14.12.2006 · Andrej Lugowoj behauptet, der frühere Geheimdienstagent Litwinenko sei bereits Mitte Oktober vergiftet worden. Derweil prüft die Hamburger Soko die Echtheit eines Interviews mit Dmitrij Kowtun.
Andrej Lugowoj behauptet, der zeitliche Ablauf der Vergiftung des früheren Geheimdienstagenten und späteren Kritikers der russischen Führung Aleksandr Litwinenko sei anders gewesen als bisher angenommen. Lugowoj, der sich selbst als Geschäftsmann bezeichnet, hatte sich gemeinsam mit Dmitrij Kowtun, einem anderen russischen Geschäftsmann, am 1. November mit Litwinenko in London getroffen.
Lugowoj und Kowtun werden verdächtigt, mit dem russischen Geheimdienst zusammenzuarbeiten oder zusammengearbeitet zu haben. Bislang war angenommen worden, Litwinenko sei am 1. November mit Polonium 210 vergiftet worden. Die Zeitung „Moskowskij Komsomolez“ veröffentlichte am Mittwoch ein Gespräch mit Lugowoj. Darin behauptet er, Litwinenko sei bereits am 16. Oktober vergiftet worden.
Keine Strahlenspuren an einem Busfahrschein
Er begründete dies damit, daß die Londoner Bewachungsfirma, bei der Spuren von Polonium 210 gefunden worden seien, von ihnen gemeinsam nur einmal, und zwar am 16. Oktober, aufgesucht worden sei. An diesem Tag sei Polonium 210 auf sie übertragen worden. Das erkläre die an mehreren Stellen in Europa gefundenen Polonium-Spuren. Auch Kowtun sagte in einem Telefoninterview mit „Spiegel TV“, er habe Litwinenko bereits Mitte Oktober in London getroffen und danach die Spuren des Strahlengiftes Polonium 210 in Hamburg hinterlassen.
Die Fahnder der Hamburger Sonderkommission wollen überprüfen, ob tatsächlich Kowtun das Interview gegeben habe. Nach britischen Erkenntnissen war Litwinenko erst später bei einem Treffen mit Kowtun und Lugowoj Anfang November in London mit Polonium verstrahlt worden.
Der Sender BBC berichtete, daß die britische Polizei keine Strahlenspuren an einem Busfahrschein gefunden habe, den Litwinenko löste, um am 1. November zum Treffen mit Kowtun im Londoner „Millennium“-Hotel zu fahren. Sollte sich dies bestätigten, dann sei Litwinenko zu diesem Zeitpunkt wohl noch nicht mit dem Gift in Berührung gekommen.