17.11.2008 · Nur Stunden vor der Festnahme verurteilte ihn ein französisches Gericht in Abwesenheit zu sechs Jahren Haft: Txeroki, der meistgesuchte Eta-Terrorist. Nach seiner Auslieferung nach Spanien dürften noch viele Jahre Gefängnis hinzukommen
Von Leo Wieland, MadridDie spanische und französische Polizei überraschten die Terroristen im Schlaf. Noch vor Morgengrauen griffen die Beamten am Montag in einem Skidorf in den Pyrenäen namens Cauterets - dreißig Kilometer von dem Wallfahrtsort Lourdes entfernt - zu. Sie holten Garikoitz Aspiazu Rubina, alias Txeroki, und eine Komplizin aus dem Bett, stellten ihre Waffen sicher und beschlagnahmten Computer und falsche Papiere.
Was der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy Stunden später erfreut einen „neuen Beweis für die exzellente Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Spanien“ bei der Bekämpfung des baskischen Terrorismus loben sollte, war in der Tat ein großer Fang.
Friedensverhandlungen zerschlagen
Txeroki, der meistgesuchte Mordverdächtige der Eta, gilt zugleich als oberster „militärischer“ Anführer der Bande. Der Fünfunddreißigjährige mit dem Ohrring und dem herausfordernden Blick auf den Fahndungsfotos ist zugleich der Mann, der vor zwei Jahren den sozialistischen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero düpierte und dessen „Friedensverhandlungen“ mit der Terrororganisation zerstörte.
Die spanischen Behörden sind überzeugt, dass er bei dem Anschlag auf den Madrider Flughafen, bei dem zwei schlafende Ecuadorianer in ihrem Auto in einem Parkhaus ums Leben kamen, die Regie führte.
Und da ist noch mehr: Innenminister Alfredo Pérez Rubalcaba teilte erst vor kurzem mit, dass Txeroki am 1. Dezember 2007 selbst in Capbreton an der Ermordung zweier spanischer Zivilgardisten beteiligt gewesen sei. Der athletische Verbrecher aus Bilbao, der seine Terroristenlaufbahn einst als Straßenkrawallmacher und Kellner in einer Bar für Eta-Sympathisanten begann, soll sogar selbst geschossen haben. Das gestanden jedenfalls einige unlängst gefasste Bandenmitglieder, die angaben, es aus Txerokis Munde direkt erfahren zu haben.
Bruch der Regel
Mit jenem Attentat brach Txeroki auch die bis dahin beachtete Eta-Regel, im Zufluchtsland Frankreich niemanden umzubringen. Im Jahr 2002 war er untergetaucht und hatte sich aus dem spanischen Baskenland in ein Versteck jenseits der Pyrenäen abgesetzt. Txerokis Profil ist das einer „neuen Generation“ von Etarras, die weniger erfahren, aber noch gewalttätiger, weniger helle und „politisch“, dafür aber noch radikaler ist.
Für die Durchsetzungen ihrer Ziele, nämlich Selbstbestimmung und Unabhängigkeit für das Baskenland, gehen sie mit dem Kopf durch die Wand. Seit dem Bruch der letzten „Waffenstillstands“ ist die Wand indes erheblich härter geworden. Seit ein enttäuschter und getäuschter Zapatero sich wieder mit allen Mitteln des Rechtsstaates zur Wehr setzt, konnten der Bande in Kooperation mit Frankreich empfindliche Schläge versetzt werden. Die Festnahme Txerokis kommt einer Enthauptung der Hydra gleich.
Der Mann, der vergeblich versuchte, König Juan Carlos umbringen zu lassen und noch vor zwei Wochen in der navarrischen Hauptstadt Pamplona ein zum Glück misslungenes Massaker an der Universität präpariert haben soll, wird nun erst einmal in Paris einem Richter vorgeführt. Dabei hat ihn ein Pariser Gericht gerade am Wochenende nur Stunden vor der Festnahme schon in Abwesenheit wegen seiner Machenschaften als Mitglied einer terroristischen Vereinigung zu sechs Jahren Haft verurteilt. In Frankreich - und nach einer Auslieferung nach Spanien - dürften noch viele Jahre Gefängnis hinzukommen.
Freiheit ..
Fatih_Mehmet Uenal (Jerusalem1187)
- 17.11.2008, 12:02 Uhr
Leo Wieland Jahrgang 1950, politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel, Marokko und Tunesien mit Sitz in Madrid.
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