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Rußland Putin macht Tschetschenen für Terroranschlag verantwortlich

06.02.2004 ·  Der russische Präsident hat den tschetschenischen Rebellenanführer Maschadow für den Anschlag auf die Moskauer Metro verantwortlich gemacht, bei dem mindestens 39 Menschen ums Leben gekommen sind.

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Der russische Präsident Wladimir Putin hat den tschetschenischen Rebellenanführer Aslan Maschadow für den Anschlag auf die vollbesetzte Moskauer U-Bahn mit Dutzenden Toten verantwortlich gemacht. „Wir brauchen keine indirekte Bestätigung. Wir wissen mit Sicherheit, daß Maschadow und seine Banditen in Verbindung zu diesem Terrorismus stehen", sagte Putin am Freitag der Nachrichtenagentur Interfax. Im morgendlichen Berufsverkehr hatte sich vermutlich eine Selbstmordattentäterin in einem Wagon der Moskauer Metro in die Luft gesprengt.

„Das ist die Pest des 21. Jahrhunderts“, sagte Putin in einer ersten Reaktion. Ein Sprecher von Maschadow verurteilte allerdings den Anschlag. Rebellen aus der abtrünnigen russischen Kaukasusrepublik Tschetschenien wurden wiederholt für Bombenanschläge in Rußland verantwortlich gemacht. Die Nachrichtenagentur Itar-Tass zitierte Putin mit der Einschätzung, seine Gegner wollten den Tschetechenien-Konflikt für den Präsidentschaftswahlkampf instrumentalisieren und „das derzeitige Staatsoberhaupt unter Druck setzen". Putin stellt sich am 14. März der Wiederwahl.

„Nicht verhandeln, sondern vernichten

Am Rande eins Treffens mit dem aserbaidschanischen Staatschef Alijew erteilte Putin Forderungen nach Verhandlungen mit den Rebellen zur Beilegung des Tschetschenien-Konflikts abermals eine Absage. „Rußland verhandelt nicht mit Terroristen, es vernichtet sie“, sagte er im Fernsehen.

Bei dem Anschlag sind nach vorläufigen Angaben des russischen Innenministeriums mindestens 39 Menschen getötet und 122 weitere verletzt worden. Diese Zahlen nannte der stellvertretende Innenminister Alexander Tschekalin. Die Detonation ereignete sich gegen 8.40 Uhr (Ortszeit) während des täglichen Berufsverkehrs zwischen den Stationen Awtosawodskaja und Paweletskaja in Richtung Stadtzentrum. Die Bombe detonierte im zweiten Wagen einer U-Bahn, nachdem der Zug die Station Awtosawodskaja im Südosten Moskaus verlassen hatte, wie Polizeisprecher Kirill Masurin dem Fernsehsender NTW sagte. Danach sei die Bahn noch ungefähr 500 Meter weiter gefahren.

Fünf Kilogramm TNT

Die Bombe hatte offiziellen Angaben zufolge eine Sprengkraft von fünf Kilogramm TNT. Der Sprengsatz sei in einem Rucksack oder Koffer versteckt gewesen, sagte der stellvertretende Moskauer Bürgermeister Waleri Schantsew. Interfax meldete unter Berufung auf Polizeikreise, es existiere ein Video von Überwachungskameras, auf dem die mutmaßliche Selbstmordattentäterin und ein Komplize kurz vor dem Besteigen des Zuges auf dem Bahnsteig zu sehen seien.

Sicherheitskräfte schlossen nicht aus, daß die Bombe beim Transport vorzeitig detoniert sei. Der Parlamentsabgeordnete Waleri Draganow, der den Bezirk Awtosawodskaja vertritt, sagte dem Radiosender Echo Moskau, entlang der Schienen lägen Leichenteile. In dem völlig zerstörten Waggon säßen Tote noch auf den Sitzen. Eine Frau mit blutverschmiertem Gesicht sagte dem Fernsehsender NTW, noch längere Zeit nach der Explosion sei es den Passagieren nicht möglich gewesen, die Türen der U-Bahn-Waggons zu öffnen. Nachdem die Türen endlich offen gewesen seien, sei sie eine lange Strecke durch den Tunnel gelaufen.

Die Passagiere wurden nach Angaben eines Sprechers des Ministeriums für Notfälle durch einen Tunnel zu einer mehrere hundert Meter entfernt gelegenen U-Bahn-Station in Sicherheit gebracht. Die Polizei sperrte nach dem Anschlag zwei U-Bahn-Stationen ab, die dem Explosionsort am nächsten lagen. Mehr als 700 Menschen wurden aus dem mit Rauch gefüllten Tunnel in Sicherheit gebracht.

Schwere Anschläge in den vergangenen Monaten

Nach der russischen Parlamentswahl hatte sich am 9. Dezember eine Selbstmordattentäterin vor dem Hotel National in direkter Nähe des Kreml in die Luft gesprengt und fünf Menschen mit in den Tod gerissen. Wenige Tage zuvor waren bei einem Attentat auf einen Pendlerzug im Süden Rußlands mehr als vierzig Menschen ums Leben gekommen.

In beiden Fällen vermuteten die russischen Behörden tschetschenische Rebellen als Drahtzieher. Auch 2002 waren Moskau und andere russische Städte Ziel mehrerer Anschläge, bei denen insgesamt rund 170 Menschen getötet wurden.

Quelle: @cop mit Material von dpa, AP, AFP und Reuters
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