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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Sinai Eine weitere Bewährungsprobe für Mursi

 ·  Israel und Ägypten sind Ziel eines Terrorangriffs geworden. Jerusalem nimmt den neuen ägyptischen Präsidenten nun in die Pflicht, auf dem Sinai für Ruhe zu sorgen.

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© REUTERS „Weckruf“: Barak (links) mit Netanjahu vor dem Wrack eines von den Terroristen erbeuteten Militärfahrzeugs.

Ehud Barak hofft, dass der Angriff ein „Weckruf“ sei. Der israelische Verteidigungminister nahm am Montag die neue Regierung in Kairo in die Pflicht, etwas gegen den Kontrollverlust auf der Sinai-Halbinsel zu unternehmen. Barak lobte vor dem außen- und verteidigungspolitischen Ausschuss der Knesset die israelische Armee und den Militärgeheimdienst Shin Bet, die Schlimmeres verhindert hätten.

Am Sonntagabend hatten Bewaffnete einen Posten der ägyptischen Grenztruppen attackiert. Die Angreifer, bei denen es sich offenbar um islamistische Extremisten handelte, hatten sich nach übereinstimmenden Berichten in zwei Gruppen aufgeteilt. Sie überraschten die Männer in den Abendstunden beim Iftar, dem Fastenbrechen. Wie das ägyptische Staatsfernsehen berichtete, waren sie wie Beduinen angezogen. Sie feuerten unter anderem mit Panzerabwehrwaffen auf die etwa 20 Grenzsoldaten, 16 von ihnen wurden getötet. Die Angreifer erbeuteten nach israelischen Angaben zwei Militärfahrzeuge, mit denen sie versuchten, auf israelisches Territorium vorzudringen.

Doch die israelischen Sicherheitskräfte waren vom Geheimdienst gewarnt worden und konnten die Extremisten schnell stoppen. Eines der Fahrzeuge explodierte nach israelischen Angaben am Grenzübergang Kerem Shalom. Das andere wurde nur kurze Zeit nach dem Grenzübertritt durch einen Luftschlag zerstört, acht Terroristen wurden nach Angaben Baraks getötet. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, der zusammen mit dem Verteidigungsminister an den Angriffsort reiste, sprach von einem großangelegten Terrorangriff, der abgewehrt worden sei.

Mursi kündigt entschlossene Antwort an

In Kairo kündigte der ägyptische Präsident Muhammad Mursi eine entschlossene Antwort auf den „feigen“ Terrorangriff an. Die ägyptischen Sicherheitskräfte würden die Verantwortlichen fassen, sie hätten „klare Anweisungen“ erhalten. Die Grenze in den Gazastreifen wurde abgeriegelt. Die alte Staatszeitung „Al Ahram“ berichtete, das ägyptische Militär habe den Grenzort Rafah eingekreist, um Verdächtige an der Flucht zu hindern. Mursi kündigte an, die Sicherheitskräfte würden die Kontrolle über den Sinai gewinnen. Doch in Israel herrscht Skepsis.

Der aus der islamistischen Muslimbruderschaft kommende Mursi geht klaren Aussagen zu Israel und zum ägyptisch-israelischen Friedensvertrag so gut er kann aus dem Weg. Zudem hatte er sich der im Gazastreifen herrschenden islamistischen Hamas angenähert, von der es in den israelischen Sicherheitsbehörden heißt, sie arbeite mit Extremisten auf dem Sinai zusammen. Und Mursi hat schon alle Hände voll damit zu tun, im Machtkampf mit dem Militär zu bestehen, die Wirtschaft wiederzubeleben und die im ganzen Land prekäre Sicherheitslage in den Griff zu bekommen.

Der Sinai mit seinen Wüsten und der schwer zugänglichen Bergregion Hilal galt schon lange vor dem Volksaufstand gegen das Mubarak-Regime als Rückzugsgebiet für Dschihadisten. Eine der Gruppen nennt sich „Al Qaida im Sinai“. Schmuggler für Waffen, Rauschgift oder auch Flüchtlinge aus Sudan und Eritrea, extremistische Palästinenser und unzufriedene Beduinen gehen hier ihren Geschäften nach, arbeiten bisweilen zusammen. Im israelischen Militär heißt es, es gehe zu wie im „Wilden Westen“. Die Sicherheitskräfte, die auf dem Sinai Dienst tun, sind in der Regel schlecht ausgestattet und empfänglich für Schmiergeld.

Nicht der erste Terrorangriff

Auch Mubaraks Repressionsregime hatte des Treibens nie Herr werden können. Die Brutalität der Sicherheitskräfte vergrößerte unter den vernachlässigten konservativen Beduinenstämmen nur den Hass auf diese und das Misstrauen gegenüber der Zentralregierung in Kairo, die eigentlich auf ihre Kooperationsbereitschaft angewiesen ist - nicht zuletzt, weil nach dem israelisch-ägyptischen Friedensvertrag von 1979 auf der Sinai-Halbinsel nur eine geringe israelische Militärpräsenz zulässig ist. Mit der ägyptischen Revolution verschärfte sich das Chaos, Israel stimmte daher auch der Entsendung Tausender Soldaten sowie Panzern auf den Sinai zu. Mehr als ein Dutzend Mal wurde seither die Pipeline, durch die Erdgas unter anderem nach Israel gepumpt wird, bei Anschlägen beschädigt. Es gab mehrere Entführungen von Ausländern durch Beduinen, Dschihadisten griffen Polizeiwachen an und verkündeten die Einführung der Scharia.

Es ist auch nicht das erste Mal, dass ein Terrorkommando vom Sinai aus Israel angreift. Am 18. August überzogen Extremisten das israelische Eilat mit einer Anschlagsserie und töteten acht israelische Zivilisten und Soldaten. Bei den Gefechten kamen fünf ägyptische Polizisten um, es gab Tumult vor der israelischen Vertretung in Kairo, der Botschafter floh. Im Juni wurde ein Mann getötet, als Fahrzeuge angegriffen wurden, die Arbeiter zu ihrer Baustelle an der Grenze brachten. Nach dem Vorfall vom August hatte Israel die Errichtung eines fünf Meter hohen Grenzzauns vorangetrieben.

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Jahrgang 1975, Redakteur in der Politik.

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