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Neue Provokation : Russland widerspricht Nordkoreas Angaben über Raketentest

  • Aktualisiert am

In Südkoreas Hauptstadt Seoul sehen Passanten, darunter auch Soldaten, einen Bericht zum jüngsten Raketentest des Nordens. Bild: AP

Pjöngjang brüstet sich mit dem ersten erfolgreichen Test einer Interkontinentalrakete. Sie könne jedes Ziel auf der Welt treffen. Russland fühlt sich allerdings nicht bedroht – und äußert Zweifel.

          Russland hat nordkoreanischen Angaben über den Test einer Interkontinentalrakete widersprochen. Das Verteidigungsministerium in Moskau gehe davon aus, dass lediglich eine Mittelstreckenrakete erprobt worden sei, meldete die Nachrichtenagentur RIA am Dienstag. Das Geschoss habe demnach eine Höhe von 535 Kilometer erreicht und sei etwa 510 Kilometer weit geflogen, ehe es vor Japan ins Meer gestürzt sei. Für Russland habe der Test keine Bedrohung dargestellt.

          Das nordkoreanische Staatsfernsehen hatte zuvor berichtet, die Führung in Pjöngjang habe erstmals erfolgreich eine Interkontinentalrakete (ICBM) getestet, nämlich eine Langstreckenrakete vom Typ Hwasong-14 getestet. Sie sei 933 Kilometer weit geflogen, habe eine Höhe von 2802 Kilometern erreicht und ihr Ziel nach 39 Minuten Flugzeit genau getroffen. Jedes Ziel auf der Welt könne mit der Rakete getroffen werden, meldete das Staatsfernsehen. Der Machthaber Kim Jong-un habe den Start persönlich verfolgt.

          Zuvor hatten bereits die südkoreanischen Streitkräfte mitgeteilt, dass das Nachbarland im Westen des Landes eine ballistische Rakete abgefeuert habe, die rund 930 Kilometer in Richtung des Japanischen Meers (koreanisch: Ostmeer) geflogen sei. Südkorea schließe nicht aus, dass es eine Interkontinentalrakete gewesen sein könnte, sagte Präsident Moon Jae-in in Seoul bei einem Treffen des Nationalen Sicherheitsrats.

          Mit dem Test einer Interkontinentalrakete wäre eine neue Eskalationsstufe im Streit um Nordkoreas Atomprogramm erreicht, der als einer der gefährlichsten Konflikte weltweit gilt. Als Interkontinentalraketen gelten Raketen mit einer Reichweite von mehr als 5500 Kilometern. Sie werden üblicherweise mit Atomsprengköpfen bewaffnet und folgen nach Verlassen der Erdatmosphäre einer ballistischen Flugbahn.

          Das weithin isolierte Nordkorea arbeitet seit Jahren an solchen Raketen, die auch die Vereinigten Staaten erreichen können. Anchorage in Alaska ist 6000 Kilometer von Pjöngjang entfernt, Berlin knapp 8000 Kilometer. Der jüngste Test wurde auch als Warnsignal an die Regierung in Washington verstanden, der Nordkorea eine feindselige Politik unterstellt. Das bestreitet Washington. Der amerikanische Präsident Donald Trump hatte mehrfach mit Alleingängen in dem Konflikt gedroht und auch militärische Aktionen nicht ausgeschlossen. Nach dem jüngsten Test twitterte Trump jedoch, vielleicht werde China Maßnahmen gegen Nordkorea ergreifen, um „diesen Unsinn“ zu beenden.

          Südkorea und Japan verurteilten den jüngsten nordkoreanischen Raketentest als Provokation. UN-Resolutionen verbieten Nordkorea den Test von ballistischen Raketen. Das sind in der Regel Boden-Boden-Raketen, die je nach Bauart konventionelle, biologische, chemische oder sogar atomare Sprengköpfe ins Ziel befördern können. Das Land hat in jüngster Vergangenheit trotz immer neuer UN-Sanktionen in schneller Folge Raketen getestet.

          China warnt vor Eskalation

          Chinas Botschafter bei den Vereinten Nationen warnte kurz vor dem jüngsten Zwischenfall vor möglichen „katastrophalen“ Folgen einer weiteren Eskalation der Krise mit Nordkorea. Liu Jieyi sagte am Montag in New York, der Konflikt könne „außer Kontrolle geraten“, wenn es nicht gelinge, die Spannungen abzubauen. „Derzeit sind die Spannungen hoch und wir würden gewiss gern eine Deeskalation sehen“, sagte der Diplomat einen Tag nach einem Telefonat zwischen dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping und Amerikas Präsident Donald Trump unter anderem über das nordkoreanische Atomprogramm. Am Morgen fragte der amerikanische Präsident auf Twitter, ob Kim Jong-un, „dieser Typ“, nichts Besseres mit seinem Leben anzufangen wisse.

          Verstorbener Student : Video soll Warmbier im nordkoreanischem Hotel zeigen

          Abgesehen von den Raketentests wurden die Spannungen mit Washington zuletzt durch den Tod des amerikanischen Studenten Otto Warmbier weiter verschärft. Der 22 Jahre alte Student fiel in nordkoreanischer Haft ins Koma und starb kurz nach seiner Rückkehr in die Vereinigten Staaten.

          Trump hatte Ende Juni bei einem Besuch des neuen südkoreanischen Staatschefs Moon gesagt, die Geduld mit Pjöngjang „ist am Ende“. Die Vereinigten Staaten bereiteten zusammen mit Südkorea, Japan und anderen Verbündeten neue Sanktionen vor. Man setzt nach Angaben aus der Regierung jedoch zunächst weiterhin darauf, Nordkorea mit diplomatischem und wirtschaftlichen Druck zum Einlenken zu bewegen.

          China befürwortet ebenfalls einen diplomatischen Ansatz, um Pjöngjang zu einem Abbau seines Atomprogramms zu bewegen. Washington macht einen Stopp der Atom- und Raketentests durch Nordkorea allerdings zu einer Vorbedingung für Gespräche mit der Führung in Pjöngjang.

          Quelle: Reuters/dpa

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