17.06.2009 · Bei Kämpfen zwischen radikalen Islamisten und Truppen der somalischen Übergangsregierung in der Hauptstadt ist der Polizeichef von Mogadischu, Ali Said Hassan, getötet worden. Vor den Auseinandersetzungen fliehen bis zu 120.000 Menschen.
Bei neuen Kämpfen zwischen radikalen Islamisten und Truppen der somalischen Übergangsregierung in der Hauptstadt Mogadischu ist am Dienstag der Polizeichef der Stadt, Ali Said Hassan, getötet worden. Das bestätigte ein Sprecher der Übergangsregierung am Mittwoch. Bei den Kämpfen im Süden der Stadt sollen insgesamt neun Personen umgekommen sein. Die Truppen der Übergangsregierung hatten versucht, Stellungen der al-Shabaad-Miliz sowie der mit ihr verbündeten Hezb al Islamija im Stadtteil Hodan zurückzuerobern.
Die radikalen Islamisten hatten am 7. März eine groß angelegte Offensive gegen die Übergangsregierung in Mogadischu begonnen, bei der es ihnen gelungen war, weite Teile der Stadt unter ihre Kontrolle zu bringen. Die Übergangsregierung ihrerseits tut sich schwer, die Kämpfer zurückzuschlagen. Die Auseinandersetzungen in Mogadischu haben nach Angaben des Hilfswerks der Vereinten Nationen bis zu 120.000 Menschen zur Flucht veranlasst.
„Die sprechen nur Arabisch“
Der Präsident der somalischen Übergangsregierung, der moderate Islamist Sheik Sharif Ahmed, warnt seit geraumer Zeit davor, dass Al Qaida inzwischen Stützpunkte in Somalia unterhalte. Lokale Journalisten bestätigen diese Behauptung. So berichtete der für den in Mogadischu ansässigen Sender Radio Shabelle tätige Mohamed Amiin Adow dieser Zeitung von „ausländischen Kämpfern der al Shabaad“, die in der Hauptstadt öffentliche Veranstaltungen für ihren „Heiligen Krieg“ abhalten, aber kein Wort Somali sprechen. „Die sprechen nur Arabisch“, sagte Amiin Adow.
Der amerikanische Botschafter in Kenia, Michael Ranneberger, bestätigte der F.A.Z. unterdessen, dass Amerika der somalischen Übergangsregierung mit insgesamt 22 Millionen Dollar helfen werde. Zehn Millionen Dollar sollen für „Sicherheit“ aufgewendet werden, womit vor allem Bewaffnung, Ausrüstung und Bezahlung der Truppen der Übergangsregierung gemeint ist. Weitere zwölf Millionen Dollar sollen für die Arbeit der Ministerien der Übergangsregierung eingesetzt werden. Direkte militärische Hilfe der Amerikaner für die bedrängte Regierung schloss Ranneberger indes aus. Ebenso wenig wollte sich der Diplomat zu den Vorwürfen äußern, die Regierung in Eritrea unterstützte die radikalen Islamisten unter anderem mit Waffen, die mit iranischem Geld gekauft worden sein sollen.
Der Führer der Hezb al Islamija, Sheik Hassan Dahir Aweys, hatte nach seiner Vertreibung aus Mogadischu durch die äthiopische Armee an Weihnachten 2006 Asyl in Eritrea erhalten und war im März dieses Jahres nach Somalia zurückgekehrt. Die Afrikanische Union, die 4300 Soldaten einer Friedenstruppe in Mogadischu unterhält, hatte vor kurzem internationale Sanktionen gegen Eritrea gefordert wegen dessen „offensichtlicher Verwicklung“ in den somalischen Krieg.
Der ewig lebende Burgerkrieg endet nie
Peter Slater (Wales-Rhondda)
- 17.06.2009, 20:26 Uhr