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Spionageaffäre Russland verlangt eine Erklärung von den Vereinigten Staaten

29.06.2010 ·  Nach der Verhaftung zehn mutmaßlicher russischer Spione in den Vereinigten Staaten verschärft Moskau den Ton gegenüber Washington. Die amerikanischen Vorwürfe verfolgten „keine guten Ziele“, hieß es im russischen Außenamt.

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In der Spionageaffäre zwischen Amerika und Russland hat das Außenministerium in Moskau den Ton deutlich verschärft. „Der von der amerikanischen Justiz erhobene Vorwurf ist unbegründet und verfolgt keine guten Ziele“, sagte ein Außenamtssprecher am Dienstag nach Angaben der Agentur Interfax. Das Szenario „ähnelt Spionage-Skandalen aus dem Kalten Krieg“, kritisierte der Sprecher. „Es ist bedauerlich, dass all dies vor dem Hintergrund des Neuanfangs mit Russland geschieht, der von der amerikanischen Regierung verkündet wurde.“

Die amerikanische Bundespolizei hatte am Montag mitgeteilt, zehn mutmaßliche russische Spione verhaftet zu haben. Die verdächtigten Männer und Frauen sollen den Auftrag gehabt haben, sich Kontakte zur politischen Führungsebene zu verschaffen und Moskau darüber zu informieren, wie aus Gerichtsakten hervorgeht. In den Dokumenten wird aus zahlreichen abgefangenen Nachrichten zwischen den mutmaßlichen Agenten und Moskau zitiert. Nach einem elften Verdächtigen wurde noch gefahndet.

Außenminister Sergej Lawrow hatte zuvor in einer ersten zurückhaltenden Reaktion gesagt, Moskau erwarte eine Erklärung. Er verwies darauf, dass die Festnahmen nur Tage nach dem Besuch von Präsident Medwedjew in den Vereinigten Staaten bekanntgegeben worden seien. „Alles, was ich heute sagen kann ist, dass der Zeitpunkt mit spezieller Eleganz gewählt wurde.“

Später forderte der russische stellvertretende Generalstaatsanwalt und Staatsduma-Abgeordnete Wladimir Kolesnikow als Reaktion auf die Affäre öffentliche Prozesse in Russland gegen vermeintliche amerikanische Spione. „Es ist ja kein Geheimnis, dass in Russland Agenten der amerikanischen Geheimdienste arbeiten“, sagte Kolesnikow in Moskau. „Bisher wurden sie aber bei einer Enttarnung bloß stillschweigend aus Russland ausgewiesen, jetzt muss man ihnen wohl den Prozess machen.“ Er rechne in jedem Fall mit einer „adäquaten Reaktion“ Russlands. Die Festnahmen deuteten darauf hin, dass sich gewisse Kreise in der amerikanischen Regierung einer Verbesserung der Beziehungen zu Russland widersetzten.

Den Verdächtigen droht bis zu 20 Jahre Gefängnis

Gegen die Verdächtigen wird wegen Spionage für eine ausländische Regierung ermittelt. Darauf stehen bis zu fünf Jahre Haft. Außerdem werden neun von ihnen der Verabredung zur Geldwäsche beschuldigt. Dafür drohen ihnen bis zu 20 Jahre Gefängnis.

Die Beschuldigten sollen zum Teil seit zehn Jahren aktiv gewesen sein und den Auftrag gehabt haben, Informationen über amerikanische Waffen, diplomatische Strategie und politische Entwicklungen zu beschaffen. Sie hatten reguläre Jobs und keinerlei offensichtliche Verbindung zu einer ausländischen Regierung, arbeiteten also beispielsweise nicht in der russischen Botschaft oder bei einer Militärmission. Solche „Deep cover“-Spione gelten als besonders schwer aufzuspüren.

Vier Pärchen unter den mutmaßlichen Spionen

Wie erfolgreich die mutmaßlichen Agenten waren, geht aus den Gerichtsdokumenten nicht hervor. Unter ihnen sind vier Paare, die in Vororten von New York, Washington und Boston wohnten. Eine der mutmaßlichen Spioninnen stammt aus Peru und arbeitete in New York als Reporterin für eine bekannte spanischsprachige Zeitung. Sie wurde laut FBI im Jahr 2000 dabei gefilmt, wie sie einen russischen Regierungsbeamten in Lateinamerika traf.

Eine der von den Verdächtigen an Russland übermittelten Geheimbotschaften drehte sich den Angaben zufolge um einen Wechsel an der Führung des Geheimdienstes CIA und um den amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf 2008. Die mutmaßlichen Spione sollen ihre Informationen mit russischen Kontaktpersonen über verschlüsselte Drahtlosnetzwerke zwischen Laptops ausgetauscht haben. Aber auch auf konventionelle Methoden wie unsichtbare Tinte, codierte Funkmitteilungen, „zufällige“ Begegnungen zur unauffälligen Weitergabe von Botschaften, falsche Identitäten und gefälschte Reisedokumente sollen die Verdächtigen zurückgegriffen haben.

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