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Britisch-russische Krise : Ein Angriff auf den ganzen Westen

Journalisten verfolgen in Moskau die jährliche Pressekonferenz von Präsident Wladimir Putin Bild: AP

Der Ton zwischen London und Moskau verschärft sich stündlich – doch sollte niemand glauben, dass es hier nur um eine bilaterale Krise gehe. Die Tat geschah in Großbritannien. Gemeint aber waren alle im Westen. Ein Kommentar.

          Geheimdienste gestehen nie irgendetwas ein. Von daher sollte sich niemand über das beharrliche Leugnen der russischen Regierung wundern, irgendetwas mit dem Mordanschlag von Salisbury zu tun zu haben. Die britische Regierung wiederum muss sich ihrer Sache sehr sicher sein, wenn sie von den Vereinten Nationen über die Nato bis zur EU alle Institutionen von Belang mit dem Thema befasst. Und da es sich bei dem Anschlag von Salisbury um den, wie die Nato festgestellt hat, ersten offensiven Einsatz von Nervengift in der Geschichte des Bündnisses handelt, ist auch klar, dass es nicht bei papiernen Protesten bleiben kann.

          Peter Sturm

          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

          Entsprechend liest sich die Liste der Maßnahmen, die Großbritannien jetzt ergreift. Von Londons Verbündeten sollte niemand glauben, dass es hier nur um eine bilaterale Krise gehe. Die Tat geschah in Großbritannien. Gemeint aber waren alle im Westen. Zwar ist während des Wahlkampfes in Frankreich im vergangenen Jahr niemand durch russische Hand zu Schaden gekommen. Auch beim Cyberangriff auf den Deutschen Bundestag ist kein Blut geflossen. Aber der Staat, in dessen politischer Führung, so wie sie sich verhält, manche im Westen partout kein Problem sehen wollen, gibt sich schon einige Jahre alle Mühe, sich aus der internationalen Gemeinschaft auszuschließen. Erinnert sei zusätzlich an die militärische Aggression gegen Georgien und die Ukraine.

          Es ist zu erwarten, dass jetzt wieder Stimmen laut werden, die vor westlichem „Säbelrasseln“ warnen. Die Ausweisung angeblicher oder echter Diplomaten und das Aussetzen politischer Kontakte sind kein Säbelrasseln. Wirkung werden die britischen Maßnahmen aber nur dann erzielen, wenn die Verbündeten fest an der Seite Londons stehen. Dinge wie in Salisbury können jederzeit überall passieren. Über die wahrscheinlich wirkungsvollste Sanktion wird einstweilen nur verhalten gesprochen. Wieso eigentlich sollten in drei Monaten Fußballspieler aus England, Frankreich, Deutschland und anderen Ländern die Kulisse für das Spektakel Weltmeisterschaft abgeben? Ein Boykott wäre für den prestigebewussten Wladimir Putin die schwerste denkbare, aber hochverdiente Strafe.

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