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Unruhen in Nantes : „Losgeknallt wie bei den Robocops“

Die ganze Nacht über muss die Feuerwehr immer wieder ausrücken, um brennenden Autos und Gebäude zu löschen. Bild: AFP

Nachdem Polizisten in Nantes einen 22 Jahre alten Mann erschießen, kommt es in der französischen Stadt zu schweren Ausschreitungen. Die Schuldfrage ist noch nicht abschließend geklärt.

          Über den Fernsehbildern aus Nantes liegt ein Hauch von Déjà-vu: vermummte Jugendliche, die mit Molotow-Cocktails und anderen Wurfgeschossen auf Polizisten losgehen, brennende Autos und Abfalltonnen, zertrümmerte Schaufensterscheiben sowie eine Bürgermeisterin, die zu nächtlicher Stunde zur Ruhe aufruft. Die schweren Ausschreitungen in gleich drei sozialen Brennpunktvierteln in der Metropole am Loire-Fluss in der Nacht zum Mittwoch haben Frankreich daran erinnert, wie prekär der Frieden in der Banlieue ist. Seit der Wahl Präsident Emmanuel Macrons schien es, als gehörten die Krawalle der Vergangenheit an. Erst kürzlich lehnte es der junge Präsident ab, neue Millionensubventionen in die Banlieue zu pumpen, und plädierte für Hilfe zur Selbsthilfe. Doch jetzt packt die Regierung die Angst, dass der Funke aus Nantes zu einem Flächenbrand in den Sozialwohnbauvierteln um die großen Städte führen könnte. Innenminister Gérard Collomb verurteilte „die Gewalttaten und die inakzeptablen Zerstörungen“ scharf. Er versprach „alle notwendigen Mittel“, um „die Situation zu beruhigen und jedem neuen Zwischenfall vorzubeugen“.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Grund für die nächtlichen Ausschreitungen war eine Routine-Verkehrskontrolle, bei der ein 22 Jahre alter Mann von einem Polizisten getötet wurde. Der Beamte gab zu Protokoll, er habe aus Notwehr auf den Fahrer geschossen. Ein Augenzeuge behauptete in einem Videomitschnitt, der Polizist sei nicht bedroht worden und habe „losgeknallt wie bei den Robocops“. Sicher ist, dass sich der 22 Jahre alte Fahrer des Autos der Anweisung der Polizeibeamten widersetzte, sein Auto zu parken und zu einer Identitätskontrolle mit ins Kommissariat zu kommen. Stattdessen legte der Mann den Rückwärtsgang ein und setzte zurück, „um sich der Kontrolle zu entziehen“, wie es im Polizeibericht heißt. Dabei sei ein Polizist am Knie gestreift worden. Da der Mann zu fliehen drohte, habe der Polizistenkollege das Feuer auf ihn eröffnet. Der Fahrer starb kurze Zeit später im Krankenhaus.

          Inzwischen ist bekannt, dass gegen den 22 Jahre alten Aboubakar F. seit Juni 2017 ein Haftbefehl wegen bandenmäßigem Diebstahl, Hehlerei und krimineller Vereinigung vorlag. Er hatte sich offenbar nach Nantes zurückgezogen, weil an seinem Wohnort Garges-lès-Gonesse bei Paris nach ihm gefahndet wurde. Bei der Kontrolle hatte er sich zunächst mit dem falschen Namen Mamadou F. ausgewiesen. Das Kennzeichen des Fahrzeugs, an dessen Steuer er am Dienstagabend saß, war zudem im Suchregister der Polizei im Zusammenhang mit einer Ermittlung zu Rauschgiftdelikten erfasst.

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