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Katalonien-Krise : Es reicht, redet endlich miteinander!

In weiß gekleidete Menschen demonstrierten am Samstag in Barcelona für einen Dialog im Katalonien-Konflikt. Bild: dpa

In ganz Spanien versammeln sich Tausende Menschen vor Rathäusern und auf Plätzen. Sie sind wütend auf ihre Politiker. Diese sollen nicht streiten, sondern den Dialog suchen.

          Je näher man dem Platz vor dem Rathaus von Barcelona kommt, desto weißer wird es. Von rechts und links strömen Menschen mit weißen T-Shirts und Blusen. In der Fußgängerzone entlang der Avenida Portal del Ángel. Einige von ihnen sind ganz in Weiß gekleidet. Schon gegen zwölf Uhr ist fast kein Durchkommen mehr. Dicht gedrängt stehen die Menschen auf der Plaça de Sant Jaume. Laut Stadtpolizei sollen es 5500 sein.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Die Initiative „Hablamos?“ hat in ganz Spanien für Samstagmittag auf die Plätze vor die Rathäuser eingeladen; Tausende sind ihr in Barcelona gefolgt. „Sprechen wir?“ heißt das Motto. Der Aufruf, den es auch auf Katalanisch – „Parlem?“ – gibt, ist mit einem vorsichtigen und zugleich provozierenden Fragezeichen versehen. Doch am Samstagmittag lassen Tausende Menschen, die sich im Zentrum Madrids genauso wie vor dem Rathaus von Barcelona versammeln, keinen Zweifel mehr darüber aufkommen, wie groß ihr Wunsch ist, dass beide Seiten endlich miteinander reden.

          Bis zum Samstag dominierten den Platz zwischen dem Rathaus mit seiner Renaissance-Fassade und dem mittelalterlichen Präsidentenpalast an den meisten Tagen die Befürworter eines unabhängigen Kataloniens. Sie hatten vor einer Woche das Referendum gewonnen, das vom spanischen Verfassungsgericht für ungültig erklärt worden war. An den Gebäuden rund um den Amtssitz von Regionalpräsident Carles Puigdemont hängen neben den gelb-roten katalanischen Nationalflaggen überall Plakate mit einem großen „Sí“ – das „Ja“ zur Unabhängigkeit, das nach dem Sieg in der Abstimmung plötzlich in eine politische Sackgasse geraten ist.

          Am Samstag herrscht auf einmal überall die Farbe Weiß. Die meisten selbstgebastelten Fahnen, die Menschen mit sich führen, sind motivlos und weiß, wie die Kleidung, die sie tragen. Selbst die Säuglinge in den Kinderwagen tragen die neutrale Farbe. „Wir dürfen das doch nicht einfach so weiterlaufen lassen“, sagt eine Mutter. Die Familie neben ihr hat weiße Luftballons dabei.

          „Spanien ist besser als seine Politiker“

          Eine Gruppe älterer Frauen reckt ihre Hände in die Höhe, über die sie weiße Handschuhe gestreift haben; andere haben ihre Hände weiß bemalt. Es werden Plakate mit der Aufschrift „Basta ya“ (Es genügt) und „No 155“ in die Höhe gehalten; damit ist der Artikel der Verfassung gemeint, mit dem der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy die Regierungsgewalt in Katalonien an sich ziehen könnte. Ratlose Touristen versuchen vergeblich, sich mit ihren Rollkoffern einen Weg durch die dichte Menschenmenge zu bahnen.

          Die Bürgerinitiative ist in den vergangenen Tagen im Internet entstanden und illustriert die wachsende Verzweiflung vieler Menschen über die Politiker, die seit Monaten Verhandlungen anbieten, aber nie ins Gespräch kamen. Auf den Plakaten auf dem Jaume-Platz und auf der fast jede Minute wachsenden Twitter-Seite sind originelle Deutungen des Mottos zu sehen. Zwei altmodische Telefonhörer, die mit einer Kordel verbunden sind, oder der Aufruf: „Das Wort ist meine Waffe, der Dialog ist meine Revolution.“ Statt neue Mauern zu errichten, wollen die Organisatoren helfen, gemeinsam ein besseres Spanien aufzubauen. „Spanien ist besser als seine Politiker“ steht in der Einladung, der in Madrid viele Menschen auf dem Cibeles-Platz vor dem Rathaus gefolgt sind.

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