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Russland : Gericht setzt Haftstrafe gegen ein „Pussy-Riot“-Mitglied aus

  • Aktualisiert am

„Keine Reue“ vor Gericht: Die „Pussy-Riot“-Mitglieder Jekaterina Samuzewitsch, Maria Aljochina, und Nadeschda Tolokonnikowa (v.l.) Bild: dapd

Ein Moskauer Berufungsgericht hat die Haftstrafe gegen eine Sängerin der russischen Punkband „Pussy Riot“ zur Bewährung ausgesetzt. Die Lagerhaft für die beiden anderen Frauen wurde jedoch bestätigt.

          Im Berufungsverfahren gegen drei Mitglieder der Punkband Pussy Riot hat die russische Justiz die zweijährige Haftstrafe gegen Marina Aljochina und Nadeschda Tolokonnikowa bestätigt. Das Berufungsgericht in Moskau ließ die dritte verurteilte Sängerin, Jekaterina Samuzewitsch, am Mittwoch jedoch frei.

          Das Urteil gegen Jekaterina Samuzewitsch sei aufgehoben worden, weil sie von Wachleuten aus der Christus-Erlöser-Kathedrale in Moskau geworfen worden sei, bevor sie an der Protestaktion habe teilnehmen können, teilte das Gericht mit.

          Die seit März inhaftierten Frauen bekräftigten ihre Kritik an dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. „Wir sind bisher gegen Putin aufgetreten und tun dies jetzt“, sagte Jekaterina Samuzewitsch am Mittwoch. Auch ihre Mitstreiterinnen verteidigten die Protestaktion. Sie forderten eine Aufhebung der in erster Instanz verhängten Strafe von jeweils zwei Jahren Lagerhaft.

          „Wir wollen niemanden beleidigen“

          Die Protestaktion sei kein Angriff auf die Religion gewesen. „Wir wollen niemanden beleidigen“, sagte Frau Aljochina. Sie hätten gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin und auch gegen die Orthodoxe Kirche protestiert, die seine Herrschaft unterstütze. „Wir sind in die Kathedrale gegangen, um dagegen zu protestieren, dass sich die politischen und spirituellen Eliten vereinen“, erklärte sie.

          Ministerpräsident Dmitrij Medwedjew hatte mit einer Forderung nach Milde Mitte September die Hoffnung genährt, dass die Angeklagten auf Bewährung frei kommen könnten. Die drei Frauen weiter in Gefangenschaft zu halten sei „unproduktiv“, sagte Medwedew. Auch die Russisch-Orthodoxe Kirche hatte sich für eine Begnadigung der Musikerinnen ausgesprochen. Voraussetzung sei, dass die Frauen Reue für ihr „Punk-Gebet“ gegen Putin zeigten, teilte die Kirche mit. Die Angeklagten sagten jedoch am Mittwoch, sie könnten gar nicht bereuen, weil sie keinerlei religiösen Hass empfänden.

          Die Richterin unterbrach immer wieder Aussagen der Kremlgegnerinnen gegen Putin mit dem Hinweis, das Gericht sei keine politische Bühne. Vor dem Gerichtsgebäude  protestierten sowohl Anhänger der Band mit Rufen wie „Freiheit für Pussy Riot!“ als auch russisch-orthodoxe Christen, die nach harten Strafen riefen.

          Die Verteidigung betonte, dass es für eine Verurteilung wegen Rowdytums und Verletzung religiöser Gefühle keine Grundlage gebe. Verteidiger Mark Fejgin kritisierte zudem, dass Putin das Gericht beeinflusse, indem er - wie zuletzt - das harte Vorgehen gegen seine Kritiker ausdrücklich begrüßt habe.

          Verteidigerin Violetta Wolkowa forderte ein neues unabhängiges Gutachten zu der Aktion. Damit solle gezeigt werden, dass es in dem „Punkgebet“ nicht um religiösen Hass, sondern ausschließlich um eine politische Kritik an Putin sowie an der engen Verbindung zwischen Staat und Kirche gehe. Das Gericht in erster Instanz habe den politischen Aspekt ignoriert, kritisierte Frau Wolkowa.

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