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„Schwarze Witwen“ Rächerinnen oder Werkzeuge?

30.03.2010 ·  Der Terror in der Moskauer Metro ist offenbar wieder untrennbar mit dem Phänomen der „Schwarzen Witwen“ verbunden. Erstmals traten sie im Oktober 2002 beim Überfall auf das Musical-Theater „Nordost“ in Erscheinung.

Von Reinhard Veser
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Die Welle des Terrors, die zwischen 2002 und 2004 über Moskau hereingebrochen war, ist untrennbar mit dem Phänomen der „Schwarzen Witwen“ verbunden. Sie erregten erstmals Aufsehen als Teilnehmerinnen des tschetschenischen Terrorkommandos, das im Oktober 2002 im Musical-Theater „Nordost“ etwa 800 Zuschauer als Geiseln nahm und mit deren Ermordung drohte.

Danach waren in den folgenden beiden Jahren an fast allen Anschlägen, die islamistische Untergrundkämpfer aus dem Nordkaukasus außerhalb ihrer Heimatregion verübten, Frauen beteiligt - meist als Selbstmordattentäterinnen. Auch der bis zum Montag schlimmste Anschlag auf die Moskauer Metro, bei dem am 6. Februar 2004 im Berufsverkehr auf einer der Hauptlinien 39 Personen ermordet wurden, wurde von einer Selbstmordattentäterin verübt.

Hinter der Rekrutierung dieser Frauen und der Planung ihrer Anschläge wurde der Terroristenführer Schamil Bassajew vermutet, der sich selbst bezichtigte, die Geiselnahmen im Moskauer Musical-Theater und in der Schule von Beslan im September 2004 organisiert zu haben. Auch zu dem Terrorkommando in Beslan gehörten nach offiziellen Angaben zwei Frauen.

Video: Russland trauert

Darüber, was die „Schwarzen Witwen“ zu ihren Taten trieb, wurde viel spekuliert. Eine Vermutung war, dass diese Frauen Rache für Verwandte - Väter, Brüder, Ehemänner - üben wollten, die von russischen Sicherheitskräften getötet wurden. Eine andere Vermutung lautete, dass die Frauen einem zynischen Kalkül Bassajews zum Opfer gefallen seien, der sie einsetzte, weil er die Frauen leichter als die - in den Augen der Sicherheitskräfte unter einem Generalverdacht stehenden - Männer aus dem Nordkaukasus nach Moskau bringen konnte. Die Frauen seien einer Gehirnwäsche unterzogen und vor ihren Anschlägen mit Rauschgiften gefügig gemacht worden, behauptete etwa der russische Geheimdienst.

Diese Ansicht wurde allerdings auch von kritischen Beobachtern gestützt, etwa der russischen Autorin Julia Jusik, die in einem Buch die Lebensläufe mehrerer „Schwarzer Witwen“ nachvollzogen hatte.

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Jahrgang 1968, Redakteur in der Politik.

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