http://www.faz.net/-gpf-93s7c

Putsch in Harare? : Militär erklärt Machtübernahme in Zimbabwe

  • Aktualisiert am

Bild: AP

Der Machtkampf in Zimbabwe spitzt sich zu. Im Staatsfernsehen verkündet die Armee, zeitweise die Kontrolle über den Staat übernommen zu haben, Panzer blockieren den Zugang zum Parlament. Um einen Putsch gegen Robert Mugabe soll es sich aber nicht handeln.

          Das Militär in Zimbabwe hat nach eigenen Angaben zeitweise die Kontrolle über den Staat übernommen. Es gehe darum, eine „sich verschlimmernde politische, soziale und wirtschaftliche“ Krise zu überwinden, erklärte Generalmajor Sibusiso Moyo am Mittwoch in einer Ansprache im staatlichen Fernsehen. Es handle sich jedoch nicht um einen Militärputsch, betonte er. Es gehe darum, Verbrecher zur Strecke zu bringen. Präsident Robert Mugabe und seine Familie seien in Sicherheit. „Sobald wir unsere Mission erfüllt haben, erwarten wir eine Rückkehr zur Normalität“, sagte Moyo. Der Militärvertreter forderte alle Sicherheitskräfte auf, mit dem Militär zu kooperieren. Auf Provokationen würde angemessen reagiert werden, warnte er. Alle Soldaten sollten sich umgehend zum Dienst zurückmelden.

          Soldaten hatten zuvor die Kontrolle über das Staatsfernsehen übernommen und damit Spekulationen über einen Militärputsch in dem afrikanischen Land weiter angetrieben. Augenzeugen berichteten zudem von Explosionen, die sich in der Nacht auf Mittwoch im Norden der Hauptstadt Harare ereignet haben sollen. Reporter meldeten eine große Zahl von Militärfahrzeugen auf den Hauptstraßen der Metropole. In der Nähe der Residenz von Präsident Mugabe waren Anwohnern zufolge Schüsse zu hören.

          Panzer blockierten am Mittwochmorgen den Zugang zum Parlament. Wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete, forderten Soldaten in der Nähe des Parlaments Autos zur Umkehr auf. Weitere Militärfahrzeuge waren vor den Büros der Regierungspartei Zanu-PF sowie vor den Büros zu sehen, in denen der seit 1980 amtierende Mugabe sein Kabinett versammelt.

          Die Botschaft der Vereinigten Staaten rief ihre Staatsbürger zu großer Vorsicht auf. „Amerikanischen Bürgern in Zimbabwe wird geraten, bis auf weiteres zuhause Schutz zu suchen“, hieß es in einer Mitteilung. Die Botschaft werde am Mittwoch geschlossen bleiben, das Personal sei aus Sicherheitsgründen aufgefordert worden, zuhause zu bleiben, erklärte die diplomatische Vertretung. Die britische Regierung rief zur Wachsamkeit auf.

          Regierung wirft Armee Verrat vor

          In Zimbabwes Hauptstadt war es am Dienstag zu einer ungewöhnlich großen Militärpräsenz gekommen. Der Oberkommandeur der Streitkräfte hatte Mugabes Regierung am Montag öffentlich scharf  kritisiert.

          Zimbabwes Regierungspartei warf Armeechef Constantino Chiwenga daraufhin „verräterisches Verhalten“ vor. Chiwengas Haltung ziele klar darauf ab, „den Landesfrieden zu stören“ und „einen Aufstand anzustacheln“, erklärte ein Sprecher der Zanu-PF von Präsident Mugabe. Chiwenga hatte Mugabe wegen der Entlassung seines Vizepräsidenten kritisiert und ihn dazu aufgefordert, keine weiteren erfahrenen Parteimitglieder mehr abzusetzen. Er warnte vor einer möglichen militärischen Intervention. „Wenn es um unsere Revolution geht, wird das Militär nicht zögern, einzugreifen“.

          Die Amtsenthebung von Vizepräsident Emmerson Mnangagwa war das jüngste Anzeichen der zunehmenden politischen Instabilität in Zimbabwe. Mnangagwa war mehrmals mit der 52-jährigen Präsidentengattin Grace Mugabe aneinander geraten, die mit ihm um die Nachfolge des Präsidenten gewetteifert haben soll.

          Präsident Mugabe ist Afrikas ältester Staatschef und regiert Simbabwe seit 37 Jahren mit harter Hand. Trotz seines hohen Alters weigerte er sich bisher, einen Nachfolger zu benennen. Bei der Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr will er abermals antreten. Allgemein wird damit gerechnet, dass sein Amt erst mit seinem Tod frei wird.

          Quelle: peer./dpa/AFP/Bloomberg

          Weitere Themen

          Mugabe will doch nicht gehen Video-Seite öffnen

          Zimbabwe : Mugabe will doch nicht gehen

          Der Chef der Veteranen des Befreiungskrieges erklärte, der Plan zur Amtsenthebung werde nun vorangetrieben. Zugleich kündigte er Massenproteste in der Hauptstadt Harare ab Mittwoch an.

          Topmeldungen

          FDP lässt Jamaika platzen : Die Notbremse der Liberalen

          Die FDP konnte in dieser Koalition nichts gewinnen. Die Grünen waren am Drücker. Also nochmal wählen? Das Grundgesetz spricht eine andere Sprache. Und eine Neuwahl könnte auch Merkel in die Sackgasse führen. Ein Kommentar.

          Nach Jamaika-Aus : Kommen jetzt Neuwahlen?

          Die Verhandlungen über ein Bündnis zwischen Union, FDP und Grünen sind gescheitert. Die SPD lehnt eine Regierungsbeteiligung weiterhin ab. Der Schlüssel zu Neuwahlen liegt beim Bundespräsidenten.

          Chronik einer langen Nacht : Scheitern im feuchten Hochnebel

          Die ersten Alarm-Mitteilungen kurz vor Mitternacht aus der baden-württembergischen Repräsentanz. Dann tritt FDP-Chef Lindner vor die Scheinwerfer.
          Anne Will diskutiert in ihrer Sendung am 19. November 2017 mit ihren Gästen über die Jamaika-Sondierungsgespräche.

          TV-Kritik: Anne Will : Ende eines Schauspiels

          Diese Nacht verkündet der FDP-Vorsitzende das Scheitern der Sondierungsgespräche. Für eine solche Situation gibt es ein im Grundgesetz exakt definiertes Verfahren. Das scheinen aber nicht einmal die Politiker zu verstehen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.