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Sergej Bagapsch Präsident von Moskaus Gnaden

28.08.2008 ·  Nachdem er von Moskau den Freibrief für die Eigenstaatlichkeit der Provinz Abchasien erhielt, ist Sergej Bagapsch am Ziel seiner Wünsche. Der De-Facto-Ministerpräsident und De-Facto-Präsident ist nun ein „richtiger“ Präsident geworden.

Von Michael Ludwig, Moskau
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Im Augenblick ist alles eitel Sonnenschein in Suchumi. Sergej Bagapsch, im hellgrauen Anzug, begrüßt den Kommandeur des Raketenkreuzers „Moskwa“ von der russischen Schwarzmeerflotte mit abchasischem Rotwein. Endlich, am Tag nach der von Russland gebilligten Unabhängigkeit der von Georgien abtrünnigen Provinz Abchasien, ist er am Ziel seiner Wünsche. Sergej Bagapsch ist nicht mehr ein Politiker, dem die Staatengemeinschaft in nichtprotokollarischen Fußnoten allenfalls als De-Facto-Staatschef durchgehen ließ.

Er ist richtiger Präsident, wenn auch nur von Moskaus Gnaden. Er hofft darauf, dass sich das bald ändert, und bietet der ganzen Welt Zusammenarbeit an. Die ziert sich noch, aber Russland ist Feuer und Flamme. Es hat Truppen stationiert. Bagapsch bietet Moskau nun an, in seinem neuen Staat zumindest provisorisch eine Flottenbasis zu errichten. Hat er Angst vor georgischer Wiederaufrüstung, davor, dass die Georgier ihre sieben in Poti versenkten Kleinschiffe heben und mit dieser geballten Streitmacht Suchumi angreifen, oder zahlt er Tribut dafür, dass sein Land aus Moskau den Freibrief für die Eigenstaatlichkeit erhielt?

Bagapsch vertritt russische Positionen

Bagapsch muss sich gewandelt haben. Denn noch zur Zeit der Präsidentenwahl von 2004/2005 beschuldigte Moskaus Mann, Raul Chadschimba, den Rivalen Bagapsch, dieser habe zu enge Beziehungen zu Georgien, als dass er an der Spitze Abchasiens stehen dürfe. Von Bagapsch hieß es, seine Frau sei Georgierin. Die Russen verfügten wegen des Sieges des Unzuverlässigen ein Embargo gegen die Einfuhr abchasischer Mandarinen, von deren Verkauf viele arme Abchasen lebten. Damit setzten sie durch, dass die Wahl, die Bagapsch gewonnen hatte, wiederholt und vorher festgelegt wurde, dass Chadschimba Vizepräsident wird.

In der Kaukasus-Krise hat die EU erstmals Sanktionen gegen Russland ins Spiel gebracht. Der französische Außenminister Bernard Kouchner, dessen Land derzeit den EU-Vorsitz innehat, will aber bei dieser Frage dem Sondergipfel der EU-Staats- und Regierungschefs am Montag nicht vorgreifen.

Heute vertritt Bagapsch russische Positionen. Vielleicht blieb einem, der in einem von Georgiern weitgehend „gesäuberten“ Abchasien die Unabhängigkeit um jeden Preis wollte, nur die russische Karte. Denn auf dem Tisch lag ein georgischer Vorschlag, dessen Existenz Präsident Saakaschwili dieser Tage eingestand und der vorsah, Abchasien aufzuteilen. Die eine Hälfte sollte russische Einflusszone werden, die andere Hälfte unter die Kontrolle Georgiens gestellt und mit georgischen Rückkehrern aufgesiedelt werden. Bagapsch wird davon gewusst haben. Abchasische Urängste vor einem Geschäft zwischen Russland und Georgien waren geweckt, bei dem die erwünschte Selbständigkeit der Abchasen auf der Strecke bleibt.

Nun ist der frühere Basketballspieler, De-facto-Ministerpräsident und De-facto-Präsident in seinem 59. Lebensjahr ein „richtiger“ Präsident geworden. Er glaubt den Ball im Korb zu haben. Aber er steht einem Land vor, in dem 85 Prozent der Bürger dem Pass nach „Russländer“, Staatsbürger der Russländischen Föderation sind und die meisten Rentner das Ruhegeld aus Russlands Kassen beziehen. Das würde die Eigenstaatlichkeit Abchasiens, wenn sie denn komme, nicht in Frage stellen, meinte Sergej Bagapsch vor einigen Monaten. Die neue Wirklichkeit könnte eine andere Antwort liefern.

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