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Staatsbegräbnis Gorbatschow und Bush am Sarg von Reagan

11.06.2004 ·  Unter schärfsten Vorkehrungen für die Sicherheit nehmen heute bei einem Staatsakt in Washington Politiker aus aller Welt Abschied vom früheren amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan.

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Unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen findet heute in Washington ein Staatsakt für den vor sechs Tagen gestorbenen amerikanischen Expräsidenten Ronald Reagan statt. Über 20 derzeitige und frühere Staats- und Regierungschefs werden an der Trauerfeier in der Nationalen Kathedrale teilnehmen, darunter Bundeskanzler Gerhard Schröder, der britische Premierminister Tony Blair und Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi. Der französische Präsident Jacques Chirac lässt sich von seinem Außenminister Michel Barnier vertreten.

Der Sarg mit der Leiche Reagans war am Donnerstag von Kalifornien nach Washington übergeführt worden und ist seitdem im Kapitol aufgebahrt. Nach Schätzungen erwiesen dort am Donnerstag abend zehntausende Bürger dem früheren Präsidenten die letzte Ehre. Zu den prominentesten Besuchern am Sarg gehörte der frühere sowjetische Präsident Michail Gorbatschow, mit dem Reagan in den achtziger Jahren den ersten wirklichen Abrüstungsvertrag abgeschlossen hatte. Mit gesenktem Kopf verharrte Gorbatschow am Katafalk und legte dann die Hand auf das Sternenbanner, in das der Sarg eingehüllt ist.

Die Bushs nehmen Abschied

Auch der amtierende amerikanische Präsident George W. Bush nahm am Donnerstag abend nach der Rückkehr vom G8-Gipfel im Bundesstaat Georgia in der Stille des Kapitols persönlich Abschied. Beim Staatsakt am Freitag in der Nationalen Kathedrale wird der Präsident die Haupttrauerrede halten. Zu den „Ehemaligen“, die teilnehmen wollen, gehören neben Gorbatschow die frühere britische Premierministerin Margaret Thatcher und Frankreichs Expräsident Valéry Giscard d' Estaing. Nach der offiziellen Trauerfeier werden die sterblichen Überreste Reagans nach Kalifornien zurückkehren und dort noch am Freitagabend (Ortszeit) im Familien- und Freundeskreis auf dem Gelände seiner Präsidentenbibliothek in Simi Valley beigesetzt werden.

Die Regieanweisungen für die Trauerfeierlichkeiten füllen 300 Seiten. Selbst kleinste Details seien nicht dem Zufall überlassen worden, berichteten amerikanische Medien. Am Ende spielte die gelernte Schauspielerin und spätere First Lady Nancy Reagan (82) noch einmal eine Hauptrolle in einer perfekten Inszenierung.

„Viele Bräuche für die letzte Produktion eines Mannes, der der bekannteste Fachmann für präsidiale Bühnenkunst war, werden von der Geschichte und militärischen Bräuchen diktiert“, schreibt die „New York Times“. Dazu gehörte, daß sechs Pferde den Sarg mit Reagan auf einer Lafette vom Weißen Haus zum Kapitol in Washington zogen. Laut Protokoll lagen dabei die Sterne in der amerikanischen Fahne, die den Sarg bedeckte, genau über Gesicht und Herz des Toten.

„Hier ruht ein reizender und galanter Mann“

Ein alter Militärbrauch ist auch das im Trauerzug mitgeführte Pferd ohne Reiter. In den Steigbügeln steckten Reagans braune Reitstiefel verkehrt herum. Der auf die alten Römer zurückgehende Brauch symbolisiert, daß der „Kämpfer“ sein Pferd nicht mehr reiten kann und der Kommandeur ein letztes Mal zurück auf seine Truppen schaut.

Trotz der sommerlichen Temperaturen von über 30 Grad Celsius säumten Zehntausende die rund drei Kilometer lange Strecke vom Weißen Haus zum Kapitol. Gestützt auf den Arm eines Offiziers zeigte sich die 82jährige Nancy kurze Zeit der wartenden und applaudierenden Menge. „Gott beschütze dich, Nancy“, rief ein Mann.

Bereits 1989, nach dem Ende seiner zweiten Amtszeit, war die Reagan-Familie von der für Präsidentenbeerdigungen zuständigen Protokollabteilung gebeten worden, ihre Planungen zu Papier zu bringen. Mehr als 1000 Personen, darunter die wichtigsten politischen Repräsentanten der Vereinigten Staaten, lud die Familie zu der Zeremonie ins Kapitol ein. Vizepräsident Dick Cheney würdigte Reagan als Mann, der den Kalten Krieg beendet habe, und sagte: „Liebe Mitbürger, hier ruht ein reizender und galanter Mann“. Gestützt auf den Arm Cheneys ging Nancy zum Sarg und streichelte mehrmals liebevoll darüber.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa
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