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Somalia : Das große Piratengeschäft

Soldaten des niederländischen Marineschiffs „Tromp” seilen sich am 5. April 2010 von einem Hubschrauber auf das Deck des gekaperten deutschen Containerschiffes «MS Taipan» ab Bild: dpa

Die Piraten vor Somalia sind nicht zu stoppen. Die Truppe zum Schutz der Handelsflotten geht deshalb „robuster“ vor. Und die Reeder rüsten ihre Schiffe auf.

          Eastleigh ist ein Stadtteil der kenianischen Hauptstadt Nairobi, in den sich bis vor kurzem kaum jemand freiwillig hineingetraut hätte. „Little Mogadischu“, wie Eastleigh wegen der vielen somalischen Bewohner genannt wird, ist der größte Markt der Stadt für Waffen aller Art. Streitigkeiten werden hier mit Neun-Millimeter-Geschossen beigelegt. Neuerdings aber ist Eastleigh so etwas wie ein Eldorado für die Immobilienmakler der Stadt geworden. Nirgends sonst in Kenia sind die Preise so drastisch gestiegen wie in „Little Mogadischu“. Ein Haus, das vor drei Jahren nur mühsam für 200.000 Dollar zu verkaufen war, kostet heute mehr als das Doppelte oder Dreifache. Die Makler kommen der Nachfrage kaum noch hinterher. Der Grund dafür liegt 1500 Kilometer weiter nördlich – wo somalische Piraten Jagd auf Handelsschiffe machen.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          Thomas Scheen †

          Politischer Korrespondent für Afrika mit Sitz in Nairobi.

          Angeblich 240 Millionen Dollar sollen die somalischen Piraten alleine im vergangenen Jahr kassiert haben. Vieles davon fließt offenbar ins Nachbarland, nach Kenia, wo rund 200.000 Somalier leben, und wird dort von Familienmitgliedern in Immobilien investiert. Hindernisse gibt es kaum. Das ostafrikanische Land ist bekannt für seine laxen Bankengesetze und notorische Korruption. Kenia ist in diesem Fall allerdings in bester Gesellschaft: Djibouti, die Vereinigten Arabischen Emirate, Dubai und selbst Südafrika gelten amerikanischen Ermittlern inzwischen als Investitionsziel für somalisches Piratengeld. Man kann es auch anders formulieren: Überall dort, wo eine größere Gruppe Somalier lebt, taucht über kurz oder lang Piratengeld auf.

          Es taucht immer mehr auf. Die Piraten sind nicht zu stoppen. Man sieht es in Kenia, man sieht es in Somalia, man sieht es auf hoher See.

          Seltenes Bild: Gefangene Piraten auf dem Weg zur „Rheinland-Pfalz”

          362 Geiseln genommen

          Zwei kleine Motorboote rasen um einen Frachter, irgendwo im Indischen Ozean. Piraten feuern auf das Handelsschiff, das Schüttgut transportiert, Fenster auf der Brücke gehen zu Bruch, ein Rettungsboot wird zerstört. Zweimal gelingt es den Angreifern, längsseits zu gehen, die Piraten versuchen, Leitern über die Reling zu werfen. Der Kapitän verhindert das durch Ausweichmanöver. Irgendwann lassen die Angreifer ab und kehren zu ihrem in Sichtweite fahrenden Mutterschiff zurück, ohne das sie mit ihren kleinen Skiff-Booten nicht so weit auf hoher See, 460 Seemeilen nordöstlich der Insel Socrota, operieren könnten.

          Geschichten dieser Art erzählt der „Live Piracy Report“ des internationalen Marinebüros in Kuala Lumpur Woche für Woche. Oft erzählen sie von Handelsschiffen, die nochmal davonkommen, immer wieder aber auch von Kaperungen. Allein in den ersten fünf Monaten dieses Jahres gab es 139 Angriffe vor Somalia, 21 Kaperungen, 362 Geiseln wurden genommen, sieben Seeleute getötet. Im ganzen Jahr 2010 wurden 220 Angriffe registriert.

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