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Spanien Begrabene Hoffnungen

Noch kurz vor Silvester gab sich Spaniens Ministerpräsident zuversichtlich, dass es im Dialog mit der baskischen Terrorgruppe Eta bald Fortschritte geben werde. Nach dem Anschlag in Madrid steht der ganze Friedensprozess in Frage.

© dpa Vergrößern Suchhunde sollen in den Trümmern zwei Vermißte finden

Zwei Tage vor Silvester hatte sich der spanische Ministerpräsident Zapatero voller Zweckoptimismus in einen Kurzurlaub verabschiedet. In einem Jahr, so sagte er mit Hinweis auf den von ihm begonnenen „Friedensprozess“ mit der baskischen Terrororganisation Eta, werde Spanien „noch besser dastehen“. Doch dann am Samstag begruben die Trümmer einer Bombenexplosion auf dem Madrider Flughafen zwei junge Ecuadorianer, nach denen am Montag noch gesucht wurde, und auch die Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Eta-Gewalt. Das tödliche „Feuerwerk“ der Terroristen zwang Zapatero zu einer vorzeitigen Rückkehr in die Hauptstadt und dem Eingeständnis: „Die Lage ist heute schlechter als gestern, viel schlechter.“

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Unter dem Eindruck des „sehr schwerwiegenden Attentats“ suspendierte Zapatero alle Dialoginitiativen mit Eta, bis diese ihren „unbezweifelbaren Willen“ zu einem Gewaltverzicht zeige. Der sozialistische Ministerpräsident ging damit nicht so weit, wie das der konservative Oppositionsführer Rajoy von ihm verlangte hatte, nämlich einen „klaren Bruch“ aller Verhandlungen zu erklären und die Rückkehr zu dem gemeinsamen Kampf gegen Eta mit allen Mitteln des Rechtsstaats.

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„im Namen von Eta“

Die Ratlosigkeit im Regierungslager war dennoch spürbar. Innenminister Rubalcaba gab zu, dass man trotz aller Eskalation des dosierten Terrors der vergangenen Wochen - brennende Busse und Bankfilialen im Baskenland, Raubüberfälle, neue Waffenlager und Erpresserbriefe - nicht mit einem blutigen Attentat gerechnet hatte. Verrechnet hatten sich aber offenkundig auch die Terroristen, die den in Frankreich gestohlenen Kleinlaster am vorigen Freitag mit mehreren hundert Kilogramm Sprengstoff in einem Parkhaus des unlängst eröffneten neuen Flughafengebäudes abgestellt hatten.

spanien 2 © AFP Vergrößern Aufräumen nach dem Anschlag

Bevor die Bombe am Samstagmorgen um 9.01 Uhr detonierte, hatte es nach 8 Uhr drei nervöse Warnanrufe bei der Polizei gegeben. Beim ersten kündigte ein anonymer Anrufer eine „große Explosion“ an und warnte vor dem „schweren Irrtum“, die Bombe auf dem Flughafen entschärfen zu wollen. Beim zweiten gab er die Farbe des Fahrzeugs und das Nummernschild an. Beim dritten nannte er den genauen Standort und sagte ferner, was er zuvor offenbar immer vergessen hatte, dass er „im Namen von Eta“ spreche.

Prestigeobjekt des modernen Madrid

Zu diesem Zeitpunkt verrannen dann schon die letzten Minuten. Zwar räumte die Polizei das Parkhaus, sperrte die Zufahrtsstraßen und trieb die zwanzigtausend Passagiere aus den Ankunfts- und Abflughallen ins Freie. Sie konnte aber nicht verhindern, dass es dennoch durch die Druckwelle und Splitter fast zwei Dutzend Verletzte gab. Und erst ein paar Stunden später kam die Nachricht von zwei Vermissten. Die jungen Männer aus Ecuador, die Angehörige zum Flughafen gebracht hatten, waren in ihren Autos geblieben, um vor der Ankunft von Besuchern noch ein bisschen zu schlafen. Eta hatte zuvor seit dreieinhalb Jahren keinen Mord mehr begangen.

Was Zapatero das „unsinnigste und nutzloseste“ Attentat nach dem neunmonatigen, am 22. März von Eta erklärten „permanenten Waffenstillstand“ nannte, war ein symbolträchtiger Angriff auf ein Prestigeobjekt des modernen Madrid. Der im Vorjahr erweiterte Flughafen, der mit vier Terminals nun im Jahr bis zu siebzig Millionen Reisende abfertigen kann, ist nicht nur der viertgrößte Europas, sondern auch Spaniens Tor zur Welt. Deshalb war er während der vierzig Jahre des Eta-Terrors schon viermal das Ziel der baskischen Extremisten.

Verhärtete Fronten

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