorea gab es aber auch andere Gerüchte. Angeblich soll der Sohn Kim Jong-ils, Kim Jong-un, diesmal seinen Vater auf der Reise nach China begleiten. Die Reise diene dazu, Kim Jong-un, der wahrscheinlich die Nachfolge seines Vaters als Führer Nordkoreas antreten soll, in China vorzustellen.
Die Erhebung des Kim Jong-un zum Erben ist bis jetzt in Nordkorea offiziell noch nicht angekündigt worden. Südkoreanische Beobachter glauben allerdings, dass Kim Jong-uns Weg in die Führungsriege beim kommenden Parteikongress Anfang September geebnet werden soll. Ob es aber das stolze Nordkorea für nötig erachtet, seine Führungsentscheidungen von China absegnen zu lassen, ist fraglich. Eher noch könnte eine solche Reise später als erste „diplomatische Mission“ des jungen Kim gegenüber dem Parteivolk dargestellt werden.
Jedenfalls deutet der Besuch darauf hin, dass sich Nordkorea sich noch enger an China anlehnt als bislang. Nach den internationalen Sanktionen und vor allem dem Wegfall der Hilfeleistungen aus Südkorea ist die wirtschaftliche Lage des Landes prekär. Die ohnehin schlechte Versorgungslage ist durch die Überschwemmungen der vergangenen Wochen noch verschärft worden. Nordkorea ist angesichts dieser Verhältnisse auf Chinas Hilfe so dringend angewiesen wie vielleicht nie zuvor.
Da können wir hoffen das der starke chinesische Händedruck richtig bemessen ist,
Erik Staack (E_Staack)
- 27.08.2010, 12:05 Uhr
Chinas Pufferstaat als politisches Rätsel…
Harry LeRoy (Cimon)
- 27.08.2010, 14:49 Uhr