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Seoul : Appelle zum Abschluss des Atomgipfels

Ein Modell einer nordkoreanischen Scud-Rakete inmitten südkoreanischer Raketen in der Kriegsgedenkstätte in Seoul Bild: dapd

Zum Abschluss des Gipfeltreffens zur Atomsicherheit in Seoul haben die Vertreter aus 53 Ländern größtenteils die vor zwei Jahren verabredeten Ziele bekräftigt. Teilnehmer der Konferenz wiesen den Vorwurf zurück, Iran und Nordkorea nicht eingeladen zu haben.

          Regierungsvertreter aus 53 Ländern, darunter der amerikanische Präsident Obama und Chinas Präsident Hu Jintao, haben auf dem Weltgipfel zur Vorbeugung von Atomterrorismus über Maßnahmen gegen den Missbrauch von Atommaterial durch Terroristen und Kriminelle beraten. Nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima nahm auch der bessere Schutz von Atomanlagen einen hohen Stellenwert ein.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Japans Regierungschef Noda sagte am Dienstag auf der Konferenz in Seoul, niemand habe in Japan die Situation vorausgesehen, dass der Ausfall der Stromversorgung nach dem Tsunami im März 2011 die Sicherheit eines ganzen Atomkraftwerks gefährde. Auch Bundesaußenminister Westerwelle setzte sich auf dem Gipfel neben der Sicherung von waffenfähigem nuklearem Material vor Terroristen für den besseren Schutz aller hoch radioaktiven Strahlenquellen – einschließlich der Medizintechnik – ein.

          Obama rief die teilnehmenden Staaten dazu auf, bei der Vorbeugung vor Atomterrorismus stärker zusammenzuarbeiten. „Die Sicherheit der Welt hängt von unseren Aktionen ab“, sagte der Präsident. Die internationale Gemeinschaft habe zwar Fortschritte bei der Beseitigung von atomarem Material gemacht, doch die Gefahr bleibe groß, dass solches Material in die Hände von Terroristen gerät. „Es würde nicht viel, vielleicht nur eine Handvoll von Material reichen, um Hunderttausende von unschuldigen Menschen zu töten“, sagte Obama und fügte hinzu, das sei keine Übertreibung.

          Nordkorea will Raketenstart weiter vorbereiten

          Südkoreas Präsident Lee Myung-bak rief als Gastgeber dazu auf, endlich eine „fundamentale Lösung“ für das Problem zu finden. Dazu gehörten die Reduzierung und am Ende die völlige Beseitigung von überschüssigem Atommaterial, das zum Bau von Atomwaffen benötigt wird. Auch Chinas Präsident Hu Jintao forderte ein internationales Umfeld, in dem Atomsicherheit einen höheren Stellenwert habe.

          Überschattet wurde die Konferenz vom Konflikt mit Iran und Nordkorea. Präsident Obama sieht in der Ankündigung der nordkoreanischen Regierung in Pjöngjang, mit einer Langstreckenrakete im April einen Satelliten ins All zu bringen, einen Versuch, atomwaffenfähige Langstreckenraketen weiter zu entwickeln. Die Regierungen in Südkorea und in Japan haben bereits mitgeteilt, sie erwägten, die Rakete abzuschießen, sollte sie ihren Luftraum verletzen.

          Nordkorea, das wie Iran an der Konferenz nicht teilnimmt, bekräftigte trotz der Kritik, die Vorbereitungen für den für Mitte April geplanten Start der Rakete fortzusetzen. Obama hatte zum Auftakt des Gipfels an die Führung in Nordkorea appelliert, „den Mut zum Frieden“ zu haben. Gleichzeitig bekräftigte er, dass das Regime im Falle des Raketenstarts nicht mehr mit Hilfen für die notleidende Bevölkerung rechnen könne. Gemeinsam mit dem südkoreanischen Präsidenten appellierte Obama an China, Druck auf seinen Verbündeten Nordkorea auszuüben und den Raketenstart zu unterbinden.

          Westerwelle kritisiert Nordkorea

          Teilnehmer der Konferenz wiesen den Vorwurf zurück, Iran und Nordkorea nicht zu der Konferenz eingeladen zu haben. Das Ziel des amerikanischen Präsidenten, bis 2014 alles gefährliche Atommaterial aus dem Verkehr zu ziehen, sei bei weitem noch nicht erreicht, hieß es. So wichtig es sei, die Bestrebungen Irans und Nordkoreas genau zu beobachten, lenke die Debatte darüber doch vom eigentlichen Thema des Gipfeltreffens ab.

          Auch Westerwelle kritisierte die Ankündigungen aus Nordkorea. Pjöngjang verstoße damit gegen internationale Vereinbarungen, sagte der Außenminister nach einem Treffen mit seinem südkoreanischen Kollegen. Westerwelle vertrat Bundeskanzlerin Merkel. Im Abschlussdokument wurde auch der Ort für den nächsten Gipfel genannt: Demnach werden die Niederlande 2014 Gastgeber für das dritte Treffen für Nuklearsicherheit.

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