http://www.faz.net/-gpf-73sjy
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 22.10.2012, 16:28 Uhr

Russland Pussy-Riot-Sängerinnen in Arbeitslager gebracht

Die zu Haftstrafen verurteilten Sängerinnen der russischen Punkband „Pussy Riot“ sind in Arbeitslager gebracht worden. Wo genau sie inhaftiert werden, blieb unklar. Die Angehörigen wurden nicht vorab informiert.

© AFP Die beiden jungen Mütter Maria Alechina (links) und Nadeschda Tolokonnikowa (rechts) wurden jeweils zu zwei Jahren Arbeitslager verurteilt.

Die zwei verurteilten Sängerinnen der russischen Punkband „Pussy Riot“ sind ohne Wissen ihrer Angehörigen in ein Arbeitslager gebracht worden. Beide Frauen seien bereits am Samstag aus der Haftanstalt in Moskau weggeschafft worden, am Montag waren sie noch unterwegs in den Ural, sagte ihre Anwältin am Montag. Wo genau sie inhaftiert werden, blieb unklar.

Nadeschda Tolokonnikowa sei in ein Lager in der Region Mordowia etwa 640 Kilometer östlich von Moskau gebracht worden, sagte die Anwältin. Ihre Bandkollegin Maria Alechina werde in der etwa 1400 Kilometer entfernten Region Perm interniert. Die Angehörigen der Frauen wussten erst von deren Verlegung, als sie ihnen Pakete in das Gefängnis in Moskau bringen wollten, in dem sie zuletzt inhaftiert waren.

Pussy-Riot-Unterstützer sprechen von „Höllenlager“

Unterstützer von Pussy Riot sprachen im Kurzmitteilungsdienst Twitter von den „schlimmstmöglichen Camps“, die für die Frauen ausgesucht worden seien. Die 22 Jahre alte Tolokonnikowa hat eine vier Jahre alte Tochter, die 24 Jahre alte Alechina einen fünf Jahre alten Sohn. Ihre Bitte um einen Aufschub ihrer Strafe, bis ihre Kinder älter sind, wurde abgewiesen.

Russlands Arbeitslager sind für ihre harten Bedingungen bekannt. Die mit „Pussy Riot“ eng verbundene Künstlergruppe „Woina“ (Krieg) bezeichnete Mordowia auf Twitter als „Höllenlager“. Bereits unter Diktator Stalin gab es dort in den 1930er und 1940er Jahren Arbeitslager. Im Winter können die Temperaturen im Ural auf bis zu minus 50 Grad Celsius sinken.

Deutsch-Franzoesischer Wirtschaftstag © dapd Vergrößern Bundesregierung verteidigt Russland-Beauftragten Andreas Schockenhoff (CDU).

Derweil hat sich die Bundesregierung hinter ihren Russland-Beauftragten Andreas Schockenhoff (CDU) gestellt und Vorwürfe aus Moskau ungewöhnlich deutlich zurückgewiesen. Moskau hatte Schockenhoff nach Kritik an der Justiz des Landes als Russland-Beauftragten abgelehnt und erklärt, der CDU-Politiker habe sich mehrfach verleumderisch geäußert. Dies lasse an seiner Kompetenz zweifeln. „Diese Unterstellungen sind natürlich zurückzuweisen. Nicht jedes offene Wort, nicht jede sachliche Kritik ist Verleumdung“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin.

Seibert betonte, Schockenhoff spreche für die Bundesregierung. „Beauftragte der Bundesregierung werden durch diese selbst berufen und nicht durch Stellen im Ausland.“ Es habe Äußerungen aus dem russischen Außenministerium gegeben, „die bei uns für Verwunderung gesorgt haben. Und diese Verwunderung hat die Bundesregierung ihrerseits dem russischen Außenministerium übermittelt.“

Ein Sprecher des russischen Außenministeriums hatte in der vergangenen Woche gesagt, Moskau betrachte Schockenhoff nicht als offiziellen Vertreter, der sich im Namen der Bundesregierung zu deutsch-russischen Beziehungen äußern dürfe. Schockenhoff ist seit dem Jahr 2006 Koordinator des Auswärtigen Amtes für die deutsch-russische Zusammenarbeit. Er hatte zuletzt immer wieder etwa das Vorgehen der russischen Justiz gegen die kremlkritische Punkband Pussy Riot oder Regierungsgegner kritisiert.

Mehr zum Thema

Quelle: dpa/AFP

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Cas-Urteil bestätigt Russlands Sportler bleiben bei Paralympics gesperrt

Der Einspruch war vergeblich: Russlands Sportler bleiben wegen systematischen Dopings für die Paralympics in Rio gesperrt. Mehr

31.08.2016, 17:38 Uhr | Sport
Gaza-Streifen Sänger wird mit Katzen-Song zu Internetsensation

Der 32 Jahre alte Adel Meshoukhi ist Sänger, Komiker und eine Internetsensation – zumindest im Gaza-Streifen. Mit einem Song über Katzen hat er den Nerv der Menschen in Gaza getroffen. Sein YouTube-Video wurde bereits tausendfach geteilt. Mehr

31.08.2016, 09:16 Uhr | Gesellschaft
Kampfpilotin Nadija Sawtschenko Mit Ambitionen aus dem russischen Casting-Knast

Sie war Kampfpilotin, in Gefangenschaft, in russischer Haft und im Hungerstreik. In der Ukraine ist Nadija Sawtschenko ein Popstar. Und will Präsident werden Mehr Von Anna Prizkau

29.08.2016, 11:05 Uhr | Feuilleton
New York Beyoncé räumt bei den MTV Video Music Awards ab

Bei den MTV Video Music Awards 2016, die im New Yorker Madison Square Garden zelebriert wurden, war Beyoncé die große Gewinnerin des Abends. Die Sängerin bekam insgesamt acht Auszeichnungen - unter anderem für das beste Video. Mehr

29.08.2016, 15:49 Uhr | Feuilleton
Karimow schwer erkrankt Wer herrscht in Usbekistan nach dem Despoten?

Widersprüchliche Berichte gibt es über das Schicksal des usbekischen Autokraten Islam Karimow. Lebt er, ist er tot? In jedem Fall stellt sich die Frage der Nachfolge dringlicher denn je. Mehr Von Friedrich Schmidt, Moskau

31.08.2016, 13:49 Uhr | Politik

Recht im Zirkus

Von Reinhard Müller

Der Bundesjustizminister will die Justiz der Öffentlichkeit näher bringen und Übertragungen von Prozessen ermöglichen. Das wird zu einer Live-Justiz führen – mit Showmastern, Clowns und Opfern. Mehr 35 66