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Sebastián Piñera Der Berlusconi Chiles?

 ·  Rastlosigkeit und Umtriebigkeit des nun gewählten chilenischen Präsidenten Sebastián Piñera sind sprichwörtlich. Dass er auch Anteile am privaten Sender „Chilevisión“ und am Fußballclub „Colo Colo“ hält, brachte ihm den Ruf ein, der Berlusconi Chiles zu sein.

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In seiner künftigen Regierung dürfe keine Minute verloren werden, mahnte er seine Leute in einer Rede am Abend nach der Stichwahl, in der er pausenlos Satz auf Satz folgen ließ. Rastlosigkeit und Umtriebigkeit des nun gewählten chilenischen Präsidenten Sebastián Piñera sind sprichwörtlich. Gegenüber der Behäbigkeit des ihm unterlegenen Konkurrenten Eduardo Frei wirkt die rhetorische Motorik Piñeras sogar atemraubend. Sie erklärt zu einem guten Teil, weshalb ihm mehr als die Hälfte der wahlberechtigten Chilenen trotz aller Vorbehalte ihre Stimme gegeben haben: Er war in den beiden Wahlkämpfen einfach gewiefter und alerter.

Mit den Pfunden seiner Agilität und Geschäftstüchtigkeit weiß Piñera gut zu wuchern. Das hat ihn zu einem der reichsten Männer Chiles werden lassen, mit einem geschätzten Vermögen von mehr als einer Milliarde Dollar. Mit geschickten finanziellen Aktionen wie etwa der Einführung von Kreditkarten in Chile - und nicht „durch seiner Hände Arbeit“, wie manche seiner Landsleute bemängeln - hat er die Grundlage zu seinem Reichtum gelegt. Das war in der Zeit der Pinochet-Diktatur. Da Piñera aber auch über politischen Spürsinn verfügt, hat er sich frühzeitig von Pinochet losgesagt und bei der Volksabstimmung über den weiteren Verbleib des Diktators im Präsidentenamt 1989 nach eigenem Bekenntnis mit „Nein“ gestimmt.

Bester seines Jahrgangs

Miguel Juan Sebastián Piñera Echeñique wurde am 1. Dezember 1949 in Santiago geboren, er ist also vor kurzem 60 Jahre alt geworden. Sein Vater war Botschafter in Belgien und bei den Vereinten Nationen. Piñeras Bruder José war Arbeitsminister unter Pinochet. Sebastián studierte von 1968 an Wirtschaftswissenschaften an der Katholischen Universität von Chile und beendete das Studium als Bester seines Jahrgangs, so dass er ein Stipendium für die Harvard University in Boston bekam. Dort promovierte er auch. 1976, also mitten in der Pinochet-Diktatur, kehrte er nach Chile zurück. Er war danach bei der Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik tätig und lehrte an der Katholischen Universität in Santiago.

Dass Piñera ein Haupt-Eigner der größten chilenischen Fluggesellschaft ist sowie Anteile am privaten Fernsehsender „Chilevisión“ und am populären chilenischen Fußballclub „Colo Colo“ hält, brachte ihm den Ruf ein, der Berlusconi Chiles zu sein. Mit der Frivolität und Abgebrühtheit des italienischen Staatspräsidenten kann es Piñera aber nicht ganz aufnehmen. Am Wahlabend trat er vor seinen enthusiastisch ihm zujubelnden Landsleuten zusammen mit seiner Ehefrau Cecilia Morel Montes und seinen vier Kindern auf - und beschwor emphatisch die Treue zu seiner Familie.

Während des Wahlkampfs zum Stichentscheid hatte Piñera von unerwarteter Seite Schützenhilfe erhalten. Der peruanische Literat Mario Vargas Llosa lobte ihn überschwenglich. „Er repräsentiert den Idealismus, er ist großzügig, Lateinamerika braucht Führungspersönlichkeiten wie ihn“, hatte der Schriftsteller während seines Besuchs in Santiago gesagt, wo er an der Einweihung eines Museums zur Erinnerung an die Opfer der Militärregierung von Augusto Pinochet teilzunehmen gedachte.

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Jahrgang 1949, politischer Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in Buenos Aires.

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