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Ermittlungen gegen Trump : Ein ganz integrer Hexenjäger

Dem Präsidenten auf den Fersen: Sonderermittler Mueller Bild: AP

Der amerikanische Präsident Donald Trump wollte die Ermittler eigentlich ausbremsen. Jetzt hat er einen Sonderstaatsanwalt am Hals. Der hat eine politisch saubere Weste, macht sich aber gern die Hände schmutzig.

          Robert Mueller ist ein Ermittler aus Leidenschaft. So lange ist es noch nicht her, dass er sich am Telefon mit „Mueller, Morddezernat“ meldete und auch sonst auf viele Leute wirkte wie der Antiheld einer Krimiserie. 1995 nahm Mueller nämlich die Stelle eines einfachen Staatsanwalts in Washington an, der in der Hauptstadt Tatorte inspizierte und Zeugen vernahm. Sein Wunsch, als kleines Rädchen im Maschinenwerk der Justiz zu wirken, war eine Sensation. Schließlich hatte Mueller damals bereits als Bundesstaatsanwalt heikle Ermittlungen gegen den panamaischen Diktator Manuel Noriega oder die Aufklärung des Lockerbie-Anschlags verantwortet, und er gab das dramatisch höhere Salär einer Anwaltskanzlei auf, um sich die Hände in Amerikas damaliger Mordkapitale schmutzig zu machen. Nach einigen Jahren kletterte Mueller zwar wieder die nationale Karriereleiter empor. Doch selbst in seinem zwölften und letzten Jahr als Direktor des FBI sollte er 2013 noch seufzen: „Ich liebe es, mich um Banküberfälle, Drogenfälle und Morde zu kümmern. Als Ankläger hatte ich gedacht, dass das mein Geschäft werden würde beim FBI.“

          Andreas Ross

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Daraus war nichts geworden, denn sieben Tage nach seinem ersten Tag als Amerikas oberster Kriminalpolizist jagten Al-Qaida-Terroristen Flugzeuge ins New Yorker World Trade Center und ins Pentagon. Muellers Mission bestand nach dem 11. September 2001 nicht nur darin, die Anschläge aufzuklären. Zugleich hatte er das FBI als eine Art Inlandsgeheimdienst neu zu erfinden, um es zu bewahren. Seine Zielstrebigkeit und Scheu vor politischer Vereinnahmung brachten ihm Hochachtung in beiden Parteien ein. Der demokratische Präsident Barack Obama forderte den Republikaner nach Ablauf seiner zehnjährigen Amtszeit zum Bleiben auf. Der Respekt für den inzwischen 72 Jahre alten Juristen zeigte sich nun am Mittwochabend, als Demokraten und Republikaner auf den plötzlichen Beschluss des stellvertretenden Justizministers Rod Rosenstein reagierten, Mueller zum Sonderstaatsanwalt zu ernennen und mit der Aufklärung womöglich unlauterer Verbindungen zwischen Donald Trump und der russischen Regierung zu betrauen.

          Konservative Kongressmitglieder mochten sich zwar gegen die Einsetzung eines solchen Ermittlers gestemmt haben, der die Washingtoner Politik auf lange Zeit prägen wird. Viele von ihnen schwärmten nun aber von Muellers Integrität. Chuck Schumer, oberster Demokrat im Senat, nannte ihn „genau die richtige Person“ für eine umfassende Untersuchung und fügte hinzu: „Jetzt bin ich erheblich zuversichtlicher, dass die Ermittlungen den Fakten folgen werden, wohin sie auch führen mögen.“ Das war ein seltener Moment der Eintracht im Kongress. Nur das Weiße Haus ließ sich vom Geist der Zuversicht nicht anstecken. „Das ist die größte Hexenjagd auf einen Politiker in der amerikanischen Geschichte“, twitterte Präsident Trump am Donnerstagmorgen.

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          Keine 24 Stunden vorher hatte er bereits die Abschlussfeier an der Akademie der Küstenwache in Connecticut genutzt, um die Kadetten vor den Ungerechtigkeiten des Lebens zu warnen und zu verkünden: „Kein Politiker der Geschichte – da bin ich mir ganz sicher – ist schlechter oder unfairer behandelt worden als ich.“ Da konnte Trump noch gar nicht wissen, dass er sich auf Monate, wenn nicht Jahre hinaus mit einem Sonderstaatsanwalt herumschlagen müssen würde. Rosenstein hatte Trump nicht vorgewarnt. Die Entscheidung hatte ihm oblegen, weil sich Justizminister Jeff Sessions nach dem Bekanntwerden zuvor verheimlichter Begegnungen mit dem russischen Botschafter Sergej Kisljak in allen den Wahlkampf betreffenden Ermittlungen für befangen erklärt hatte. Rosenstein informierte das Weiße Haus erst, nachdem er die Anordnung unterzeichnet hatte, dass Mueller „jedwede Verbindung und/oder Koordination zwischen der russischen Regierung und Personen in Verbindung mit der Kampagne von Präsident Donald Trump“ untersuchen muss – sowie alle Fragen, die aus dieser Ermittlung erwachsen sind „oder womöglich noch erwachsen“.

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