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Schwarzmeerflotte Russlands Rückkehr auf die Weltmeere

24.01.2008 ·  Dank hoher Gaspreise hat Russland wieder Geld, um seine Marine flottzumachen. Diese ist wieder in der Lage internationale Einsätze zu fahren. Ein Manöver, das größte seit dem Ende der Sowjetunion, wurde in Russland als „großes Schießen“ bejubelt.

Von Michael Ludwig, Moskau
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Die russische Schwarzmeerflotte ist nicht nur dazu da, während der olympischen Winterspiele in Sotschi 2014 für Sicherheit zu sorgen. Einheiten der einst als „Rostflotte“ bespöttelten Schiffsverbände mit dem Heimathafen Sewastopol, um die sich Ukrainer und Russen nach dem Zerfall der Sowjetunion stritten, sind längst wieder in der Lage, internationale Einsätze zu fahren, ob im Mittelmeer oder im Atlantik. Die Nato lud die Russen zu gemeinsamen Manövern ein. Im Sommer übten Einheiten der Schwarzmeerflotte mit Nato-Schiffen im Mittelmeer den Antiterroreinsatz. Zugleich verkündete auch der Oberkommandierende der russischen Kriegsmarine, Flottenadmiral Wladimir Masorin, den festen Willen der Russen, im Mittelmeer wieder häufiger Flagge zu zeigen.

Die Schwarzmeerflotte, so sagte der Admiral, sei der Vorposten Russlands im südwestlichen strategischen Vorfeld. Das Mittelmeer und den Atlantik zum Operationsgebiet erklärte der Admiral zum künftigen Operationsgebiet der Männer aus Sewastopol. Den zur Nato gehörenden nördlichen Mittelmeeranrainern dürfte es daher künftig schwerfallen, diese See als „Mare Nostrum“ zu betrachten. An der Südküste reagierte Israel nervös, weil es befürchtete, dass syrische Häfen für russische Lauschangriffe genutzt würden. Hoffnung spendeten da nur noch russische Fachleute, die Masorins Ankündigungen den chronischen Geldmangel der russischen Flotte gegenüberstellten.

Das „große Schießen“ macht viele Russen stolz

Die Petrodollarschwemme in russischen Kassen hat seither aber noch zugenommen. Nun werden eingemottete Schiffe modernisiert, lang geplante U-Boote vollendet und neue Raketen finanziert - und Manöver fernab der russischen Heimathäfen durchgeführt, wie dieser Tage im Mittelmeer und im Atlantik. Ein Kampfverband aus russischen Schiffen der Schwarzmeerflotte und der Nordflotte, deren Heimathafen bei Murmansk in Seweromorsk liegt, vereinigte sich im Mittelmeer und übte im Golf von Biskaya das Zusammenspiel mit Langstreckenbombern, die unter Begleitung von Jägern und Tankflugzeugen ebenfalls aus Russland herbeigeordert waren. Auch die auf dem Flugzeugträger „Kusnezow“ stationierten Flugzeuge und Hubschrauber kamen zum Einsatz. Kurzstreckenraketen wurden abgeschossen. U-Boot-Jagdflugzeuge stiegen auf.

Russische Nachrichtenagenturen berichteten regelmäßig über die Stationen des langen Wegs der Nordmeer-Schiffe in die Einsatzregion und das erfolgreiche „große Schießen“ beim Manöver. Die größte Marineübung seit dem Ende der Sowjetunion, an der 3500 Soldaten beteiligt sind und die bis Anfang Februar dauern soll, macht viele Russen stolz und kommt zum Präsidentschaftswahlkampf gerade recht. Dass Kampfflugzeuge der Nato am Mittwoch russische Langstreckenbomber „eskortierten“ oder, nach einigen Berichten, abfingen, tat dem kaum Abbruch. Der Befehlshaber der Nordflotte, Vizeadmiral Nikolaj Maksimow, der das Manöver leitet, bekräftigte, was Masorin vor einem halben Jahr gesagt hatte: Schritt für Schritt werde Russland seine Flottenpräsenz auf den Weltmeeren auf sowjetische Ausmaße hochfahren.

Das ist der Wille der politischen Führung, den Präsident Putin und Verteidigungsminister Anatolij Serdjukow im Kreml noch einmal zu Protokoll gaben. Immerhin sind nun Übungen mit der Nato nicht ausgeschlossen; beim aktuellen Manöver sind die Franzosen Partner, die den integrierten Kommandostrukturen der Nato nicht angehören. Zum Abschluss soll vor Brest eine gemeinsame Seeübung abgehalten werden. Übungen mit Syrien im Mittelmeer, die manche befürchtet hatten, fanden offenbar nicht statt.

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Jahrgang 1948, politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

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