27.05.2009 · Bei der Vorstellung der Kandidatin für das Oberste Gericht im Weißen Haus zeigt sich das neue Gesicht Amerikas. Ein Schwarzer – Präsident Obama – stellt eine Latina – Richterin Sonia Sotomayor – vor, Vizepräsident Biden bleibt Statist.
Von Matthias Rüb, WashingtonEs war das neue Gesicht Amerikas, das sich bei der Vorstellung einer Kandidatin für das Oberste Gericht im „East Room“ des Weißen Hauses zeigte: Ein Schwarzer – Präsident Barack Obama – stellte eine Latina – Richterin Sonia Sotomayor – vor, ein Weißer – Vizepräsident Joseph Biden – war Statist. Wie ungewöhnlich solche Vielfalt in den höchsten Ämtern des Staates in der zunehmend farben- und herkunftsblinden amerikanischen Gesellschaft noch immer ist, zeigt der Umstand, dass seit 1789 von 44 amerikanischen Präsidenten 43 weiße Männer waren. Und seit der ersten Sitzung des „Supreme Court“ von 1790 saßen unter den 110 Obersten Richtern 106 männliche Weiße auf der Richterbank.
Sonia Sotomayor, die am 25. Juni 1954 im New Yorker Stadtteil Bronx als Tochter einer armen Einwandererfamilie aus Puerto Rico geboren wurde, wird eine besondere Handvoll in der Geschichte des Obersten Gerichts komplettieren: Sie wird nach der pensionierten Richterin Sandra Day O’Connor und neben Ruth Bader Ginsburg die dritte Frau auf der höchsten Richterbank sein, während der gemeinsam mit ihr oberstes Recht sprechende Clarence Thomas nach dem verstorbenen Thurgood Marshall erst der zweite Schwarze am „Supreme Court“ ist. Sonia Sotomayor, die 1992 vom Republikaner George H.W. Bush zur Bundesrichterin und sechs Jahre später vom Demokraten Bill Clinton zur Berufungsrichterin im Bundesstaat New York berufen wurde, wird zudem die erste Angehörige der größten und am raschesten wachsenden Minderheit der Latinos oder Hispanics sein, die derzeit knapp 15 Prozent der 306 Millionen Einwohner des Landes stellen.
Verkörperung des „amerikanischen Traums“
Der Lebensweg Sonia Sotomayors verkörpert wie jener Barack Obamas den uralten und doch quicklebendigen „amerikanischen Traum“. Sie wuchs mit ihrem jüngeren Bruder Juan, der heute Arzt ist, in einer Sozialbausiedlung im New Yorker Stadtteil Bronx auf. Der Vater war Werkzeugmacher mit Grundschulausbildung und starb, als Sonia neun Jahre alt war. Mutter Celina, die bei der Vorstellung ihrer Tochter im Weißen Haus ihren Tränen freien Lauf ließ, arbeitete als Krankenschwester und zog die beiden Kinder alleine groß. Die kluge und immens fleißige Schülerin Sonia, bei der im neunten Lebensjahr zudem Diabetes diagnostiziert worden war, erhielt Stipendien zum Studium an den Elitehochschulen Princeton und Yale, wo sie am „Yale Law Journal“ mitarbeitete. Die 1976 mit ihrem Princetoner Kommilitonen Kevin Edward Noonan geschlossene Ehe, aus der keine Kinder hervorgingen, wurde 1983 geschieden.
In den Urteilsbegründungen der Bundesberufungsrichterin Sotomayor, die nach Abschluss des Studiums zunächst als Staatsanwältin und dann als Rechtsanwältin gearbeitet hatte, ist eine gemäßigt linke politische Überzeugung zu erkennen. Das wird manchen konservativen Republikanern im Senat nicht gefallen. Doch aus Sorge, noch mehr hispanische Wählerstimmen an die Demokraten zu verlieren, werden sie es nicht wagen, der ersten Latina als Kandidatin für das Oberste Gericht die Bestätigung ihrer Nominierung zu verweigern.
Na ja, früher...
D. Gucker (dippegucker)
- 27.05.2009, 19:53 Uhr
Amerika ist eben doch anders
Gerhard Dünnhaupt (dunnhaupt)
- 28.05.2009, 01:39 Uhr
Matthias Rüb Jahrgang 1962, politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.
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