Home
http://www.faz.net/-gq5-qe2r
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Schüsse nach Sgrena-Befreiung Berlusconi kritisiert amerikanischen Bericht zum Tod Caliparis

05.05.2005 ·  Erst telefonierten sie „lange und herzlich“, Italiens Ministerpräsident und der amerikanische Präsident, dann übte Berlusconi Kritik: Eine Veranwortung der amerikanischen Soldaten am Tod Caliparis könne nicht ausgeschlossen werden.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat am Donnerstag Kritik am amerikanischen Untersuchungsbericht zu den tödlichen Schüssen auf den Geheimdienstagenten Nicola Calipari im Irak geübt. Nur weil die amerikanischen Soldaten nicht absichtlich gehandelt hätten, könne eine Verantwortung für Caliparis Tod nicht ausgeschlossen werden, sagte Berlusconi vor dem Parlament. Die unterschiedlichen Ansichten über den Zwischenfall vom 4. März könnten das freundschaftliche Verhältnis zu Washington aber nicht trüben, betonte er.

Der amerikanische Kontrollpunkt, an dem Calipari erschossen wurde, sei nicht ausreichend gekennzeichnet gewesen, erklärte Berlusconi. Italienische Ermittler hatten bereits in einem am Montag vorgelegten Untersuchungsbericht die Darstellung der Amerikaner zurückgewiesen, wonach niemand für den tödlichen Zwischenfall in Bagdad verantwortlich gemacht werden könne und die beteiligten Soldaten von jeder Schuld freigesprochen wurden.

Kein Einfluß auf die Truppenstationierung der Italiener

Die Unstimmigkeiten würden weder die Beziehung zu den Vereinigten Staaten noch die Truppenstationierung Roms im Irak beeinflussen, sagte Berlusconi. „Unsere Freundschaft mit den Vereinigten Staaten hat schon schwierigere Prüfungen überstanden“, sagte Berlusconi. Der Regierungschef war nach dem Untersuchungsbericht vom Montag in Zugzwang geraten. Die Bevölkerung erwartete eine deutliche Distanzierung zu Washington, erste Kabinettsmitglieder fordern die Beendigung des italienischen Militärengagements im Irak.

In einem Telefonat hatte der amerikanische Präsident George W. Bush Berlusconi am Mittwoch abermals sein Beileid wegen Caliparis Tod ausgedrückt. Er bezeichnete den Geheimdienstmitarbeiter laut einer Erklärung von Berlusconis Büro als „heldenhaften Diener Italiens und einen geschätzten Freund der Vereinigten Staaten“.

Berlusconis Büro bezeichnete das Telefonat mit Bush als „lange und herzlich“. Beide Staaten hätten ihr Engagement für das irakische Volk und den demokratischen Wiederaufbau des Landes bekräftigt. Bush und Berlusconi seien sich einig, daß Caliparis Tod die Freundschaft zwischen den beiden Ländern nicht beeinträchtigen werde, erklärte auch der Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Von dir die Fregatte, von mir die Drohne

Von Thomas Gutschker

Verteidigung ist eine nationale Angelegenheit? Die Wirklichkeit hat sich längst geändert. Die Armeen der Nato-Partner müssen zusammenarbeiten. Kein Land ist mehr autark. Mehr 2 3