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Ungarn : Soros schlägt gegen Orbán zurück

Aktivisten entfernen im Juli 2017 in Budapest ein Plakat der ungarischen Regierung gegen George Soros. Jetzt hat Soros mit einer Gegen-Kampagne auf die anhaltenden Verunglimpfungen reagiert. Bild: AP

Schon lange hetzt Ungarns Ministerpräsident gegen den amerikanischen Investor George Soros. Der hatte sich mit persönlichen Erwiderungen auf Orbán lange zurückgehalten. Nun aber reagiert er – mit einer Gegenkampagne.

          Der amerikanische Finanzinvestor George Soros antwortet auf die gegen ihn gerichtete Kampagne der Regierung in Budapest mit einer Gegenkampagne. Am Freitag veröffentlichte seine Stiftung Open Society Videos, in denen Soros auf Ungarisch über seine Kindheit in Ungarn, das Überleben der Familie in der Zeit des Holocausts und seine Motivation zur Einrichtung einer Stiftung spricht sowie seine Einschätzung der gegenwärtigen Regierung unter Ministerpräsident Viktor Orbán kundtut. Orbán seinerseits nutzte einen regelmäßigen Interviewtermin im staatlichen Radio Kossuth, um seine Kampagne gegen Soros als eine „Frage von Leben oder Tod für Ungarn“ darzustellen.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          Soros hatte sich mit persönlichen Erwiderungen auf Orbán lange zurückgehalten. Vergangene Woche sah er sich dann zu Äußerungen veranlasst, in denen er Behauptungen der Regierung zurückwies. Nunmehr legte er mit den Videos nach, die über soziale Netzwerke verbreitet werden sollen. Ein Anlass dafür, dass Soros sich persönlich einschaltet, könnte dem Vernehmen nach sein, dass die Regierung kürzlich angekündigt hat, solche Organisationen durch Sicherheitsdienste überwachen zu lassen, die Zuwendungen von der Soros-Stiftung erhalten. Orbán bekräftigte dieses Vorgehen in seinem Radiointerview.

          Orbán behauptete, ein „Soros-Netzwerk“ wolle die ungarischen Grenzzäune niederreißen, weil es nicht wolle, dass Nationen voneinander abgegrenzt würden. Es wolle, dass Ungarn Menschen aus fremden Kulturen empfange und ihnen Geld gebe. „Aber wir wollen eine andere Zukunft“, sagte Orbán. Deshalb müsse der Staat mit all seinen Mitteln vorgehen, einschließlich eines Berichts des Inlandsgeheimdienstes über den Aufbau, das Vorgehen und den Einfluss der „Soros-Maschinerie“.

          Soros sagt in einem der Videos über Orbán: „Er hat die Demokratie in ein antidemokratisches Regime gewandelt. Er schuf einen Mafiastaat.“ Die Anführer nutzten ihre Positionen, um reich zu werden und sich an der Macht zu halten. Einst habe er Orbán mit einem Stipendium unterstützt, der aber habe sich geändert. „Das System im heutigen Ungarn ist das komplette Gegenteil von dem, was wir ermöglichen wollten.“ Ihn selbst könne Orbán nicht erreichen, wohl aber die Menschen in Ungarn, die er unterdrücke. Ihnen wolle Soros helfen, so gut es gehe.

          Quelle: F.A.Z.

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