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Russland : In Moskau wieder Gewalt gegen Demonstranten

  • Aktualisiert am

Festnahme russischer Art: Moskau am Sonntag Bild: REUTERS

Am Vorabend der Amtseinführung von Präsident Putin sind die Sicherheitskräfte in Moskau mit massiver Gewalt gegen eine genehmigte Demonstration mit 50.000 bis 70.000 Teilnehmern vorgegangen. Etwa 400 Menschen wurden festgenommen.

          Die russischen Sicherheitskräfte sind am Sonntag in Moskau mit massiver Gewalt gegen eine genehmigte Demonstration mit 50.000 bis 70.000 Teilnehmern vorgegangen. Etwa 400 Menschen wurden festgenommen, unter ihnen die Oppositionsführer Aleksej Nawalnyj, Sergej Udalzow und Boris Nemzow. Die Demonstration am Vortag der Amtseinführung von Präsident Wladimir Putin richtete sich gegen Fälschungen bei der Präsidentenwahl im März.

          Die Auseinandersetzungen begannen, als die Menschenmenge kurz vor dem Abschluss des genehmigten Demonstrationszugs auf große Einheiten der Sicherheitskräfte stieß, unter ihnen Soldaten des Innenministeriums mit schwerem Gerät. Dieser Aufmarsch entlang der Demonstrationsstrecke wurde von der Menge als Provokation empfunden; ein Teil zog darauf nicht weiter zum Bolotnaja-Platz, wo die Abschlusskundgebung stattfinden sollte, sondern drängte auf eine Brücke, die in Richtung Kreml führt. Auf dem Bolotnaja-Platz hatte auch die erste erlaubte Großkundgebung gegen die Fälschung der Duma-Wahl im Dezember stattgefunden.

          Auch Kundgebung von 30.000 Anhängern Putins

          Auf Aufforderungen der Sicherheitskräfte, sich zu zerstreuen, antwortete die Menge mit Sprechchören „Stehenbleiben!“. Unter rhythmischem Klatschen versuchten einige Demonstranten, einen Polizeikordon zu durchbrechen. Einige Demonstranten, offenbar Anhänger anarchistischer Gruppierungen, warfen Steine, Flaschen und Feuerwerkskörper auf die Polizisten. Nach Polizeiangaben wurde ein Reporter des staatlich kontrollierten Fernsehsenders NTW von Demonstranten verprügelt.

          Sondereinheiten der Sicherheitskräfte begannen daraufhin, die Menge in verschiedene Segmente zu zerteilen und prügelten auf Demonstranten ein. Am Abend befanden sich noch immer einige Tausend Menschen auf dem Bolotnaja-Platz und versuchten dort, Zelte aufzustellen. Am späten Abend war der Platz von Demonstranten geräumt. Gruppen von Demonstranten versuchten zudem, auf den von den Sicherheitskräften abgesperrten Manegenplatz vorzudringen.

          Schon vor Beginn der Demonstration hatten die Behörden versucht, die Proteste zu behindern. So waren Metrostationen in Fußweite der Demonstrationsstrecke mit der Begründung geschlossen worden, es seien Vorbereitungen für die Parade zum Gedenken an den Sieg im Zweiten Weltkrieg am 9. Mai nötig. Busse mit Putin-Anhängern sollen auf dem Weg nach Moskau von der Polizei an der Weiterfahrt gehindert worden sein. Gleichzeitig mit der Demonstration der Opposition fand in Moskau eine Kundgebung von etwa 30.000 Anhängern Putins statt.

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