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Rußland Rybkin wieder aufgetaucht

10.02.2004 ·  Der seit Tagen verschwundene russische Präsidentschaftskandidat Iwan Rybkin befindet sich nach Angaben seines Wahlkampfteams unversehrt in Kiew und wird nach Moskau zurückkehren.

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Der seit Tagen verschwundene russische Präsidentschaftskandidat Iwan Rybkin befindet sich nach Angaben seines Wahlkampfteams in Kiew und wird am Dienstag abend nach Moskau zurückkehren. Das sagte ein Sprecher des Teams am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. Rybkin war seit
Donnerstag spurlos verschwunden.

Der Wahlkampf für die russische Präsidentenwahl am 14. März wurde nicht nur durch die schweren Anschläge in Moskau, sondern auch das mysteriöse Verschwinden des (allerdings chancenlosen) Herausforderers von Wladimir Putin überschattet. Iwan Rybkin hatte sich seit vier Tagen nicht bei seiner Familie gemeldet, blieb einer vereinbarten Pressekonferenz fern und war über sein Mobiltelefon nicht erreichbar.

Verschwinden selbst inszeniert?

Zunächst war unklar, ob Rybkin Ziel eines Anschlages wurde oder sein Verschwinden selbst inszenierte. In Rußland werden jährlich rund 10.000 Menschen als vermißt gemeldet. Nur wenige finden jedoch in den Medien so große Beachtung wie Rybkin. Der Präsidentschaftskandidat kann auf eine lange politische Karriere verweisen: Er war unter Präsident Boris Jelzin nationaler Sicherheitschef, war Präsident des Unterhauses, nahm 2002 an den gescheiterten Verhandlungen mit den tschetschenischen Rebellen teil und gilt als enger Vertrauter des Milliardärs und Kreml-Kritikers Boris Beresowski.

Es hieß, Rybkin sei zuletzt am vergangenen Donnerstag vor seinem Haus in Moskau gesehen worden, wie der stellvertretende Vorsitzende der von Beresowski finanzierten Partei Liberales Rußland, Alexander Rukajew, erklärte hatte. Am Samstag verpaßte er seine offizielle Registrierung als Präsidentschaftskandidat. Seine Ehefrau Albina hatte mittlerweile eine Vermißtenanzeige aufgegeben. Die Staatsanwaltschaft eröffnete am Montag ein Ermittlungsverfahren wegen Mordes, stellte es jedoch gleich wieder ein. Es gebe keine Hinweise auf ein Verbrechen, hieß es.

Kritiker Putins

Die meisten Beobachter gingen von drei Möglichkeiten aus: Das Verschwinden könnte aus politischen Gründen inszeniert worden sein sein, Rybkin war Opfer einer Intrige innerhalb der Partei, oder er Ziel einer politisch motivierten Attacke der russischen Geheimdienste. Seinen Wahlkampf hatte Rybkin vor einigen Tagen mit einem Angriff auf Putin eröffnet. In der Zeitung „Kommersant“ warf er dem Präsidenten vor, Rußlands letzter mächtiger Oligarch zu sein und seine Macht auf der Verbreitung von Furcht aufgebaut zu haben. Putin zerstöre praktisch die Verfassung und stürze Rußland wieder in die Dunkelheit. Rybkin erklärte, er habe Beweise für Putins Verbindungen zur Industrie.

Trotzdem stellte der Herausforderer für den Präsidenten politisch keine Gefahr dar. Rybkin kam in Umfragen auf weniger als ein Prozent der Stimmen. Der Analyst Nikolai Petrow vom Moskauer Carnegie Center sagte, der Kandidat könne Putin kaum schaden können. „Der Kreml hätte durch sein Verschwinden nichts gewonnen“, erklärte er. „Wenn sie ihn zum schweigen hätten bringen wollen, wäre es einfacher gewesen, seinen Namen vom Wahlzettel zu entfernen.“

Angriffe auf Politiker

Das Verschwinden Rybkins rief in Rußland Erinnerungen an die Morde an zwei ranghohen Mitgliedern von Liberales Rußland innerhalb von 18 Monaten wach. Der Kreml-Kritiker Sergej Juschenkow wurde im April vor seiner Wohnung in Moskau erschossen. Die Staatsanwaltschaft beschuldigte den Anführer einer rivalisierenden Gruppe innerhalb der Partei, den Mord als Teil eines Machtkampfes organisiert zu haben. Drei Komplizen sollen die Tat nach Medienberichten inzwischen gestanden haben. Im August 2002 war Wladimir Golowljow erschossen worden. Auch diese Tat soll politisch motiviert gewesen sein. Es wurde jedoch auch angedeutet, der Mord könne mit Golowljows Rolle bei einem Betrugsfall in Zusammenhang stehen.

Beresowski beschuldigte am Montag indirekt die Geheimdienste, etwas über Rybkins Verschwinden zu wissen. Beobachter zeigten sich beunruhigt über solche Vorkommnisse. „In Rußland existiert eine politische Landschaft, in der Angriffe auf Politiker verübt werden und die Öffentlichkeit das nicht wahrnimmt“, sagte die Politikexpertin Lilija Schewtsowa.

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