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Libyen : Schleuser töten Migranten bei Fluchtversuch

Afrikanische Flüchtlinge setzen von Libyen aus nach Europa über Bild: dpa

In Libyen haben Schlepper mehrere Flüchtlinge erschossen, die aus den illegalen Lagern türmen wollten. Der Vorfall wirft abermals ein Schlaglicht auf die Brutalität der Schleuserbanden.

          In Libyen sind bei einem Fluchtversuch zahlreiche afrikanische Migranten verletzt oder getötet worden. Die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ teilte am Wochenende mit, mehr als hundert Afrikaner hätten vergangene Woche versucht, aus einem Internierungslager einer Schleuserbande zu entkommen. Diese habe daraufhin das Feuer auf die Fliehenden eröffnet.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Überlebende berichteten von mindestens 15 Toten. Weitere 25 Personen wurden in einem Krankenhaus in der Stadt Bani Walid behandelt, einige wiesen schwere Schusswunden auf. Die afrikanischen Migranten aus Äthiopien, Eritrea und Somalia waren Gefangene in einem illegalen Internierungslager und mehrmals von Schleuserbande an Schleuserbande weiterverkauft worden. Einige Überlebende berichteten, sie seien schon seit drei Jahren in Gefangenschaft. Die Körper mehrerer Gefangener wiesen deutliche Spuren von Folter wie Verbrennungen durch Elektroschocks auf.

          Menschenunwürdige Zustände

          In der Stadt Bani Walid hatten örtliche Sicherheitskräfte und Stammesälteste die Geflohenen vor Bewaffneten in Schutz genommen, die nach ihnen suchten. Die Stadt ist ein wichtiger Knotenpunkt libyscher Schmuggelrouten, in ihrer Umgebung gibt es mehrere illegale Internierungslager.

          Der Vorfall wirft abermals ein Schlaglicht auf die Brutalität, mit der die Schleuserbanden vorgehen. In ihren Lagern herrschen menschenunwürdige Zustände. Immer wieder berichten Migranten von Folter und Vergewaltigungen. Das seit Jahren von bewaffneten Machtkämpfen erschütterte Libyen ist ein zentrales Drehkreuz im Schleusergeschäft. Nach einer meist lebensgefährlichen Reise durch die Wüste kommen die Migranten im Süden Libyens an und gelangen von dort weiter an die Küste, wo sie auf seeuntauglichen Booten in Richtung Europa aufbrechen. Jedes Jahr ertrinken Hunderte. In den vergangenen Jahren haben sich außerdem die Berichte gemehrt, nach denen Kriminelle die Migranten festsetzen und foltern, um dann von deren Familien Lösegeld zu erpressen.

          Andere werden zur Sklavenarbeit gezwungen. Milizen, die in das Schleusergeschäft verwickelt sind, gehören zu den wahren Herrschern in dem zerfallenden Staat. Nach Angaben der Vereinten Nationen gehören dazu auch Brigaden, die unter dem Banner der von den UN unterstützten Regierung der Nationalen Übereinkunft aktiv sind. Vergangene Woche befasste sich der UN-Sicherheitsrat mit dem Thema. Auf Betreiben Deutschlands, Großbritanniens, der Vereinigten Staaten, Frankreichs und der Niederlande wurden Sanktionen gegen sechs Schleuserpaten diskutiert.

          Russland verzögerte die Maßnahmen. Das Land verlangt noch mehr Beweise. Eine der Personen auf der Liste ist nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP Ahmed Dabbaschi, ein Milizführer, mit dem Italien vergangenes Jahr einen Handel eingegangen war, um Überfahrten nach Europa zu stoppen. Die Übereinkunft hatte blutige Kämpfe zwischen örtlichen Banden hervorgerufen.

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