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Attacke auf Stromversorgung : Russland startet Cyberangriffe gegen Großbritannien

Russland soll aktiv versucht haben, sich in die britische Stromversorgung zu hacken, so ein Nachrichtendienst. Bild: AFP

Russland soll aktiv versucht haben, in die britische Stromversorgung einzudringen, berichtet ein Nachrichtendienst. Auch beim Brexit-Referendum hatte Moskau wohl seine Finger im Spiel.

          Dass die amerikanische Präsidentenwahl aus Russland beeinflusst wurde, wird von den amerikanischen Nachrichtendiensten bestätigt. Auch russische Kampagnen vor den Wahlen in Frankreich und den Niederlanden sind bekannt. Nun berichtet auch Großbritannien von direkten Attacken aus Russland. Wie Ciaran Martin, Chef des britischen National Cyber Security Centre, einer Abteilung des Nachrichtendienstes GCHQ, am Mittwoch in London sagte, sei Russland in die britische Stromversorgung eingedrungen. Ziel der Russen seien auch große britische Telekommunikationsfirmen gewesen, so Martin. Einige Angriffe auf britische Medien seien sogar erfolgreich gewesen und hätten deren Websites lahmgelegt.

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Wie Martin berichtet, nimmt man in London an, dass von Russland unterstütze Hacker versucht haben, in die Stromversorgung einzudringen, ohne Alarm auszulösen und dort zu warten. Der Schaden sollte dann zu einem späteren Zeitpunkt angerichtet werden. „Ich kann keine präzisen Details über Geheimdienstangelegenheiten geben, aber ich kann bestätigen, dass russische Störungen, die vom National Cyber Security Centre im vergangen Jahr registriert wurden, Angriffe auf britische Medien, Telekommunikation und Energieversorgung beinhalten“, sagte Martin. „Russland versucht das internationale System zu untergraben. Das ist klar.“

          Außerdem wurde am Mittwoch bekannt, dass Russland auch massiv versucht haben soll, die Abstimmung über das Ausscheiden Großbritanniens aus der Europäischen Union zu beeinflussen. Besonders auf Twitter habe es eine Flut von EU-kritischen und pro-Brexit-Beiträgen gegeben, berichten die englischen Zeitungen „Times“ und „Guardian“.

          Die „Times“ beruft sich auf eine Untersuchung der Universitäten Swansea und Berkeley. Demnach haben mehr als 150.000 Nutzer in nur 48 Stunden rund 45.000 Tweets abgesetzt, die sich mit dem Referendum beschäftigten. Die Aktivitäten seien am 23. (dem Tag des Referendums) und am 24. Juni am höchsten gewesen, nachdem auf den Accounts vorher nur weniger als 1000 Tweets pro Tag veröffentlicht wurden. Allein am 24. Juni, dem Tag, als das Ergebnis verkündet wurde, hätten die Accounts 39.000 Kurznachrichten in die Welt geschickt, berichtet die Zeitung. Danach seien die Accounts fast vollständig verstummt.

          Bots, Cyborgs und Trolle

          Wissenschaftler der City-Universität in London wiederum haben dem Bericht zufolge ein Netzwerk von 13.493 Accounts entdeckt, das 65.000 Tweets über das Referendum abgesetzt haben soll, nachdem es vorher fast völlig inaktiv gewesen sei. Teilweise hätten die Accounts angegeben, in Großbritannien beheimatet zu sein. Wie die „Times“ berichtet, seien die Anzeichen jedoch hoch, dass es sich um russische Accounts handelt.

          Twitter selbst hat im vergangenen Monat 2752 Accounts in den Vereinigten Staaten identifiziert und abgeschaltet, die das Unternehmen als russische Fake-Accounts bezeichnete. In den meisten Fällen handelte es sich um Nutzerkonten, die vorgeblich Amerikanern gehörten, aber wohl aus Russland gesteuert wurden. Forscher der Universität Edinburgh haben laut „Guardian“ unter diesen Konten wiederum 419 entdeckt, die sich mit dem Brexit-Referendum befassten. Laura Cram, Professorin in Edinburgh, sagte dem „Guardian“, dass diese Accounts 3468 Nachrichten über den Brexit abgesetzt hätten. Die meisten seien nach der Abstimmung geschrieben worden, so Cram. Der Inhalt sei „sehr chaotisch“. Die Nachrichten zielten nicht nur auf den Brexit, sondern vielmehr auf eine weitergehende Störung. „Es gibt keine ganz klare Stoßrichtung“, so Cram, „wir sehen auch viel über Flüchtlinge und Immigration.“

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