03.08.2009 · Karlheinz Schreiber sieht in seiner Auslieferung den „größten politischen Skandal der Geschichte“. Die kanadische Justiz sieht das anders. Dort hatte man schon lange genug von der „Justizakrobatik“, mit der Schreiber seine Auslieferung fast zehn Jahre lang abgewehrt hatte.
Von Matthias RübAm Ende hatte der kanadische Justizminister Robert Nicholson keine Geduld mehr mit Karlheinz Schreiber. Das amtliche Schreiben Nicholsons an den 75 Jahre alten deutsch-kanadischen Waffenhändler und Lobbyisten, wonach dieser sich gemäß seiner Kautionsvereinbarung binnen 48 Stunden zur fälligen Auslieferung an die deutschen Behörden im „Detention Center West“ in Toronto einzufinden habe, übergaben zwei Polizeibeamte am Freitagnachmittag um 17.10 Uhr an Schreibers Haustür in Ottawa. Über den genauen Zeitpunkt der Zustellung weiß die Welt so genau Bescheid, weil Schreiber und dessen Anwalt Edward Greenspan am Wochenende gar nicht genug darüber klagen konnten.
Es sei ein „unfairer Akt“ Nicholsons gewesen, klagte Greenspan, weil er zu diesem Zeitpunkt im Justizministerium niemanden mehr habe erreichen können, um etwas gegen den Auslieferungsbeschluss einzulegen. Es sei gar „der größte politische Skandal der Geschichte“ gewesen, urteilte Schreiber. Denn Nicholson sei mit dem früheren kanadischen Ministerpräsidenten Brian Mulroney eng befreundet, „und Herr Mulroney mag mich nicht besonders“, sagte Schreiber. Seine Auslieferung diene dem Ziel, „mich zum Schweigen und außer Landes zu bringen“, schimpfte Schreiber.
Das sieht man im Justizministerium in Ottawa anders. Es sei nun genug mit Schreibers „Justizakrobatik“, Kanada habe seinen internationalen Verpflichtungen nachzukommen, heißt es in einer Stellungnahme aus Nicholsons Ministerium. Die überfällige Auslieferung, welche Schreiber, der seit 1982 neben der deutschen auch die kanadische Staatsbürgerschaft besitzt, fast zehn Jahre lang abgewehrt hatte, war zuletzt nur auf Bitten des kanadischen Richters Jeffrey Oliphant abermals aufgeschoben worden. Oliphant führt die unabhängige Kommission, welche die Übergabe von 225.000 bis 300.000 Dollar in bar durch Schreiber an Mulroney für Lobbyarbeit im Auftrag des Thyssen-Konzerns aufklären soll.
Die Annahme des Geldes sei weder unethisch noch gar illegal gewesen, sagt Mulroney, der zum Zeitpunkt seiner umstrittenen Zusammenarbeit mit Schreiber schon nicht mehr Regierungschef war. Die Kommission, die bis Jahresende ihre Ergebnisse vorlegen soll, konnte wunschgemäß auch Schreiber vernehmen. Am Freitag schloss die Kommission ihre Beweisaufnahme ab, und am Freitag erhielt Schreiber den Brief vom Justizminister. Zwei Tage später saß er im Flugzeug nach Deutschland.
Na sowas der in Montreal ansässige Herr Peters (hier Kommentator) behauptete...
Alfons Crocusé (ALCR)
- 03.08.2009, 20:17 Uhr
Geduld? Nein, darum geht's nicht!
Harold Cowl (hcowl)
- 04.08.2009, 01:42 Uhr
Matthias Rüb Jahrgang 1962, politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.
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