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Sarkozy in Kabul „Ein Teil des Weltfriedens steht auf dem Spiel“

20.08.2008 ·  Der französische Staatspräsident hat in Kabul den zehn bei Gefechten mit Taliban-Kämpfern gefallenen Soldaten seines Landes die letzte Ehre erwiesen. Dem afghanischen Präsidenten Karzai versicherte er, Sarkozy bedauere nicht die Entscheidung, das französische Kontingent am Hindukusch auf 2600 Soldaten aufgestockt zu haben.

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Aus Sicherheitsgründen kündigen westliche Politiker ihre Reisen nach Afghanistan meist nicht an. Doch der französische Staatspräsident Sarkozy nahm auf Gefahren keine Rücksicht, als er am Dienstag bestätigen musste, dass zehn französische Soldaten der Internationalen Schutztruppe Isaf nahe Kabul in einem Taliban-Hinterhalt „von extremer Brutalität“ umgekommen waren - umgehend reiste er nach Afghanistan, um den Truppen zu „versichern, dass Frankreich an ihrer Seite ist“.

Sarkozy erwies am Mittwoch den gefallenen Soldaten seines Landes die letzte Ehre. Dabei rief er ihre Kameraden auf, den Einsatz erhobenen Hauptes fortzusetzen. Das sei der beste Weg, das Andenken der getöteten Soldaten zu wahren. Seine Entschlossenheit sei „ungebrochen“, den „Kampf gegen den Terror, für die Demokratie und für die Freiheit“ in Afghanistan fortzusetzen. Die Franzosen waren am Montagabend östlich von Kabul in einen Hinterhalt der Taliban geraten.

Im Verlauf seines mehrstündigen Aufenthalts wurde Sarkozy auch vom afghanischen Präsidenten Hamid Karsai empfangen, der zuvor angekündigt hatte, 2009 wieder für das Präsidentenamt zu kandidieren. Sarkozy sagte, er bedauere nicht die Entscheidung, das französische Afghanistan-Kontingent um 700 auf 2600 Soldaten aufgestockt zu haben. Er würde die Entscheidung, wenn notwendig, wieder treffen. Der Einsatz der Truppen in Afghanistan sei lebenswichtig. „Ein Teil des Weltfriedens steht auf dem Spiel. Deshalb wird hier der Kampf gegen den Terrorismus geführt.“

Unliebsame Erinnerungen

Bei den für die zehn Franzosen tödlichen Gefechten, bei denen auch 21 Soldaten verletzt wurden, handelt es sich nicht nur um den verlustreichsten Schlag der Aufständischen gegen die Isaf, seit die Taliban vor drei Jahren 16 Amerikaner töteten. Es ist auch einer der schwärzesten Tage für die französische Armee der V. Republik. Verluste gleicher Größenordnung hatte sie zuletzt im November 2004 erlitten, als ivorische Regierungstruppen die Stadt Bouaké in der Elfenbeinküste bombardierten und neun französische sowie ein amerikanischer Soldat umkamen.

Erinnerungen wurden in Frankreich aber auch sogleich an jenen Tag vor 25 Jahren wach, als 58 Fallschirmjäger in Beirut einem Anschlag zum Opfer fielen. Daran hatten französische Militärs noch im Juli erinnert, weil sie es Sarkozy übelnehmen, dass er den syrischen Präsidenten Assad zur Militärparade am Nationalfeiertag auf die Tribüne geladen hatte - Syrien dürfte hinter diesem Anschlag stecken.

„Lauter Amateure“

Dieser Unmut war nur eines von vielen Zeichen für das schlechte Verhältnis zwischen dem Oberkommandierenden und der Armee. Standortschließungen stehen bevor, Investitionen werden aufgeschoben, und nach dem Amoklauf eines Soldaten in Carcassonne ließ Sarkozy wissen, die Armeeführung bestehe aus „lauter Amateuren“.

Auch deshalb dürfte sich Sarkozy rasch zu der Reise in das Einsatzland von mittlerweile 3000 französischen Soldaten entschieden haben. Hatte er als Präsidentschaftskandidat noch „Frankreichs Präsenz in diesem Teil der Welt nicht entscheidend“ genannt, bot er als Präsident der Isaf 700 zusätzliche Soldaten gleichsam als Morgengabe für die Rückkehr in die Nato an. Sie werden in der Provinz Kapisa nahe Kabul eingesetzt, wo die Aufständischen deutlich stärker sind als in der Hauptstadt selbst, in der 1800 französische Soldaten Dienst tun und Frankreich vor kurzer Zeit wieder das Regionalkommando übernommen hat, in dem es sich seit Jahren mit den Italienern abwechselt.

Gegen Sarkozys öffentlich kaum vorbereiteten Beschluss, der Nato zusätzliche Kräfte für eine heikle Mission zu stellen, regte sich im Frühjahr heftiger Protest der linken Opposition. Sie hat aber erst dann tatsächlich mitzureden, wenn die Verfassungsänderungen in Kraft treten und die Verlängerung langer Auslandseinsätze dem Parlament obliegt.

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