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Silvio Berlusconi Laut, giftig und immer noch gefährlich

In Umfragen mag Silvio Berlusconi hinter anderen politischen Kräften Italiens zurückliegen. Aber vielen Wählern gilt er weiterhin als unterhaltsam - mindestens.

© Getty Images Vergrößern „Hüte dich vor dem Hund“: Berlusconi (rechts) und Santoro am Donnerstagabend in der Fernsehshow

Ein Jahr lang duckte sich Italiens früherer Ministerpräsident Silvio Berlusconi im Schatten der von ihm mit eingesetzten und getragenen Regierung Mario Montis. Vor einem Monat kündigte er dann die Unterstützung seines „Volks der Freiheit“ für Monti auf, und nun herrscht bis zu den Parlamentswahlen Ende Februar offener Kampf. Vorbei sind die Monate, in denen nüchtern über Verfassungs- oder Wahlrechtsreform gestritten wurde. Der 76 Jahre alte Medienunternehmer Berlusconi ist in der Arena zurück - und lockt das Volk mit Unterhaltung. Dabei bieten sich auch Journalisten an, die Berlusconi zwar seit jeher bekämpfen, aber offenbar stolz auf hohe Einschaltquoten sind. Ein Drittel der italienischen Fernsehzuschauer - fast neun Millionen - verfolgten am Donnerstagabend den Kampf zwischen Berlusconi und seinen journalistischen Erzfeinden Michele Santoro und Marco Travaglio.

„Öffentlicher Dienst“ (Servizio pubblico) heißt die Fernsehshow, bei der aber dieses Mal der Öffentlichkeit nicht mit Reformvorschlägen und politischen Plänen durch Berlusconi gedient wurde, sondern nur mit Abrechnungen und Vorwürfen. Derweilen lief im staatlichen Sender Rai Uno das Gespräch dreier Journalisten mit dem Vorsitzenden des Partito Democratico (PD) Pier Luigi Bersani, der zurzeit laut Umfragen von mehr als 30 Prozent der Italiener gewählt und Sieger werden würde. Bersanis nüchterne Antworten über Analyse und Programm sahen nur 2,5 Millionen Zuschauer; das aber lässt die PD-Parteizentrale kalt: „Allemal wird Berlusconi nicht siegen - der liefert nur dramatische Shows, die Bersani nicht fürchten muss“, sagt dessen Sprecher.

So siegessicher sollte der PD nicht sein. Berlusconi hat weiterhin viele Unterstützer, denen die Reformen Montis, der eine weitere Amtszeit anstrebt, zuwider sind. Andere lehnen zwar Berlusconi ab, aber mit ihm die gesamte politische Klasse. In einer Umfrage des Instituts Demopolis hieß es kürzlich, fast 30 Prozent der Wahlberechtigten wollten nicht wählen gehen und fast 20 Prozent hätten sich noch nicht für eine Partei entschieden.

Bis ins Detail vorbereitet

In der Show „Servizio pubblico“ musste Berlusconi bei zwei Themen „Irrtümer“ eingestehen, wie er es nannte. Bisher hatte er behauptet, nicht seine Regierung sei an der Finanzmisere im Sommer 2011 schuld gewesen, sondern ein „Komplott“ von Bundesregierung und Bundesbank, die in jener Zeit italienische Staatsanleihen verkauft habe, um Rom in die Krise zu stürzen. Das sei ein „Versprecher“ gewesen, sagte Berlusconi nun - er habe die Deutsche Bank gemeint. Dann aber musste er eingestehen, dass die Verkäufe dieser Bank in einen früheren Zeitraum fielen, als von Krise noch nicht die Rede war. Dies Thema mag die Italiener weniger interessiert haben als der Nachweis des Journalisten Santoro, dass Berlusconi schon in seiner Amtszeit und bis September sogar noch in der Ära Monti für Grundsteuern eintrat, auch für Eigentümer nur einer Immobilie - also für jene Steuer, deren Einführung er jetzt für ein Grundübel der „asozialen Politik Montis“ hält, das er sofort wieder abschaffen wolle.

Bis ins Detail war der Auftritt Berlusconis vorbereitet worden: Themen, Sitzpositionen im Studio, Monologlängen. Tatsächlich fing die Sendung auch freundlich an, was schon ein Wunder war: In den neunziger Jahren hatte Santoro zwar noch für Berlusconis Mediaset-Konzern gearbeitet. Dann aber wurde aus ihm einer der härtesten Berlusconi-Kritiker, den der Regierungschef 2002 „wegen des kriminellen Missbrauchs eines öffentlichen Senders für politische Zwecke“ aus der staatlichen Rai entfernen ließ. Nach Santoros Rückkehr zu RaiDue gab es oft wieder Streit mit Berlusconi; und so wechselte Santoro im vergangenen Jahr zum Privatsender La7. Marco Travaglio, Mitgründer der Zeitung „Il Fatto Quotidiano“, hält Berlusconi für einen „Berufsverleumder“.

„Und Sie sind der Schlimmste der Schlimmen“

Gleichwohl schaffte es Berlusconi, der Sendung sein Credo aufzuzwingen, gab wieder einmal ganz den menschennahen und freigiebigen Unternehmer, der durch die Umstände gezwungen werde, Italien vor der Machtübernahme durch die Kommunisten zu retten. Italien brauche eine Präsidialdemokratie, behauptete Berlusconi, denn wenn „wir in den Jahren meiner Amtszeit nicht ausreichend erfolgreich waren, dann lag das nicht an mir, sondern an der Unregierbarkeit Italiens mit diesem politischen System“.

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Dennoch endete die Sendung im Streit. Berlusconi beschimpfte die Linke als „Erben des Kommunismus, mit ihrer kriminellen und unmenschlichen Ideologie“ und meinte damit Bersanis PD. Er stichelte gegen Santoro, weil der politisch für solche Sendungen nicht genug gebildet sei und nannte Travaglio, dem er die Liste der Zivilprozesse vorgelesen hatte, in die der Journalist bisher wegen vermeintlicher Verleumdungen hineingezogen worden ist, „ein Genie des Bösen“. Dann wischte Berlusconi Travaglios Stuhl mit einem Taschentuch ab, bevor er sich selbst darauf setzte. „Man versteht wohl keinen Spaß“, kommentierte er, als Santoro und das Studiopublikum laut wurden. „Und Sie sind der Schlimmste der Schlimmen“, zischte Berlusconi schließlich gegen Santoro. Berlusconi verschwand mit den Worten an das Publikum: „Leute, lasst euch von den beiden hier nicht übers Ohr hauen.“

Quelle: F.A.Z.

 
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