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Spanien rückt zusammen : In Trauer vereint

Schwerbewaffnete Eskorte: Polizisten bringen Passanten in Sicherheit. Bild: AFP

Der Terror des „Islamischen Staats“ hat die Spanier zusammenrücken lassen, der Streit zwischen Madrid und katalanischen Separatisten ist im Moment des Schweigens vergessen. Beim Ruf „Ich habe keine Angst!“ brandet Applaus auf.

          Am Donnerstagmorgen schien in Barcelona die größte Gefahr von den fliegenden Händlern am Stadtstrand auszugehen. Sie verkaufen den Badenden selbstgemachte Mojitos und andere Erfrischungen. Doch Untersuchungen hatten ergeben, dass in den Cocktails nicht nur kubanischer Rum und Limettensaft war, sondern auch Fäkalbakterien.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Inspekteure der Stadtverwaltung in Strandkleidung fingen an, gegen die Getränkehändler vorzugehen – ähnlich hart wie gegen die Vermieter illegaler Ferienwohnungen. Barcelonas Bürgermeisterin Ada Colau will Entschlossenheit zeigen. Seit Wochen ist sie bemüht, die Sorgen ihrer Bürger ernst zu nehmen, die den Massenansturm von Millionen von Touristen nicht mehr klaglos hinnehmen wollen.

          Nach dem Anschlag herrschte Unglauben

          Bis 17 Uhr war es ein Donnerstag wie viele andere in diesem heißen katalanischen Sommer. Auf den Ramblas, dem baumbestandenen Boulevard im Zentrum, sind die ausländischen Besucher oft unter sich. Für jüngere Urlauber ist Barcelona zu einer der beliebtesten Partystädte geworden. Aus dem Hafen strömen zudem jeden Tag Tausende Passagiere der riesigen Kreuzfahrtschiffe in die engen Gassen des Gotischen Viertels, so dass oft kein Durchkommen mehr ist. Mehr als 30 Millionen Besucher zählte Barcelona im vergangenen Jahr. Bisher fürchteten sie sich mehr vor den dreisten Taschendieben als vor Terroristen, vor denen sie sich in Spanien sicher fühlten, wie die meisten Spanier auch.

          Ungläubig fielen deshalb die Reaktionen auf die ersten Eilmeldungen aus – obwohl die im Internet verbreiteten Bilder sofort an London, Berlin und Nizza erinnerten. Gut eine Stunde lang war von einem „massiven Unfall“ mit zahlreichen Verletzten die Rede. Augenzeugen kamen zu Wort, die von einem weißen Lieferwagen berichteten, der eine rote Ampel überfahren hatte. Dann kursierte der Verdacht, ein Anschlag könnte sich gegen Polizisten gerichtet haben, so wie das zuletzt in Frankreich geschehen war.

          Doch gegen 19 Uhr ließ eine Stellungnahme der „Mossos“, der Polizei der katalanischen Regionalregierung, die schlimmsten Befürchtungen wahr werden: Es handelte sich um das schwerste Attentat in Spanien seit 2004. Damals hatten islamistische Terroristen im Madrider Atocha-Bahnhof in Pendlerzügen 191 Menschen getötet – fast ausschließlich Spanier. Dieses Mal sind besonders viele Ausländer unter den Toten und Verletzten. Am Freitag waren nur wenige identifiziert. Sie sollen aus mehr als 30 Staaten stammen – aus Deutschland genauso wie aus fernen Ländern wie Argentinien und Kolumbien. Aus der ganzen Welt kamen Touristen in die Stadt, nachdem sie einst beliebte Reiseziele wie Tunesien, Ägypten, die Türkei und zuletzt sogar Paris aus Angst vor dem Terror mieden.

          Doch die Gefahr ist längst grenzenlos. In Cambrils, einem Badeort südwestlich von Barcelona, erschoss die Polizei bei einer Kontrolle eines Fahrzeugs auf der Strandpromenade gegen ein Uhr morgens vier Männer; ein fünfter starb später an seinen Verletzungen. Angeblich soll er versucht haben, auf der Promenade Menschen mit einem Messer anzugreifen. Laut spanischen Presseberichten planten die fünf Männer jedoch offenbar kein Attentat auf dem Paseo Marítimo, der von zahlreichen Bars und Restaurants gesäumt ist. Nach ersten Erkenntnissen war ihr Ziel möglicherweise ebenfalls Barcelona.

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