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Veröffentlicht: 29.03.2017, 10:03 Uhr

Schwere Explosion in Mossul Amerika schließt Verantwortung für tote Zivilisten nicht aus

Die Anti-IS-Koalition im Irak untersucht derzeit, wer für die Mitte März in Mossul getöteten Zivilisten verantwortlich ist. Nun kommt der Kommandeur zu der Einschätzung, „dass wir wahrscheinlich an den Todesopfern beteiligt waren“.

© dpa Nach langen zermürbenden Kämpfen sind große Teile Mossuls zerstört – wie dieses Viertel, das die Armee vor kurzem zurückerobert hat.

Nach einer Explosion mit etlichen toten Zivilisten in der irakischen Stadt Mossul hat das amerikanische Militär eine Mitschuld an dem Vorfall nicht ausgeschlossen. „Meine erste Einschätzung ist, dass wir wahrscheinlich an den Todesopfern beteiligt waren“, sagte der amerikanische Kommandeur der Militärmission gegen den „Islamischen Staat“ (IS), General Stephen Townsend, am Dienstag. Es habe mehrere Luftangriffe in der Gegend gegeben. Townsend betonte aber, dass Zivilisten nicht absichtlich angegriffen worden seien. Das Zentralkommando untersucht derzeit den Vorfall.

In Folge der gewaltigen Explosion im Stadtviertel al Dschadida im Westen Mossuls am 17. März waren verschiedenen Berichten zufolge mehr als hundert Menschen ums Leben gekommen. Nach UN-Angaben hatten IS-Kämpfer zuvor mindestens 140 Menschen in dem Gebäude zusammengetrieben. Zeugen sagten, der IS habe auch Sprengsätze in dem Haus deponiert.

„Sicherheitsmaßnahmen nicht gelockert“

Kritiker werfen der neuen amerikanischen Regierung von Präsident Donald Trump vor, die Luftangriffe verschärft zu haben und weniger Rücksicht auf Zivilisten zu nehmen. Townsend wies die Darstellung zurück, dass Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz Unbeteiligter gelockert worden seien.

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Am Dienstag hatten die Vereinten Nationen die Anti-IS-Koalition aufgefordert, beim Kampf gegen die Terrororganisation zivile Opfer möglichst zu vermeiden. Die Bombardierung von IS-Stellungen in dicht besiedelten Gebieten der irakischen Stadt Mossul gerate schnell zu einer tödlichen Falle für Zivilisten, sagte der Hochkommissar für Menschenrechte, Said Raad al Hussein, am Dienstag in Genf. Bei dem Kampf um den Westteil der Stadt seien seit Mitte Februar mindestens 307 Menschen ums Leben gekommen. Weitere 270 wurden demnach verletzt.

Die UN werfen dem IS vor, immer mehr Einwohner als lebende Schutzschilde zu missbrauchen. „Das verletzt die einfachsten Grundnormen des menschlichen Anstands und der Moral“, so Said. Die Terrormiliz treibt nach Erkenntnissen der UN Zivilisten in Häusern zusammen. Bei Fluchtversuchen würden sie erschossen. Die irakische Armee und die amerikanisch geführte Militärallianz müssten auf das Vorgehen des IS reagieren, mahnte der UN-Hochkommissar. Er forderte eine „sofortige Überprüfung“ der Militärtaktik, „um die Auswirkungen auf Zivilisten auf ein absolutes Minimum zu reduzieren“.

© reuters, Reuters Debatte über getötete Zivilisten im Irak

Amnesty International erhob angesichts der Berichte schwere Vorwürfe gegen die irakischen Truppen und die von Amerika geführte Koalition. „Sowohl die Luftangriffe als auch die Gefechte am Boden zwischen der irakischen Armee und IS-Kämpfern haben in den letzten Monaten zu einer erschütternden Zunahme an zivilen Opfern geführt“, erklärte die Menschenrechtsorganisation am Dienstag. „Die hohe Zahl ziviler Opfer lässt vermuten, dass die an der Offensive in Mossul beteiligten Koalitionsstreitkräfte keine ausreichende Vorsorge treffen, dass zivile Tote vermieden werden.“ Das sei ein „eklatanter Verstoß gegen internationales Völkerrecht“.

Die irakischen Streitkräfte und die von den Vereinigten Staaten angeführte Militärkoalition hatten Mitte Februar eine Offensive begonnen, um den IS aus seiner letzten Hochburg im Irak zu vertreiben. Der IS hatte Mossul im Sommer 2014 unter seine Kontrolle gebracht.

© dpa, reuters „Wie im Gefängnis“ : Einwohner flüchten aus Mossul

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