http://www.faz.net/-gpf-6zo9m

Russland : In Moskau wieder Gewalt gegen Demonstranten

  • Aktualisiert am

Festnahme russischer Art: Moskau am Sonntag Bild: REUTERS

Am Vorabend der Amtseinführung von Präsident Putin sind die Sicherheitskräfte in Moskau mit massiver Gewalt gegen eine genehmigte Demonstration mit 50.000 bis 70.000 Teilnehmern vorgegangen. Etwa 400 Menschen wurden festgenommen.

          Die russischen Sicherheitskräfte sind am Sonntag in Moskau mit massiver Gewalt gegen eine genehmigte Demonstration mit 50.000 bis 70.000 Teilnehmern vorgegangen. Etwa 400 Menschen wurden festgenommen, unter ihnen die Oppositionsführer Aleksej Nawalnyj, Sergej Udalzow und Boris Nemzow. Die Demonstration am Vortag der Amtseinführung von Präsident Wladimir Putin richtete sich gegen Fälschungen bei der Präsidentenwahl im März.

          Die Auseinandersetzungen begannen, als die Menschenmenge kurz vor dem Abschluss des genehmigten Demonstrationszugs auf große Einheiten der Sicherheitskräfte stieß, unter ihnen Soldaten des Innenministeriums mit schwerem Gerät. Dieser Aufmarsch entlang der Demonstrationsstrecke wurde von der Menge als Provokation empfunden; ein Teil zog darauf nicht weiter zum Bolotnaja-Platz, wo die Abschlusskundgebung stattfinden sollte, sondern drängte auf eine Brücke, die in Richtung Kreml führt. Auf dem Bolotnaja-Platz hatte auch die erste erlaubte Großkundgebung gegen die Fälschung der Duma-Wahl im Dezember stattgefunden.

          Auch Kundgebung von 30.000 Anhängern Putins

          Auf Aufforderungen der Sicherheitskräfte, sich zu zerstreuen, antwortete die Menge mit Sprechchören „Stehenbleiben!“. Unter rhythmischem Klatschen versuchten einige Demonstranten, einen Polizeikordon zu durchbrechen. Einige Demonstranten, offenbar Anhänger anarchistischer Gruppierungen, warfen Steine, Flaschen und Feuerwerkskörper auf die Polizisten. Nach Polizeiangaben wurde ein Reporter des staatlich kontrollierten Fernsehsenders NTW von Demonstranten verprügelt.

          Sondereinheiten der Sicherheitskräfte begannen daraufhin, die Menge in verschiedene Segmente zu zerteilen und prügelten auf Demonstranten ein. Am Abend befanden sich noch immer einige Tausend Menschen auf dem Bolotnaja-Platz und versuchten dort, Zelte aufzustellen. Am späten Abend war der Platz von Demonstranten geräumt. Gruppen von Demonstranten versuchten zudem, auf den von den Sicherheitskräften abgesperrten Manegenplatz vorzudringen.

          Schon vor Beginn der Demonstration hatten die Behörden versucht, die Proteste zu behindern. So waren Metrostationen in Fußweite der Demonstrationsstrecke mit der Begründung geschlossen worden, es seien Vorbereitungen für die Parade zum Gedenken an den Sieg im Zweiten Weltkrieg am 9. Mai nötig. Busse mit Putin-Anhängern sollen auf dem Weg nach Moskau von der Polizei an der Weiterfahrt gehindert worden sein. Gleichzeitig mit der Demonstration der Opposition fand in Moskau eine Kundgebung von etwa 30.000 Anhängern Putins statt.

          Weitere Themen

          Kein Fortschritt bei Gipfeltreffen erkennbar Video-Seite öffnen

          EU tritt auf der Stelle : Kein Fortschritt bei Gipfeltreffen erkennbar

          Die EU scheint bei der Bewältigung ihrer beiden größten Herausforderungen auf der Stelle zu treten: dem Brexit und der Flüchtlingsfrage. Beim EU-Gipfel in Salzburg beharrten Großbritannien und die anderen Mitgliedstaaten auf ihren Positionen und auch bei der Frage der Flüchtlingsverteilung war keine Einigung in Sicht.

          Wenn der Bauch regiert

          SPD im Krisenmodus : Wenn der Bauch regiert

          Die SPD-Mitglieder wollen sich nicht länger von Seehofer vorführen lassen. Auch vielen Befürwortern der großen Koalition reicht es. Andrea Nahles hat die Wut unterschätzt.

          Merkel spricht ein deutliches Machtwort Video-Seite öffnen

          Unruhe beim EU-Gipfel : Merkel spricht ein deutliches Machtwort

          Eigentlich hatte die Kanzlerin in Salzburg über das Vorankommen des informellen EU-Gipfels berichten wollen. Dann aber fielen offenbar Übersetzungen aus. Unter den anwesenden Medienvertretern brach Unruhe aus – bis Merkel dem ein Ende setzte.

          Topmeldungen

          SPD im Krisenmodus : Wenn der Bauch regiert

          Die SPD-Mitglieder wollen sich nicht länger von Seehofer vorführen lassen. Auch vielen Befürwortern der großen Koalition reicht es. Andrea Nahles hat die Wut unterschätzt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.