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Ségolène Royal Ohne Rücksicht auf François

19.06.2007 ·  Ihre Beziehung stand wohl schon seit längerem vor dem Aus. Nun hat die ehemalige Präsidentschaftskandidatin Royal ihren Lebensgefährten Hollande vor die Tür gesetzt - und will den Vorsitz der Sozialistischen Partei von ihm übernehmen.

Von Michaela Wiegel, Paris
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„Ich habe François Hollande gebeten, unsere Wohnung zu verlassen und seine Liebesgeschichte auszuleben, die schon in Büchern und Zeitungen ausgebreitet wird. Ich habe ihm gewünscht, glücklich zu werden.“ Mit diesen Worten hat Ségolène Royal am Wahlabend ihre Trennung vom Vorsitzenden der Sozialistischen Partei (PS) bekanntgegeben. Sie vollzog damit eine Kehrtwende in ihrer nicht ohne Mühen während des ganzen Wahlkampfes verfolgten Strategie, in der Öffentlichkeit als Lebensgefährtin Hollandes aufzutreten.

Noch kürzlich hatte sie auf einer Wahlkundgebung François Hollande demonstrativ auf der Rednertribüne geküsst – er lief rot an und flüchtete von der Bühne. Gegen die Journalisten Ariane Chemin und Raphaelle Bacqué, die in ihrem Buch „La femme fatale“ Frau Royals Lebenslüge offengelegt hatten, klagten Ségolène Royal und François Hollande auf 150.000 Euro Schadenersatz.

Debatte am Wahlabend „verunreinigt“

Frau Royals plötzliche Offenbarungsinitiative entspringt politischem Kalkül. Sie will sich um den Parteivorsitz bewerben und endlich auch den sozialistischen Sympathisanten deutlich machen, warum sie auf Hollande keine Rücksicht zu nehmen gedenkt. Die Genossen quittierten die Nachricht von der Trennung des Führungsduos mit sauren Mienen in den Fernsehstudios. Ihre Verärgerung galt weniger der Nachricht, mit der sie gerechnet hatten, als dem Zeitpunkt der Bekanntgabe.

Video: Dämpfer für die Präsidentenpartei

„Wir fühlen mit, denn es gibt keine glückliche Trennung. Aber ich finde, wir sollten lieber über andere Themen reden am Wahlabend“, sagte der sozialistische Senator Jean-Luc Mélenchon. Der frühere Premierminister Fabius wollte sich erst ganz vor einem Kommentar drücken und druckste dann etwas über eine „private Angelegenheit“, mit der die Debatte am Wahlabend „verunreinigt“ werde.

Von einer Trauung in Polynesien geträumt

In einem am Samstag aufgezeichneten Radiogespräch, das am Montag im staatlichen Sender France Inter ausgestrahlt wurde, schildert Ségolène Royal mit emotionsgeladener Stimme die Einzelheiten ihrer Trennung. „Ich glaube, es war wichtig, die Dinge klarzustellen. Wir haben wie viele Paare Schwierigkeiten gehabt. Wir haben das während des Präsidentenwahlkampfes und des Parlamentswahlkampfes ausgeklammert. Das war für mich wichtig, um die Kinder zu schützen. Ich habe François angeboten, sein eigenes Leben zu leben, und er hat das angenommen. Es handelt sich um eine tatsächliche Trennung: Wir leben nicht mehr unter einem Dach“, sagte sie.

In ihrem im März veröffentlichten Buch „Maintenant“ („Jetzt“) hatte sie sich noch ganz anders geäußert. „Ja, wir sind immer noch zusammen, und ja, wir leben immer noch zusammen“, sagte sie der Journalistin Marie-Françoise Colombani. Ségolène Royal kam sogar von sich aus auf die Idee einer Heirat zurück, die sie in ihrer Lebensgemeinschaft mit Hollande seit 1978 zuvor offenbar nicht in Erwägung gezogen hatte. Sie habe von einer Trauung in Polynesien geträumt, um Kraft zu sammeln vor dem Schock des Präsidentenwahlkampfes.

Rachezug gegen Hollandes Geliebte

„Das wäre verrückt romantisch gewesen, eine Hochzeit am anderen Ende der Welt mit Pirogen“, sagte sie. Aber „François Hollande hat es sich von seinem Mitarbeiterstab ausreden lassen, aus Angst davor, sich lächerlich zu machen“, fügte sie hinzu. Hollande sollte in einem Radiogespräch behaupten, das Buch nicht gelesen zu haben.

Näher an der Wahrheit waren schon damals Berichte, wonach Ségolène Royal einen Rachezug gegen Hollandes Geliebte, die Journalistin Valérie Trierweiler, unternommen hatte. So soll sie die Chefredaktion von „Paris Match“ gedrängt haben, die Journalistin von der Berichterstattung über die Sozialisten abzuziehen. Das Wochenmagazin „Paris Match“, das dem Rüstungsunternehmer Lagardère gehört, erfüllte den Wunsch.

„Keine politischen Gründe“ für die Trennung

Der Bruch zwischen den beiden führenden Sozialisten hatte zu erheblichen Missstimmigkeiten während der Wahlkampagnen geführt. Manuel Valls, ehemaliger Regierungssprecher unter Premierminister Jospin, drückte die allgemeine Stimmung in der Partei aus, als er nach dem ersten Wahlgang sagte, er habe es satt, dass sich das Leben der Partei „um das Leben eines Paares dreht“.

Das gute Abschneiden im zweiten Wahlgang, bei dem die Sozialisten wider Erwarten mehr als 50 Abgeordnetenmandate hinzugewannen, hat Frau Royals Entschlossenheit zur „Klarstellung“ beschleunigt. Sie will um jeden Preis verhindern, dass sich der Erste Sekretär das Ergebnis als Verdienst zuschreibt und damit den Führungswechsel an der Parteispitze hinauszögern kann. Frau Royal will einen Sonderparteitag vor dem geplanten Parteitag im November 2008 durchsetzen, um die Macht in der Partei an sich zu reißen.

Das sagt sie in ihrem neuen Interview-Buch „Die Kulissen einer Niederlage“, das an diesem Mittwoch in den Buchhandel kommt. François Hollande wiederum hat am Montag die Trennung bestätigt und angekündigt, dass dies keinerlei politische Konsequenzen nach sich ziehe. Für die Trennung gebe es „keine politischen Gründe und deshalb auch keine politischen Konsequenzen“. Er wiederholte seine Entschlossenheit, bis zum Parteitag im November 2008 die PS zu führen.

Quelle: F.A.Z., 19. Juni 2007, S.2
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Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

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