Home
http://www.faz.net/-gq5-73sjy
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Russland Pussy-Riot-Sängerinnen in Arbeitslager gebracht

Die zu Haftstrafen verurteilten Sängerinnen der russischen Punkband „Pussy Riot“ sind in Arbeitslager gebracht worden. Wo genau sie inhaftiert werden, blieb unklar. Die Angehörigen wurden nicht vorab informiert.

© AFP Vergrößern Die beiden jungen Mütter Maria Alechina (links) und Nadeschda Tolokonnikowa (rechts) wurden jeweils zu zwei Jahren Arbeitslager verurteilt.

Die zwei verurteilten Sängerinnen der russischen Punkband „Pussy Riot“ sind ohne Wissen ihrer Angehörigen in ein Arbeitslager gebracht worden. Beide Frauen seien bereits am Samstag aus der Haftanstalt in Moskau weggeschafft worden, am Montag waren sie noch unterwegs in den Ural, sagte ihre Anwältin am Montag. Wo genau sie inhaftiert werden, blieb unklar.

Nadeschda Tolokonnikowa sei in ein Lager in der Region Mordowia etwa 640 Kilometer östlich von Moskau gebracht worden, sagte die Anwältin. Ihre Bandkollegin Maria Alechina werde in der etwa 1400 Kilometer entfernten Region Perm interniert. Die Angehörigen der Frauen wussten erst von deren Verlegung, als sie ihnen Pakete in das Gefängnis in Moskau bringen wollten, in dem sie zuletzt inhaftiert waren.

Pussy-Riot-Unterstützer sprechen von „Höllenlager“

Unterstützer von Pussy Riot sprachen im Kurzmitteilungsdienst Twitter von den „schlimmstmöglichen Camps“, die für die Frauen ausgesucht worden seien. Die 22 Jahre alte Tolokonnikowa hat eine vier Jahre alte Tochter, die 24 Jahre alte Alechina einen fünf Jahre alten Sohn. Ihre Bitte um einen Aufschub ihrer Strafe, bis ihre Kinder älter sind, wurde abgewiesen.

Russlands Arbeitslager sind für ihre harten Bedingungen bekannt. Die mit „Pussy Riot“ eng verbundene Künstlergruppe „Woina“ (Krieg) bezeichnete Mordowia auf Twitter als „Höllenlager“. Bereits unter Diktator Stalin gab es dort in den 1930er und 1940er Jahren Arbeitslager. Im Winter können die Temperaturen im Ural auf bis zu minus 50 Grad Celsius sinken.

Deutsch-Franzoesischer Wirtschaftstag © dapd Vergrößern Bundesregierung verteidigt Russland-Beauftragten Andreas Schockenhoff (CDU).

Derweil hat sich die Bundesregierung hinter ihren Russland-Beauftragten Andreas Schockenhoff (CDU) gestellt und Vorwürfe aus Moskau ungewöhnlich deutlich zurückgewiesen. Moskau hatte Schockenhoff nach Kritik an der Justiz des Landes als Russland-Beauftragten abgelehnt und erklärt, der CDU-Politiker habe sich mehrfach verleumderisch geäußert. Dies lasse an seiner Kompetenz zweifeln. „Diese Unterstellungen sind natürlich zurückzuweisen. Nicht jedes offene Wort, nicht jede sachliche Kritik ist Verleumdung“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin.

Seibert betonte, Schockenhoff spreche für die Bundesregierung. „Beauftragte der Bundesregierung werden durch diese selbst berufen und nicht durch Stellen im Ausland.“ Es habe Äußerungen aus dem russischen Außenministerium gegeben, „die bei uns für Verwunderung gesorgt haben. Und diese Verwunderung hat die Bundesregierung ihrerseits dem russischen Außenministerium übermittelt.“

Ein Sprecher des russischen Außenministeriums hatte in der vergangenen Woche gesagt, Moskau betrachte Schockenhoff nicht als offiziellen Vertreter, der sich im Namen der Bundesregierung zu deutsch-russischen Beziehungen äußern dürfe. Schockenhoff ist seit dem Jahr 2006 Koordinator des Auswärtigen Amtes für die deutsch-russische Zusammenarbeit. Er hatte zuletzt immer wieder etwa das Vorgehen der russischen Justiz gegen die kremlkritische Punkband Pussy Riot oder Regierungsgegner kritisiert.

Mehr zum Thema

Quelle: dpa/AFP

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Rebecca Harms Moskau verbietet Grünen-Politikerin Einreise

Ihre Einreise sei ein krimineller Akt - mit dieser Begründung ist Rebecca Harms am Moskauer Flughafen abgewiesen worden. Sie wollte als Beobachterin an einem Mordprozess gegen eine ukrainische Pilotin teilnehmen. Mehr

25.09.2014, 23:33 Uhr | Politik
Statue zu Ehren von Amy Winehouse

Musikliebhabern ist sie unvergessen: Amy Winehouse. Seit Sonntag erinnert eine Statue an die britische Sängerin. An diesem Tag wäre das Talent 31 Jahre alt geworden. Neben Fans waren auch Angehörige bei der Zeremonie in Camden im Norden Londons anwesend. Mehr

15.09.2014, 10:22 Uhr | Gesellschaft
Ukraine-Krise Kiew ermittelt gegen russische Beamte

In Kiew wurden Ermittlungen gegen russische Beamte eingeleitet. Das Verfahren kommt nachdem in Moskau wiederum Ermittlungen wegen Völkermordes an der russischsprachigen Bevölkerung in der Ostukraine begonnen hatten. Mehr

30.09.2014, 12:18 Uhr | Politik
Pro-russische Proteste in der Ostukraine

Moskautreue Kräfte haben im Osten der Ukraine staatliche Gebäude gestürmt. Sie fordern ein Referendum über den Beitritt zu Russland - so wie auf der Krim. Der tschechische Präsident Zeman warnt Moskau und droht mit dem Einsatz von Nato-Soldaten. Mehr

07.04.2014, 09:17 Uhr | Politik
Konflikt in der Ostukraine Tausende demonstrieren in Moskau für Frieden

Bei einem Friedensmarsch in Moskau haben Tausende Demonstranten den russischen Präsidenten Wladimir Putin aufgefordert, den Konflikt im Osten der Ukraine sofort zu beenden. Bei Verhandlungen zwischen den Konfliktparteien zeigten sich unterdessen Fortschritte. Mehr Von Ann-Dorit Boy, Moskau

21.09.2014, 17:40 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 22.10.2012, 16:28 Uhr

Unrechtsstaat

Von Reinhard Müller

Im Zuge der Regierungsbildung in Thüringen wird 25 Jahre nach dem Fall der Mauer wieder eine Frage debattiert, die eigentlich eine rhetorische ist: War die DDR ein Unrechtsstaat? Mehr 16 36